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Sascha Lobo in Dortmund: Nicht die Technologie – der Mensch verändert die Gesellschaft!

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Am 8. März 2016 war Sascha Lobo zu Gast bei der Handwerkskammer Dortmund – beim Symposium zum Thema Handwerk 4.0. In einem einstündigen Vortrag führte der bekannte Journalist und digitale Vordenker durch die Welten, die durch die Digitalisierung das Handwerks betreffen. Besonders betonte er, dass nicht die Technologie für die radikale Veränderung in Beruf und Gesellschaft verantwortlich ist, sondern die Art, wie der Mensch sie nutzt. Das, was als „Social Way“ bezeichnet wird, bezeichnet die Macht der Vernetzung. Die Menschen verbinden sich, empfehlen sich und erwarten vom Anbieter Dialog auf Augenhöhe. Soziale Kompetenz und Bereitschaft zur Mitgestaltung entscheiden künftig immer mehr darüber, für welchen Handwerksbetrieb sich Kunden entscheiden.

Sascha_Lobo_Handwerkskammer_DortmundDer Vortrag war so aufgebaut, dass Lobo zunächst einen allgemeinen Überblick über die rasante Entwicklung im digitalen Bereich gab. Dadurch wurde deutlich, dass nicht der technologische Fortschritt – also die Effizienz in Produktion, Kosten und Prozessen – der eigentliche Schlüssel zum Verständnis sind, sondern die Veränderung des Menschen innerhalb dieser technologischen Revolution.

Soziale Vernetzung: Facebook ist weltweit ein durchgängiges Kommunikations-Netzwerk geworden. Überall auf der Welt bauen sich die Menschen digital ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Kommunikationspartnern auf, auf deren Empfehlungen und Bewertungen sie hören. Hier liegt gerade im Handwerk ein wichtiger Schlüssel zur Kundengewinnung und Kundenbindung (Anmerkung der Autorin: Und der Rekrutierung von Nachwuchs!).

Sascha Lobo empfiehlt Handwerkern, die Produkte ihrer Arbeit im Web zu inszenieren. Ob Wandgestaltung, Tischlerarbeiten oder auch Elektroinstallationen, durch professionelle Fotografien, Bewegtbilder und Videos lassen sich diese meisterlichen Arbeiten visuell in Szene setzen. Anwendungs-Beispiel: Pinterest bietet als digitales Fotoalbum hervorragende Möglichkeiten für die Präsentation, virale Verbreitung und Archivierung von Handwerksleistungen.

Menschen entwickeln eine „Maker-Culture“ – dabei sein oder ignorieren?

Selbstverständlich ist es auf den ersten Blick bedrohlich, wenn sich Menschen vernetzen und zum Beispiel über gemeinsam betriebene Werkstätten selbst handwerklich tätig werden und Anleitungen hierfür ins Netz setzen und verbreiten. Obama nennt die soziale Vernetzung der Vielen in den USA „A Nation Of Makers“. Doch es wäre fatal, diese Entwicklung zu ignorieren oder sich als Profi darüber kopfschüttelnd zu erheben. Wenn Betriebe nicht mitziehen und die gesellschaftliche Entwicklung akzeptieren, wird man als Unternehmer sicher bald ausgeschlossen werden und mehr und mehr unsichtbar. Lösungen liegen im sozialen Kontext und der Bereitschaft, Wissen zu teilen und kreativ mitzugestalten.

Steigerung der Maker-Culture: Der Plattform-Kapitalismus

P1010816Uber, airbnb, DaWanda und andere Plattformen sind Vorreiter einer gesellschaftlichen Veränderung, die Sascha Lobo als „Plattform-Kapitalismus“ bezeichnet. Nicht mehr der herausragende Erfinder, Querdenker und Unternehmer gestaltet den wirtschaftlichen Fortschritt, sondern der ganz normale Durchschnitts-Mensch: Er entdeckt in sich selbst den unternehmerischen Teil, nutzt Plattformen als Ökosystem, bietet sich haupt- oder nebenberuflich mit seinen Fähigkeiten, Leidenschaften und Möglichkeiten an. Gerade das Handwerk ist betroffen, wenn Laien den Profis Konkurrenz machen.

Auch hier sollten innovative Modelle entworfen werden, um nicht ohnmächtig zuzuschauen. Lobo meint, dass Genossenschaften eine gute Möglichkeit sein könnten, um im Handwerk Plattformen aufzubauen, um den einzelnen Betrieben die Möglichkeit geben, bei diesem Plattform-Kapitalismus mitzumachen. Zum Beispiel könnten Software-Lösungen gemeinsam entwickelt und laufend diskutiert und optimiert werden. Herausragend ist das Beispiel der Steuerberater, die mit der DATEV genau so eine Genossenschaft aufgebaut haben. Die Berater sind die Betreiber, die DATEV hat den Auftrag, digitale Lösungen zum Wohl ihrer genossenschaftlichen Mitglieder zu verwalten.

Selbstverständlich werden auch bei der Auftragsvergabe digitale Werkzeuge schon sehr bald ausschlaggebend werden bei Ausschreibungen. Schon heute werden Bauprojekte durchgehend digital durchgeplant, bevor sie gebaut werden. Inklusive genauester Kostenrechnungen, Lieferzeiten, Arbeitsschritte und allen anderen Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Was passiert, wenn man hier nicht mithalten kann als Subunternehmer, der nicht über die entsprechende Technologie verfügt? Wird es dann überhaupt noch möglich sein, sich an Ausschreibungen erfolgreich zu beteiligen?

Ein anderes Beispiel ist die Zahntechnik. Über 3D-Druck kann Zahnersatz dermaßen exakt und kostengünstig hergestellt werden, dass Zahntechnik-Betriebe, die sich der neuen Technologie verweigern, kaum Überlebenschancen haben werden. Arbeitsstrukturen verflüssigen sich. Aus Möglichkeiten werden Pflichten.

Grundlegende Verschiebung: Von der Hardware zur Software

Die Menschen entscheiden sich zunehmend für Softwarelösungen, wenn sie investieren und konsumieren. Nicht das Gerät ist

Symposium_Handwerkskammer_Dortmund Voll besetzt war der Saal vom HWK-Bildungszentrum Hansemann beimThema Handwerk 4.0 am 8. März 2016

Symposium_Handwerkskammer_Dortmund
Voll besetzt war der Saal vom HWK-Bildungszentrum Hansemann beimThema Handwerk 4.0 am 8. März 2016

ausschlaggebend bei der Kaufentscheidung, sondern die Software! Beim Smartphone diskutiert man weniger über das Handy als Produkt, als über die Möglichkeiten des installierten Betriebssystems: Was ist besser – iOS oder Android? Was bietet mir den besten Komfort, die beste Flexibilität, die besten Updates und die besten Möglichkeiten im Gebrauch?

Auch bei Autos, Heizungssystemen etc. entscheidet zukünftig die Software über den Kauf. SmartHome ist mehr als ein Schlagwort und eine Modeerscheinung – es ist der Beginn einer Entwicklung, die gerade das Handwerk extrem betreffen wird. Tesla ist kein Autohersteller, sondern ein Software-Unternehmen – Software überholt Hardware in der Bedeutung.  Lobo nimmt als Beispiel den Beruf des LKW-Fahrers in den USA. In 42 von 50 Bundesstaaten ist LKW-Fahrer tatsächlich der häufigste Beruf überhaupt: Was passiert mit all diesen Menschen, wenn bald selbstfahrende LKW’s diese überflüssig machen?

Der Elektroinstallateur muss Experte für Software sein beim digitalen Gebäudemanagement. Welten verschmelzen, Software bestimmt Hardware, der Plattform-Kapitalismus zerstört althergebrachte gesellschaftliche Ordnungen und Schichten. Wohin die Entwicklung geht? Wahrscheinlich wird schon in 10, 20 Jahren der Griff zum Handy überflüssig sein, weil wir die digitale Technik durch eine Transplantation implementiert haben – wie einen Herzschrittmacher.

Wahrscheinlich wird in vielen Bereichen die haptische Berührung von Gegenständen überflüssig, weil wie durch reine Fingerbewegungen und Gesten Geräte steuern können, die sich weit weg von uns befinden. Das, was wir schon heute in der Chirurgie mit Fernoperationstechniken bewundern können, werden Systemhäuser von morgen Handwerksbetrieben einrichten können: Fernwartung, Fernreparatur, Fernsupport…. Es gibt viel zu tun, doch nur mit dem mutigen Blick nach vorn und dem aufgeschlossenem Geist gegenüber gesellschaftlichen Wandlungen bleiben Betriebe zukunftsfähig (Anmerkung der Autorin: Und attraktiv für junge Nachwuchskräfte).

Weitere Informationen zum Symposium Handwerk 4.0 in Dortmund

Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen! Ein Selfie mit vielleicht dem prominentesten digitalen Vordenker Deutschlands, Sascha Lobo

Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen! Ein Selfie mit vielleicht dem wichtigsten digitalen Vordenker Deutschlands, Sascha Lobo

 

 

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