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Die Wikipedia wird 15 Jahre alt: Hat die Online-Enzyklopädie zu viel Macht?

Zunächst wurde bekannt, dass kommerzielle PR-Redakteure für Unternehmen Einträge in der Online-Enzyklopädie Wikipedia vornehmen oder ändern, nun kommt immer mehr heraus, dass Nachrichtendienste ebenfalls Tonalitäten und Fakten in Wikipedia-Artikeln beeinflussen. Ist es an der Zeit, zum 15. Geburtstag darüber nachzudenken, dass die unzähligen Redakteure und Administratoren der ehrenamtlichen Community unter Echtnamen arbeiten müssen? Aber würde das die unentgeltliche Bereitschaft der Community zerstören?

WikipediaAm 15. Januar 2001 rief der US-Amerikaner Jimmy Wales gemeinsam mit dem Programmierer Larry Sanger Wikipedia als Folgeprojekt ihres Online-Lexikons Nupedia ins Leben, ebenfalls mit der Vision, der Menschheit freies Wissen zur Verfügung zu stellen. Mit der Wiki-Software ging das nun noch viel besser, weil jeder Nutzer selbst Artikel einstellen, bearbeiten, verlinken und korrigieren konnte. Das kam unglaublich gut an und wuchs gigantisch. Allerdings zog sich Sanger relativ schnell aus dem Projekt zurück.

Heute gibt es mehr als 37 Millionen Beiträge in fast 300 Sprachen. Nach Google, Microsoft, Facebook und Yahoo ist Wikipedia die größte Plattform der Welt. Die deutsche Wikipedia-Ausgabe ist dabei mit 1,9 Millionen Artikeln die drittgrößte der Welt, nach der englischen und schwedischen Version. Auf Werbung wird weiterhin verzichtet, Wikipedia finanziert sich aus Spenden.

Nur 16 Prozent der freiwilligen Redakteure und Administratoren sind weiblich. Eine veraltete Technik und eine schwierige interne Community-Kultur führen dazu, dass sich immer weniger Autoren engagieren. Außerdem gibt es immer weniger relevante Themen, die nicht schon ausführlich bearbeitet worden sind.

Der Erfolg von Wikipedia ist wohl neben der kostenlosen, bequemen Verfügbarkeit auch darauf zurückzuführen, dass Enzyklopädien in Print kaum noch verlauft werden können – die Welt ändert sich so schnell, dass Bücher einfach zu schnell veralten. Etablierte Lexika wie der Brockhaus konnten sich nicht ahlten. Da stellt sich die Frage: Hat Wikipedia zu viel Macht, was das Wissen der Menschheit  betrifft? Werden wir von einer kleinen Community manipuliert, die keinen kontrollierbaren, demokratischen Instanzen untergeordnet ist? Hat sich die Vision von Wikipedia durch die veraltete Technik und die schwierige Diskussions-Kultur der anonymen Wikimedia-Community auf den Kopf gestellt?

Dadurch, dass die meisten Artikel von weißen, westlichen Männern geschrieben und bearbeitet werden, wird häufig kritisiert, dass die Wikipedia zu einseitig ist. Anfang Januar 2016 veröffentlichte kress.de einen Artikel, in dem glaubhaft skizziert wird, dass anscheinend auch der deutsche Verfassungsschutz Redakteure beschäftigt, die sich „ehrenamtlich“ in der Wikipedia-Community engagieren, viele administrative Arbeit leisten – und dadurch auch die Möglichkeit haben, Artikel im Sinne des Nachrichtendiensts zu ändern.

Vielleicht sollte die Wikimedia-Community endlich einmal darüber nachdenken, dass die Administratoren und Autoren unter Klarnamen arbeiten. Für viele Menschen wäre das ein Anreiz, Autor zu werden, da sie dann auch persönlich etwas davon hätten (z.B. wissenschaftliche Hochschulmitarbeiter). Es wäre auch leichter möglich, kommerzielle PR-Redakteure und Redakteure von anderen Organisationen zu identifizieren. Transparenz ist immer noch die beste Möglichkeit, um Missbrauch zu verhindern.

 

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