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Digitaler Wandel und Datenschutz am Beispiel intelligenter Stromzähler

Zugegeben. Das ist schwer zu erfassendes und noch schwerer in wenige Worte zu fassendes Thema. Ich möchte es aber trotzdem versuchen. Und zwar anhand eines ganz konkreten Beispiels. Der Digitalisierung unserer Stromversorgung. Konkret am Beispiel sogenannter Smart Meter, die in sehr naher Zukunft dazu beitragen werden unsere Stromversorgung flexibler zu gestalten. Und mit denen viele Verbraucher das Versprechen verbinden, in Zukunft im Durchschnitt weniger für den verbrauchten Strom zu bezahlen. Abgesehen von diesen Versprechen und abgesehen davon das es offensichtlich notwendig ist, unsere Stromversorgung intelligenter zu gestalten, werfe ich mit diesem Beitrag einen Blick auf das Thema Datenschutz und darauf, welche Daten theoretisch mit Hilfe der Smart Meter erhoben werden können.

Inhalt

  1. Warum brauchen wir intelligentere Stromversorgung?
  2. Welche Daten lassen sich mit Hilfe von Smart Metern ermitteln?
  3. Wie gehen wir mit den theoretischen Gefahren um?

hockenheim-844452_1280Warum brauchen wir intelligentere Stromversorgung?

Strom wird in Zukunft nicht mehr immer dann produziert werden, wenn er auch wirklich gebraucht wird. Das hängt mit dem kollektiven Entschluss zusammen, Energiequellen die unserer Umwelt schaden in Zukunft weniger stark zu nutzen und in letzter Konsequenz ganz abzuschalten. Und es hängt damit zusammen, dass es in Deutschland sehr bald schon nur noch sehr wenig bis gar keinen Strom aus Atomkraftwerken geben wird. Sowohl die Umweltschädlichen Kohle- und Gaskraftwerke als auch Atomkraftwerke konnten in der Vergangenheit dazu eingesetzt werden immer dann Strom zu produzieren wenn er auch gebraucht wurde. Niemand musste sich große Gedanken über die sinnvolle Speicherung von Strom machen. Und auch nicht darüber wann Strom am intelligentesten verbraucht werden sollte.

Das ist also nun anders. Wir verbrauchen unseren Strom wie gewohnt dann, wann wir es wollen und so wie wir es lange gewohnt sind. Dabei nehmen wir Verbraucher keine Rücksicht darauf, ob gerade besonders viel oder besonders wenig Energie produziert wird. Können wir wahrscheinlich auch gar nicht, da uns das notwendige Wissen nicht zur Verfügung steht.

Wir brauchen also eine Möglichkeit, zu erfahren wie wir unseren Strom aktuell verbrauchen und wann wir ihn sinnvoller Weise verbrauchen sollten.

Welche Daten lassen sich mit Hilfe von Smart Metern ermitteln?

Smart Meter stellen uns Informationen darüber zur Verfügung, wie wir Energie verbrauchen. Aus den Daten die ein Smart Meter gewinnt, lassen sich für jeden einzelnen Verbraucher Rückschlüsse darüber ziehen, wie er Energie verbraucht, welche Geräte in seinem Haushalt ggf. überdurchschnittlich viel Strom verbrauchen, lassen sich Lastspitzen ggf. auf andere Zeiten verlagern? Diese und viele andere Fragen lassen sich mit Hilfe von Smart Metern beantworten.

Stromversorger gewinnen zudem wichtige Erkenntnisse darüber, zu welchem Zeitpunkt Verbraucher welche Geräte einsetzen, wie diese Geräte genutzt werden und welcher Stromverbrauch sich dadurch ergibt. Diese Werte lassen sich gut nutzen um wichtige Rückschlüsse für die sinnvolle Planung von Netzen zu schaffen, die Planung neuer Speichertechnologien zu vereinfachen und intelligente Tarife für die Verbraucher zu schaffen, die dazu führen können den Stromverbrauch auf Zeiten zu verlagern zu denen genügend Strom zur Verfügung steht. Weitere Informationen lassen sich hier nachlesen.

solar-835894_1280Wie gehen wir mit den theoretischen Gefahren um?

Je feiner Smart Meter die Daten erfassen, desto mehr Informationen erhalten Verbraucher und Energieversorger. Dies birgt vielfältige Möglichkeiten. Diese reichen von der einfachen Erfassung von Verbräuchen bis hin zu der Möglichkeit aus den Verbrauchsdaten ablesen zu können, welches Fernsehprogramm gerade in einem bestimmten Haushalt läuft oder welcher Bewohner einer Stadt Nachts die Toilette benutzt.

Wir leben in Zeiten von Big Data. Also besteht nicht nur die Möglichkeit Rückschlüsse aus den Daten der Quelle Smart Meter zu ziehen, sondern diese Daten auch mit anderen Quellen zu verbinden und daraus noch viel weitreichendere Rückschlüsse zu ziehen.

Wie gehen wir als Gesellschaft mit diesen Möglichkeiten um? Sagen wir uns, dass wir es so oder so nicht ändern können und lassen den Dingen ihren freien Lauf? Oder versuchen wir Einfluss zu nehmen? Wie könnten Maßnahmen zur Vermeidung der oben grob beschriebenen Szenarien aussehen?

Ich kann (natürlich) keine Lösung anbieten. Was ich aber als wichtig erachte, ist die Diskussion über gesellschaftliche relevante Dinge. Wollen wir intelligente Stromzähler haben, die potentiell die Möglichkeit bieten uns auszuspionieren? Welche Möglichkeiten haben wir, unsere Daten sinnvoll zu schützen und trotzdem Nutzen aus intelligenter Stromversorgung zu ziehen? Ist uns überhaupt bewusst, welche Gefahren theoretisch bestehen?

Es geht nicht darum, neue Technologien zu verteufeln oder deshalb nicht einzusetzen, weil sie potentiell Gefahren bergen. Es geht lediglich darum, dass wir alle in der Lage sein sollten bewusst Entscheidungen zu treffen. Und das geht nur dann, wenn wir alle Möglichkeiten kennen und wenn wir in unserer Gesellschaft darüber diskutieren. Das einfache Argument „wir können es nicht ändern und mir doch egal was mein Stromversorger über mein Verhalten weiß“ möchte ich persönlich nicht gelten lassen. Für mich ist dies eher Ausdruck von Überforderung als Ergebnis intensiver Beschäftigung mit Digitalisierung und Big Data.
©muckphoto-5064Dennis Arntjen
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Über Dennis Arntjen

Als Vertriebsspezialist, Social Media Kenner und Experte des digitalen Wandels schreibt Dennis Arntjen jede Woche Beiträge rund um die Digitalisierung des Mittelstands. Gemeinsam mit Eva Ihnenfeldt leitet Dennis Arntjen das Unternehmernetzwerk KMU Digital. Dort ist er verantwortlich für die Mitgliederbetreuung, den Vertrieb sowie verschiedene Themen rund um die Organisation von Veranstaltungen.

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