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Ist Social Media auch ein „GPS der Sicherheit“? Öffentlichkeit und Transparenz gegen Gewalt

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Die jüngsten Terroranschläge in Brüssel spiegeln sich natürlich auch in den sozialen Medien. Es gibt viele Trauerbekundungen – und bei Twitter gab es nach dem Anschlag am 22. März 2016 eine regelrechte Hashtagschlacht zwischen dem Hashtag „StopIslam“ und dem Reaktions-Hashtag „#AufdieLiebe“ – (den übrigens die Konstruktiven haushoch gewonnen haben – sogar unter #StopIslam waren 99 Prozent der Tweets gegen diesen populistischen Aufruf :) ). watson: #StopIslam vs. #AufdieLiebe

Was wir hier in unseren Wohlstandsländern nicht gewohnt sind, ist für viele Länder der Welt grausamer Alltag: Polizeiwillkür, organisierte Kriminalität, Krieg, Terror, Anarchie, Armut und mangelnde Versorgung mit dem Nötigsten. Doch gerade hier zeigt Social Media seine unersetzbare Stärke: Nicht nur durch virale Verbreitung und Aufdeckung von Unrecht, sondern durch Vernetzung und dem konstruktiven Miteinander. Lösungen und Pläne werden erarbeitet, es wird geholfen und es entstehen Projekte gegen die Ohnmacht.

Heute habe ich einen beeindruckenden Beitrag dazu gelesen aus Brasilien, aus den Favelas von Rio de Janeiro. Es ist berührend Favelazu sehen, wie sich dort die Armen, die ohne Schutz und Sicherheit den Brutalitäten der organisierten Kriminalität und der Polizei ausgeliefert waren, dank Social Media organisiert haben. Allein in Rio gibt es mehr als 1.000 solcher Armenviertel – das größte zählt ca 300.000 Menschen.

Die Bewohner erstellen Karten für ihre Favela und vervollständigen Google Maps. Sie tragen Einkaufsmöglichkeiten, Bars und Übernachtungsmöglichkeiten ein. Sie tauschen sich aus über die Anbieter von Strom und Wasser und machen öffentlich, wenn sie preislich mit dieser Grundversorgung ausgepresst werden. Sie informieren sich in Echtzeit über Schießereien, Brände, Gewalttaten. So können sie plötzlich relativ sicher das Viertel durchqueren, da sie die Konflikt- und Gewaltherde in Echtzeit identifizieren können.

52 Prozent der Brasilianer sind online, bei den Jugendlichen sind es 80 Prozent. Die Favela-Bewohner sind zum Teil durchgängiger im Internet als die Einwohner wohlhabender Stadtteile – fast jeder hat ein Smartphone. Smartphones sind überlebenswichtig. Facebook, WhatsApp und Twitter sind das „GPS der Sicherheit“ der Menschen in den Armenvierteln.

Sie machen Folter, Erpressung und Mord der Polizei öffentlich und haben es geschafft, dass eine Reihe von Polizisten zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Die Menschen helfen sich gegenseitig, da sie über Twitter und Facebook erfahren, wenn jemand in Not ist. Sie wehren sich und kämpfen für ihre Rechte – sie planen Demonstrationen und schaffen Vernetzung über die Favelas hinaus. Die Armen schließen sich zusammen. Was für eine Errungenschaft!

Mich macht es immer ein bisschen traurig, wenn ich hier lese oder höre, Social Media sei nichts weiter als ein Unterhaltungsmedium – bestenfalls ein preisgünstiger Werbekanal für Anbieter. Ich wünsche mir so sehr, dass wir anfangen, trotz unseres bequemen, sicheren Lebens politisch und mit gesellschaftlicher Verantwortung zu denken.

Wir müssen es schaffen, kulturübergreifend aufeinander zuzugehen, allein schon, um dem IS den Boden für Krieg und Terror zu entziehen. Es ist unwahrscheinlich, dass der IS, der massiv im Mittleren Osten bekämpft wird, es bei den bisher erfolgten Anschlägen belassen wird. Bei Jürgen Todenhöfer hatte ich schon Mitte 2015 gelesen, dass die nächste IS-Strategie ist, den Hass und das Misstrauen zwischen Nicht-Moslems und Moslems im Westen zu schüren.

Wir können uns nicht mehr allein auf die Politik fokussieren, die gemeinsam Strategien gegen den Krieg in Syrien und den Nachbarregionen entwickeln muss – wir müssen nun auch selbst unser Quentchen beitragen.

Über soziale Netzwerke können wir unsere moslemischen Nachbarn und Mitbürger beruhigen, damit sie sich nicht ausgeschlossen und bedroht fühlen, wir können innerhalb unserer Reichweite dazu beitragen, dass der IS hier keinen Boden für seine alttestamentarische „Auge um Auge“-Propaganda findet, da wir aufeinander zugehen und miteinander nach Lösungen für soziale Probleme suchen und uns gegenseitig helfen und respektieren.

Nur über soziale Netzwerke können wir so stark werden wie die Armen in den Favelas. Die Zeit ist reif für Frieden, Aufklärung und Dialog, gerade die Älteren bitte ich herzlich, sich daran zu beteiligen. Glaubt mir, bei Facebook und Twitter geht es nicht nur um Katzen-Videos und Essensfotos – hier gibt es viele Menschen, die sich ernsthaft Sorgen machen und sich wünschen, gemeinsam etwas für die Heilung der Welt zu tun.

Warum nicht gleich anfangen und diesen Beitrag in sozialen Netzwerken teilen? politik-digital: Social Media in Brasilien – eine Waffe gegen Gewalt

 

 

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