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Was sind eigentlich BarCamps? Am BarCamp Ruhr 2016 erklärt – #bcruhr9

BarCamps kann man nicht gut erklären, man muss sie erleben. BarCamps gehen davon aus, dass jeder Mensch ein Experte ist, und dass es ganz natürlich ist, sein Wissen mit anderen zu teilen. BarCamps gehen davon aus, dass „Kontrolle“ völlig überflüssig ist, solange man genügend „Vertrauen“ hat. BarCamps sind Konferenzen, bei denen die Organisatoren den Rahmen gestalten – die Inhalte jedoch während der (meist) zweitägigen Tagung von den Teilnehmern selbst festgelegt und durchgeführt werden. Ersonnen von Nerds, die ohne Experten-Austausch per se verloren wären, haben sich die so genannten Un-Konferenzen nun bis zu uns Normalos vorgearbeitet – und für mich persönlich war das BarCamp Ruhr 2016 im Unperfekthaus (UPH) der bisherige Höhepunkt meiner vielen BarCamps. Denn alles war extrem entspannt.

Eröffnungsrunde um 10.00 Uhr am 19. März - ab da ging es bis in den späten Abend weiter - mit Leidenschaft und Spaß

Eröffnungsrunde um 10.00 Uhr am 19. März – ab da ging es bis in den späten Abend weiter – mit Leidenschaft und Spaß

Mein erstes BarCamp war 2008, ebenfalls im UPH in Essen. Damals ging es um Bürgerjournalismus und den Wunsch, über ein CMS vor Ort demokratische Lokalmagazine zu realisieren. Damals war ich völlig fasziniert von der Nerd-Kultur, in der Jeder während der Vorträge auf seinem Laptop arbeiten konnte, ohne dass sich jemand darüber aufregte – oder in sein Handy tippen. Niemand musste „brav“ zuhören, es gab keine Langeweile, weil man ja mehrere Sachen gleichzeitig tun konnte! Die Programmierer diskutierten in irgendwelchen Sofaecken über technische Lösungen, und die „Weltverbesserer“ redeten sich die Köpfe heiß, wie man das Niveau hochhalten kann, ohne freiwillige Reporter auszuschließen, weil sie Einem nicht in den Kram passen.

Danach war ich so oft wie möglich auf BarCamps, habe auch häufiger eigene Sessions gehalten – sogar in Nürnberg war ich. Meine Sessions waren nicht so der Bringer, weil ich viel Input gab und viel „unterrichtete“, aber nicht verstand, dass die Menschen sich austauschen wollten, anstatt zuhören. Als Teilnehmer machte ich selbst die gleiche Erfahrung: Immer, wenn jemand lange Vorträge hielt, wurde mir langweilig und ich begann, viel zu twittern während der Session – doch wenn wir gemeinsam Themen diskutierten, war es interessant und spannend.

Die letzten zwei Jahre waren die BarCamps, die ich besuchte, sehr marketinglastig. Social Media Fachkräfte , Community Manager und

Samstag abend hatten viele noch lange gefeiert - dementsprechend müde begann der Sonntag - wider um 10.00 Uhr

Samstag abend hatten viele noch lange gefeiert – dementsprechend müde begann der Sonntag – wider um 10.00 Uhr

PR-Experten suchten nach Lösungen für ihre Unternehmens-Ziele, und die Nerds blieben immer mehr weg, weil sie ihre Themen immer weniger vertreten sahen. Ich begann zu befürchten, dass BarCamps für mich uninteressant werden.

Doch in diesem Jahr machte ich eine neue Erfahrung. Natürlich waren beim BarCamp Ruhr auch viele Redakteure, Marketing-Leute (wie ich) und Social Media Manager, doch es waren auch viele Tech-Experten da, und die Atmosphäre war von Anfang an extrem entspannt. Vielleicht geht es Vielen so wie mir, dass sie durch die verschiedenen Phasen von Euphorie und Enttäuschung gegangen waren – und sich nun gelassen und entspannt genau auf das einlassen konnten, was da kam? In dem Bewusstsein, auf jeden Fall ein schönes Wochenende unter Gleichgesinnten zu genießen – ohne zu hohe Erwartungen und ohne Stress?
Zur Website vom BarCamp Ruhr 2016

Zumindest war es genau das, was ich erlebte. Vielleicht lag es auch an mir. Als wir in einer Session eine Übung machten zu „The Work“ von Byron Katie (es war unglaublich, was da in 45 Minuten passierte – danke nochmals an unsere wunderbare Moderatorin!) stellte ich fest, dass ich im Moment tatsächlich überhaupt keinen Stress hatte – mir fiel überhaupt kein stressiges Problem ein.

In unserer "Birkenbihl-Session" erstellten wir ABC-Listen und halfen uns gegenseitig, diese zu deuten

In unserer „Birkenbihl-Session“ erstellten wir ABC-Listen und halfen uns gegenseitig, diese zu deuten

Welche Session ich an den zwei Tagen erleben durfte? Es ging um Google Analytics und die entsprechenden Zielvorgaben, um Lernmethoden nach Vera F. Birkenbihl, um eine neue journalistische Plattform, um Erfolgsfaktoren im Crowdfunding, und um die Nutzung von Storify. Zwischendurch schlenderte ich immer mal wieder zum Buffet und genoss das köstliche Essen (so vielfältig im UPH!), und natürlich kamen auch Diskussionen und Netzwerken nicht zu kurz.

Die beiden Organisatoren und Veranstalter Berthold Bart (@bertholdb) und Maik Wagner (@fernmuendlich) waren ebenso entspannt wie die Teilnehmer. Ich glaube, auch das wirkte sich sehr auf uns alle aus. Und der Verantwortliche vom Catering des UPH machte uns bei der Schlussrunde am Sonntag nachmittag ein großes Kompliment: „Also wir haben ja viele BarCamps hier im UPH – und gerade das BarCamp Ruhr mit über 100 Leuten ist nicht gerade eines der Kleineren. Doch wie Ihr hier laufend daran gedacht habt, Eure Teller und Tassen wegzuräumen, die Räume aufgeräumt zu verlassen – sogar die Stühle wieder ordentlich an die Tische zu rücken, das ist schon was ganz Besonderes. Ihr habt uns bei unserer Arbeit sehr geholfen – nicht dass Ihr das müsstet, Ihr seid ja Gäste!, doch da wollte ich einfach mal DANKE sagen.“

Tja, für mich wieder mal eine Bestätigung meiner Theorie, dass es viel besser ist, an das Gute im Menschen zu glauben, als ihn auf Mängel hinzuweisen. Für mich war es eine wunderschöne, stärkende Erfahrung. Und eins ist klar: Beim nächsten BarCamp suche ich mir gezielt die „Psycho-Sessions“ heraus. Denn gemeinsam mit lieben, klugen Menschen an seinen persönlichen Zielen, Sorgen und Wünschen zu arbeiten, ist absolut genial. So kameradschaftlich, so ohne spießige Vorgaben kommt man in wenigen Minuten ganz schön weit – da möchte auch ich einfach mal „danke“ sagen – Ihr seid absolute Spitzenklasse :)

Sponsoren_BarCampRuhr2016

Vielen Dank an die Sponsoren! Ohne diese innovativen Unternehmen wären BarCamps nicht möglich – sie sind es, die den „Change“ im digitalen Wandel befördern.

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3 Comments

  1. Christopher sagt:

    Leider konnte ich nicht beim bcruhr9 sein, sonst hätte ich die Technikleute als Nerd/Geek verstärken können. :)
    Mich würde interessieren, was du aus der Vera F. Birkenbiehl Session mitgenommen hast. Ich hab damals ein Buch von ihr gekauft und hab auf den ersten 40 Seiten nichts hilfreiches lesen können. Zudem wird man von ihr in ihren Büchern ja erschlagen mit Eigenbegriffen und einem Copyright dahinter. Als wenn sie das lernen komplett selbst erfunden hätte.

  2. Hi lieber Christopher, ich kannte Vera F. Birkenbihl ja auch persönlich – und ihre Vorträge (YouTube ist voll davon) inspirieren mich sehr. Bei den Büchern ging es mir allerdings wie Dir. Damit komme ich überhaupt nicht zurecht. Bei den Birkenbihl-Sessions haben wir uns einfach mal ein Thema ausgewählt (Es war „Was möchte ich 2016 an neuem Thema in mein Leben integrieren?“)und dazu eine ABC-Liste erstellt und in der Runde diskutiert. Das war total toll, und ich war überrascht, wie sich Menschen, die sich völlig fremd sind, gegenseitig helfen können. Nur weil wir die Assoziationen aus dem ABC hörten, wurde uns klar, wo die eigentliche Herausforderung war. Man rümpft ja oft die Nase über diese „Selbstergfahrungs-Workshops“, aber das sehe ich anders. Nur wer in sich hineinblicken kann, kann entschieden handeln. Und komm unbedingt zu einem BarCamp! Ende April ist ja wieder ein Agile-Camp im UPH – da bin ich auch, und es wird ganz sicher sehr spannend. http://agile.ruhr/camp/2016/ Wer toll, wenn wir uns da sehen :)

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