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Bedingungsloses Grundeinkommen und der digitale Wandel

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Als Eva im Januar die Blogparade zum Bedingungslosen Grundeinkommen gestartet hat, mögen Sie sich als fleißiger Leser der SteadyNews die Frage gestellt haben, was das nun mit digitalen Themen zu tun hat und warum Eva das tut. Mittlerweile dürfte vielen von Ihnen aus den zahlreichen interessanten Beiträgen hier und auf anderen Blogs klar geworden sein, dass diese beiden Themen geradezu untrennbar miteinander verbunden sind.

Der digitale Wandel ist die größte Veränderung unserer Gesellschaft seit langem. Oftmals lese ich sogar, dass es sich dabei um die allergrößte Veränderung seit bestehen moderner Gesellschaften handelt. Ich muss ehrlich sagen, dass auch ich zu dieser Einschätzung neige und mich gedanklich sehr oft und mit zunehmender Intensität mit den Konsequenzen dieses grundlegenden Wandels auseinander setze. Die Weltelite diskutiert aktuell neben der Frage danach, wie wir es schaffen, die vielen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, zu integrieren (oder wie wir es schaffen diese Menschen dort zu lassen wo sie herkommen :-( ) auch darüber, wie sich die Gesellschaft in Zukunft wandeln wird. Es ist die Rede von der vierten industriellen Revolution, und auch das Bedingungslose Grundeinkommen spielt eine Rolle. Kritiker sagen zwar, dass dieses Grundeinkommen unter den falschen Gesichtspunkten diskutiert wird, und dass die Eliten unserer Weltwirtschaft nicht dieselben Ziele verfolgen wie andere Befürworter, aber trotzdem wird immerhin über dieses Thema diskutiert und miteinander gestritten, welches der richtige Weg ist.

Grundmauer

Halten die Grundmauern unserer Gesellschaft den digitalen Wandel aus?

Warum aber sprechen sich selbst Experten für ein Grundeinkommen aus, denen man nachsagt, dass sie sich wenig Sorgen um den einzelnen Menschen machen, sondern lediglich die Interessen großer Konzerne verfolgen? Die Antwort ist kurz und knapp: Angst! Die längere Form der Antwort lautet: Experten machen sich Gedanken darum, wer in Zukunft noch die Produkte der Konzerne und Unternehmen kauft, wenn immer weniger Menschen arbeiten und Geld verdienen.

Denn genau dies ist ein wesentlicher Punkt, wenn wir über die Digitalisierung sprechen. Es werden sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. Nach Schätzungen von Experten alleine 7,1 Millionen innerhalb der nächsten 5 Jahre. Und lediglich ca. 2 Millionen dieser Arbeitsplätze werden durch neue ersetzt. Mit den Arbeitsplätzen fallen auch Löhne und Gehälter weg, die dann nicht mehr für den Konsum eingesetzt werden. Dies wiederum schadet der Wirtschaft, die weniger verkaufen kann und somit nicht das gewohnte Wachstum verzeichnen wird. Ein echtes Problem, wie viele der 2.500 Teilnehmer in Davos meinen.

Ist das nun alles reine Panikmache, und hat sich nicht in den letzten Jahrhunderten immer jeder Wandel als positiv herausgestellt? Haben nicht auch die Gesellschaften im Zuge der vergangenen drei industriellen Revolutionen große Herausforderungen zu bestehen gehabt, und sind diese nicht immer stärker geworden? Ja, diese Aussagen stimmen. Sie treffen aber wahrscheinlich nicht auf den aktuell stattfindenden Wandel zu. Dieser ist meiner persönlichen Einschätzung nach so tiefgreifend, dass wir ernsthaft über grundlegende Veränderungen nachdenken müssen. Es ist nicht damit getan, zu hoffen, dass genug neue Arbeitsplätze entstehen werden, um das gewohnte Modell einfach weiter zu leben. Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob Arbeit in Zukunft noch das zentrale Mittel sein darf, mit dem wir das stetige Wachstum und unseren Reichtum ankurbeln.

In Davos wird das Bedingungslose Grundeinkommen unter dem Gesichtspunkt der Sicherung eines Existenzminimums diskutiert. Dies geht nach meiner Meinung nicht weit genug und wird die auf uns zukommenden Herausforderungen nicht lösen, sondern nur abschwächen. Ein Grundeinkommen muss – wenn es dazu beitragen soll, den gesellschaftlichen Wandel zu ermöglichen – geeignet sein, jedem Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dies schließt mehr ein, als Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.

Aber warum ist es wichtig, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft so viel Grundeinkommen erhält, dass er theoretisch gut davon leben kann, ohne arbeiten zu gehen? Ganz einfach, weil dies ein sehr effektiver Schritt ist, die Schere zwischen Arm und Reich nicht größer werden zu lassen. Die Sicherung eines reinen Existenzminimums würde dazu führen, dass in Zukunft große Teile der Gesellschaft vom öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen würden. Dieser Teil der Gesellschaft würde lediglich dazu dienen, der Wirtschaft ein „Grundrauschen“ an Umsatz zu ermöglichen. Dabei ist egal, ob diese Menschen in der Lage wären zu arbeiten, aber sich mit dem Minimum zufrieden geben, oder ob sie eigentlich gerne durch Arbeit ein höheres Einkommen erzielen möchten, aber aus verschiedenen Gründen keine Arbeit in der neuen Arbeitswelt bekommen.

Ermöglicht das Bedingungslose Grundeinkommen aber die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wird sich die Gesellschaft dahingehend entwickeln, dass Arbeit von vielen Menschen nach anderen Kriterien bewertet wird. Nicht der Tausch von Zeit gegen Geld wird dann der wichtigste Maßstab sein, sondern andere Kriterien (Selbstverwirklichung, Nutzen für die Gesellschaft, etc.) werden stärker in den Fokus gerückt. Dies wiederum wird vielleicht dazu führen, dass der Umbau unserer Gesellschaft effektiver von Statten gehen wird.

Was ist Arbeit heute – neben der Möglichkeit Geld zu verdienen – für unsere Gesellschaft? Nach meiner Beobachtung ist sie oftmals zentrales Bewertungskriterium für den Wert eines Menschen. Nur wer Arbeit hat, wird so richtig ernst genommen. Zwar werden diejenigen, die (aus welchem Grund auch immer) auch ohne Arbeit am gesellschaftlichen Leben teilhaben können beneidet, aber so richtig ernst genommen werden diese Personen oftmals nicht. Wer keine Arbeit hat und auf Unterstützung durch den Staat angewiesen ist, wird heute oftmals als faul betrachtet. Und wer faul ist, scheint in unserer Gesellschaft weniger Wert zu sein als diejenigen die Arbeiten gehen.

Da es durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren immer mehr dieser Menschen geben wird, die einfach nicht arbeiten, wird es also auch immer mehr von denjenigen geben, die nach den aktuellen Maßstäben der Gesellschaft weniger Wert sind als andere. Dies – und nicht der Verlust von Kaufkraft durch den Wegfall von Arbeitsplätzen – wird die größte Herausforderung sein, die wir in den nächsten Jahren zu meistern haben. Die Grundlage des Wertes, den ein Mensch für die Gesellschaft hat, muss eine andere werden! Aus meiner Sicht ist das Bedingungslose Grundeinkommen fast die einzige Möglichkeit, diesen Wandel positiv zu gestalten.

Was meinen Sie? Ist das Bedingungslose Grundeinkommen für den Wandel der Gesellschaft wichtig? Oder steht uns gar kein so großer Wandel bevor, wie ich befürchte? Reicht ein sehr geringes Grundeinkommen oder muss dieses auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen? Sollen also auch diejenigen, die in Zukunft gar nicht mehr arbeiten, teilhaben dürfen?

©muckphoto-5064Dennis Arntjen
Vertrieb, Digitalisierung
Mallinckrodtstr. 320
44147 Dortmund
Mobil: 0151/27536121
E-Mail: da@kmu-digital.net
Website: www.kmu-digital.net
Xing: Dennis Arntjen
Twitter: @kmu_digital
Blog: Steadynews

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3 Comments

  1. Jörg Heeger sagt:

    Ich bin nicht für ein sogenanntes bedingungsloses Grundeinkommen, da ich es als Leistungshemmer empfinde. Nach meiner Ausbildung im Handwerk habe ich noch mal die Schulbank gedrückt, um an einer Uni studieren zu dürfen, da ich später eine bessere Stelle mit entsprechender Bezahlung haben wollte. Das hat auch alles ganz gut geklappt, war aber auch mit viel Mühe und finanziellen Entbehrungen verbunden. An dieser Stelle möchte ich junge Menschen dazu motivieren, das allerbeste aus sich herauszuholen. Meist kann man viel mehr, als man denkt. Ich finde es aber nicht richtig, daß Leute, die gut verdienen und sowieso viel mehr Steuern bezahlen, auch noch andere mit einem bedingungslosen Grundeinkommen subventionieren sollen. Im Gegenteil, ich bin für Steuersenkungen. Warum müssen Gutverdienende bis zu 42 % Einkommensteuer zahlen? Ich finde das völlig ungerecht, wie die Bürger von unserem lieben Staat geschröpft werden. Und für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger kann der Staat auch nicht richtig sorgen, siehe Sylvester. Deshalb gehen auch viele richtig Reiche in die Schweiz oder nach Luxemburg.

  2. Hi lieber Jörg, ich kann total gut verstehen, was Du meinst. Mit bedeutet der Begriff „Tüchtigkeit“ sehr viel und auch ich finde die Haltung, auf Kosten anderer Menschen zu leben (was ja auch „Reiche“ sehr gut können!) menschlich untragbar. Egal, ob wir Wohlstandsländer auf Kosten der ärmeren Länder in Saus und Braus leben (und dort Kriege produzieren) oder ob ein Einzelner auf Kosten der Pflichtbewussten lebt (oder auf Kosten der Eltern oder der Kinder). Jeder sollte danach streben, für diesen Planeten zu geben, was möglich ist, damit es allen fühlenden Wesen gut gehen möge. Aaaaaber: Wenn es Menschen gibt, die freiwillig mit wenig Konsum und ohne Arbeitsplatz sich bescheiden und kaum Ressourcen verbrauchen, könnte das ein Weg in die Digitalisierung sein, der friedlich und kreativ ist. Wir könnten innerhalb eines Jahres so viele Arbeitsplätze wegfallen lassen (wie Kassierer in Supermärkten), die nur künstlich weiter aufrecht erhalten werden, weil der Mensch eben durch „Arbeitsplatz“ definiert wird – und nicht durch „Tüchtigkeit“. Tüchtig sein heißt, etwas Sinnvolles leisten, etwas verbessern – oder auch (wie die StartUps es tun) etwas Altes zerstören und durch Neues ersetzen. Lasst uns mal gucken, wie sich das in Finnland und Co weiterentwickelt. Wer weiß, vielleicht haben wir einfach nicht genug Vorstellungskraft :) – Und wenn Du magst, schick einen Text (mindestens 300 Wörter) in word mit Deinen Kontaktdaten – wir brauchen endlich mal eine Gegenmeinung zum Bedingungslosen Grundeinkommen!!!

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