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Erfolgsfaktoren einer Social Media Strategie – vorgestellt beim OMR-Podcast 0

Beim Online-Marketing-Rockstars-Podcast mit dem wunderbaren Philipp Westermeyer war Ende 2016 der Einhorn-Gründer Philip Siefer zu Gast und hat eine Stunde lang im Interview Auskunft gegeben darüber, wie Waldemar Zeiler und er ihre Marke für Bio-Kondome über Social Media, Online-Marketing und PR bekannt und erfolgreich gemacht haben. Sehr interessant für alle Entrepreneure und Social Media Manager, die nach Inspirationen für ihre Strategien suchen. Man kann aus diesem Interview die verzweifelt gesuchten „Kuchenback-Rezepte“ für eine erfolgreiche Social Media Strategie ablesen. Beziehungweise: Man kann verstehen, warum es keine Rezepte gibt 😉

Das Produkt – Bio-Kondome

Man braucht ein Produkt, das sich für die Community im Web eignet. Das ist beim Einhorn-Kondom

Einhornberlin bei Snapchat - mit Stories von Philip Siefer

Einhornberlin bei Snapchat – mit Stories von Philip Siefer

gegeben, da sich Design, Nachhaltigkeit und Spaß vereinen. Einhorn-Kondome wurden Anfang 2015 gegründet und erlangten wegen dem sehr persönlichen, erotischen, weltverbessernden Thema und der Marketing-Präsenz der beiden Gründer schnell Aufmerksamkeit. Kondome für verantwortungsbewusste und modebewusste, junge Kunden sind ein sehr spezieller Nischenmarkt, und bietet sich deshalb an für den Aufbau einer storytelling-aufgeschlossenen, interagierenden Community

Die Marke – die Story

Das Gründer-Team war intrinsisch motiviert und hatte wirkliches Lust auf den Aufbau dieser Nischen-Marke über Image, Design und Kreativität im Marketing. Das „Einhorn“ wurde als Markenname vom Team deshalb gewählt, weil die Bedeutung so passend für ihr Produkt ist. Um das Einhorn haben sich unzählige Geschichten und Sehnsüchte entwickelt: Das Einhorn kann alle Krankheiten der Welt heilen – das Einhorn schläft im Schoß der Jungfrau ein und die Jäger können dann heimlich das Einhorn abschrauben…

Die Entstehung – das Crowdfunding-Projekt

Direkt am 1. Tag des Crowdfunding-Projekts kamen die 50.000€ zusammen – damit startete das Einhorn-Kondom direkt unter den Top-10 aller Crowdfunding-Projekte von Startnext in Deutschland. Das Tolle am Crowdfunding ist, dass die Community sehr aktiv ist und viele Fragen hat. So wurde am meisten gefragt, ob das Kondom auch vegan ist. Das half sehr bei der Produktentwicklung, beim Aufbau der Persönlichkeit des Produkts und beim Marketing. Die Gründer hatten nämlich gedacht, dass „Sicherheit“ der wichtigste Aspekt sei bei einem Kondom – auf „vegan“ wären sie selbst nie gekommen.

Der Erfolg – Crowdfunding statt Venture Capital

Dieses Jahr (2016) wurden schon 100.000 Profit gemacht – ohne Investoren, ohne Abhängigkeiten. Das Crowdfunding-Projekt war so aufgebaut, dass die Unterstützer tolle Dankeschöns erhielten und am Erfolg des Business-Aufbaus beteiligt wurden. Zwar gab es bisher auch viele Kontakte zu Investoren, doch bisher haben die Gründer noch keinen Kapitalgeber gefunden, bei dem sie die volle Unabhängigkeit behalten würden in ihren unternehmerischen Entscheidungen. Darum haben sie alternative Wege gewählt und sind unabhängig geblieben. 2016 wurden rund 1 Millionen Einhorn-Kondome verkauft. Philip findet diese Vorstellung grandios: Eine Millionen Menschen haben Sex gehabt mit ihren Kondomen –  eine spannende, hoch sinnliche Geschichte.

Erfolgsfaktoren: Storytelling mit „Sinn“

Es wurde von Anfang an volle Power eingesetzt für den Brand/ das Markenimage. Über alle Kanäle (Online wie offline) wurden Geschichten erzählt, die medial interessant sind und mulitmedial verbreitet werden können. Lustige Geschichten, viele Reaktionen auf Erlebnisse (zum Beispiel hatten die Einhorn-Gründer schon während des Crowdfundings eine Klage von einem mächtigen Mitbewerber – das konnte medial sehr erfolgreich online wie offline in Stoytelling umgesetzt werden, da ihnen falsche „Orgasmen“-Werbeversprechen vorgeworfen wurden). PR war also die wichtigste Strategie – sie kamen bis in die Leitmedien mit ihren lustigen Geschichten und ihrer Authentizität und Kreativität – und dem Kampf „David gegen Goliath“.

Waldemar und Philip haben viel Spaß an Bühnen, Geschichten, Ideen, Dialog und öffentliche Selbstdarstellung. Am Liebsten hätten die Beiden eine eigene TV-Show. Das gibt die Kraft für das intensive Marketing. O-Ton Philip Siefer (und auch Philipp Westermeyer) im Podcast: „Ich selbst habe kaum Zeit für Sex – ich bin ja immer nur am Arbeiten“. Sowohl der OMR-Macher als auch die Einhorn-Gründer sind begeisterte Arbeiter.

Philip erzählt, wie er zum Beispiel Ewigkeiten mit seinem Team daran tüfteln kann, wie man das ideale Display für dfen Handel bauen kann. Da standen dann viele Displays von anderen Marken in der Wohnung und im Team wurde gerätselt, was an diesen Displays schlecht ist – und wie man es besser machen könnte. Die Suche nach dem idealen Design, dem idealen Brand ist ein entscheidender Erfolgdfaktor. Philip meint, dass zu etwa 80 Prozent das Design verantwortlich ist für den Erfolg – und zu maximal 20 Prozent die Nachhaltigkeit.

Distribution

Anfangs konnte man Einhorn-Kondome nur über den eigenen Online-Shop und Bioläden erwerben – die Kondome werden in Chips-Tüten verkauft. Später waren beim Vertrieb der eigene Online-Shop und der Verkauf über Amazon gleichstark. Und das, obwohl bei Amazon der Preis höher ist als im eigenen Shop. Nun kommt seit Kurzem dm hinzu – nun kann man Einhorn-Kondome auch in dm-Filialen kaufen. Nach dem TV-Auftritt bei „Höhle der Löwen“ lief fast der komplette Umsatz über den eigenen Shop. Das war sehr umständlich, da man die Distribution allein stemmen muss. Amazon ist da schon sehr praktisch. Einhorn macht Amazon-FBA und nutzt den Full-Service des Konzerns.

Beim Amazon-SEO wurde auf die üblichen Keywords gesetzt. Da es jedoch sehr viele Käufer, Kundenfragen und gute Bewertungen gab, brauchte das Einhorn-Team sich nie viel in die SEO-Feinheiten einarbeiten. Das Engagement der Kunden war verantwortlich für die gute Amazon-Platzierung. Es ist anscheinend sehr hilfreich, dass das Produkt – und das Produkt Video – sein Eigenes tut und man wenig künstlich puschen muss.

Philip hat Spaß daran, alle Social Media Kanäle auszuprobieren. Das ganze Team (15 Leute) ist sehr identifiziert mit der Marke. Das Einhorn-Team ist sehr heterogen und besteht aus lauter „Typen“, die alle Spannendes an Geschichten und Biografien mitbringen. So nutzt Philip sehr intensiv und gerne Snapchat. Zwischen 1.00 und 2.000 Follower schauen sich die Snaps von Philip an. Aber diese Zahlen sind Philip nicht wichtig. Er kontrolliert kaum die Follower, Fan und Kontakt-Zahlen in den sozialen Netzwerken. Ihm ist jeder Einzelne wichtig, denn Snapchat ist sehr persönlich. Sogar Günther Oettinger guckt die Storys von Philip bei Snapchat, wie dieser durch Zufall erfuhr.
Einhornberlin bei Snapchat

„Wir wollen Lovers – keine Fans“

Philip Westermeyer fragt, ob andere Marken wie Coca-Cola  überhaupt vom Social Media Marketing der Marke „Einhorn“ profitieren könnten. Philip Siefer meint, dass das schon möglich wäre, wenn der Marketing-Manager selbst seine Persönlichkeit und seine volle Authentizität in die Social Media Kommunikation geben würde – und wenn er gute Motive und Visionen hätte.

Philip meint, dass die meisten Marken datzu benutzt werden, um Menschen „zu verarschen“. Social Media und PR funktionieren nur, wenn man es wirklich ernst meint mit seinen Botschaften – und wenn die Menschen diese Leitidee der Marke und die Botschaften und Aktivitäten lieben.

Einfach nur reicher zu werden und möglichst viel aus den Mitarbeitern herauszuholen ist kein Ziel, um Communities zu begeistern. Philip Siefer möchte die Welt verbessern (wie viele Gründer) und will, dass die Company richtig „fett“ wird, einfach um dann viele Möglichkeiten zu haben, zusammen mit Anderen weiter die Welt zu verbessern durch fairen Handel.

Kann man den Erfolg durch Monitoring und Technik puschen?

Philip glaubt nicht daran, dass man durch Online-Marketing-Techniken, Big Data und andere professionelle Hebel ein Branding nachhaltig aufbauen kann. Er meint, dass Mut,“Beklopptheit“, Sinn, Spaß und Visionen die eigentlichen Erfolgsfaktoren sind. Je austauschbarer und unauthentischer das Produkt ist, desto mehr Budget und Ressourcen braucht man für Werbung, Tricks und Tracking.

Schon während der Crowdfunding-Kampagne hatten die Einhorn-Gründer Influencer als Untersützer, von denen sie sogar nicht unbedingt etwas wussten. So hatte die Sängerin von Jennifer Rush begeistert über Einhorn-Kondome gesnappt – das wussten das Team nicht einmal. Manchmal war diese intrinsich motivierte Influencer-Unterstützung nicht mal so gut, weil es zum Beispiel mal einen begeisterten YouTuber gab, der durchaus umstritten war und dann auch Kritik auf sich zog mit seinen Einhorn-Sympathien.

Reinvest ist wichtig – statt zu spenden lieber ein faires Business aufbauen

50 Prozent der Gewinne werden in nachhaltige Projekte investiert. Philip träumt davon, eine Schule in Malaysia zu gründen. 2016 wurden bereits 50.000 Euro in faire Projekte investiert – die Hälfte des Gewinns. Die Mitarbeiter von Einhorn legen individuell selbst ihr Gehalt und ihre Urlaube fest. Im Team wird das gemeinsam besprochen. So haben es von Anfang an die Gründer selbst gemacht – und so machen es nun alle 15 im Team. Philip meint, es hat doch sowieso keinen Zweck, mit Leuten zu arbeiten, die darauf gerade keinen Bock haben. Dann performen sie auch nicht. Darum können alle Mitarbeiter selbst bestimmen, ob sie kommen, gehen – und wie sie ihr Leben und ihr Gehalt gestalten. Die Einhorn-Mitarbeiter sollen glücklich sein – das ist den Gründern extrem wichtig. Un das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Aufbau der Firma.

Einhorn kann man nicht kopieren

Dieses erfolgreiche StartUp ist nicht kopierbar. Es ist einzigartig und aus Leidenschaft, Spaß und Sinn-Glauben gebildet. Das ist wohl der wichtigste Erfolgsfaktor für Social Media. Die Web-User wollen Authentizität, gemeinsame Werte und Identifikation mit der Marke. Zwar gibt es schon lange Kondome – doch ein so „altes“ Produkt aus seiner Schmuddelecke herauszuholen und mit fairen Produktionsbedingungen und nachhaltigem, liebevollem Ansrpuch zu verbinden: Das ist neu. Eine erfolgreiche Social Media Kampagne muss neu, einzigartig, emotional und verbindend sein. Das kann man nicht kaufen, das muss man leben.

Zum Online-Marketing-Rockstars-Podcast Beitrag:  Mit Einhorn Gründer Philip Siefer

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “Erfolgsfaktoren einer Social Media Strategie – vorgestellt beim OMR-Podcast

  1. Sehr geile Story, wortwörtlich 🙂
    Ich denke zu diesem Thema gibt es sicherlich viele interessante und vor allem auch lustige Werbemöglichkeiten wie z.B. Snapchat & Co. um hier die passende Zielgruppe zu erreichen.

    Cool, dass die Jungs mit einem relativ geringem Invest in dieser kurzen Zeit diese Erfolgsstory hingelegt haben und jetzt quasi natürlich wachsen.

    Respekt!

  2. Nicht wahr? Ja, Erfolg kann man nicht kaufen – Erfolg muss man leben! Ich liebe den Online-Marketing-Rockstars-Podcast – und die Einhorn-Jungs sind einfach ein tolles Vorbild

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