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„Cat-Content“ reicht nicht mehr bei Facebook und Co – die Fans wollen Haltung sehen

Social Media ist ja ein unendlich junges Phänomen im Marketing. 2008 kam in Deutschland der Begriff überhaupt erst einmal auf (bis dahin sagte man Web 2.0), und erst seit wenigen Monaten und Jahren wird es für Unternehmen zur Selbstverständlichkeit, zumindest einen Auftritt bei Facebook, Twitter und YouTube zu haben – vielleicht auch noch bei Instagram, Pinterest, WordPress. Die Unternehmen, Prominenten und Organisationen, die schon länger dabei sind, begreifen zunehmend, dass so genannter „Cat-Content“ (Katzen waren in der Anfangszeit des Social Web die Stars bei den unterhaltsamen Fotos und Videos) nicht mehr ausreicht.

Die Fans wollen etwas über die Persönlichkeit der Marke erfahren – gleichgültig, ob diese Marke ein Handwerksbetrieb ist, ein Unternehmensberater oder ein Online-Händler.

Gerade leben wir in einer Zeit der Politisierung der Menschen in Deutschland. Auf jeder Familienfeier, bei jeder Betriebs-Pause, in Kirchen und Vereinen wird die Flüchtlingsfrage heiß diskutiert. Griechenland war ja schon ein Diskussions-Dauerbrenner, doch bei der Flüchtlingskrise geht es nicht nur um Geld. Hier geht es um die klare Positionierung, ob man Menschen in Not helfen will und kann – oder sich vor dem Ansturm schützen.

Haltung zeigen

Das macht sich auch in den sozialen Netzwerken bemerkbar. Während noch vor wenigen Monaten die Timeline bei Facebook vor Allem aus Urlaubs- , Essens- und Gartenfotos bestand (also Cat-Content), wird nun intensiv diskutiert. Links zu Hintergründen und Gerüchten werden weiterverbreitet, Gruppen werden errichtet, Menschen schließen sich zusammen und suchen gezielt nach Informationen und glaubwürdigen Quellen. Neben der Flüchtlingsfrage ist auch der Präsidentenwahlkampf in den USA Hauptthema – von Donald Trump gibt es zahllose Karikaturen und Redeausschnitte, die massiv geteilt werde in der Hoffnung, dieser Mann sei durch Öffentlichkeit noch zu stoppen.

Ich spüre stark, dass die Freude an schönen Bildern und die Akzeptanz von Werbung dadurch zurückgeht. Bertolt Brecht sagte einmal so schön:

„Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Auch viele Prominente, Politiker und Unternehmen zeigen Haltung in dieser brisanten Zeit. Und man spürt, dass die Menschen sich genau das wünschen. Natürlich wird sich die Debatte um die Flüchtlingsfrage wieder beruhigen, und natürlich ist es nicht passend für jedes Unternehmen, jede Organisation und/ oder jeden Eigenmarketing-Aktivisten, sich politisch zu äußern (lange galt ja auch das Gebot bei Facebook: Kein Fußball, keine Politik und keine Religion) doch ich vermute, das Social Web hat nun den nächsten Entwicklungsschritt erreicht: Wir wollen Haltung sehen!

Geschäftsführer können über ihre Mitarbeiterpolitik berichten, Agenturen können über die Bearbeitung ihrer Projekte in Zusammenarbeit mit ihren Kunden Aufschluss geben, Industrieunternehmen können über ihre Innovationskraft erzählen und ihre Werkstudenten, die an ihrer Abschlussarbeit arbeiten.

Jedes Unternehmen und jede Organisation hat Themen mit echtem Mehrwert, und die spezifische Kompetenz, die Philosophie und die Werte lassen sich hervorragend anhand von kleinen Geschichten darstellen. Händler können beweisen, mit welcher Überzeugung sie hinter ihren Produkten stehen, und Hersteller können voller Stolz Einblicke in die Produktion geben. Gerade mit Bewegtbildern lassen sich Transparenz und Emotionalität darstellen – und Haltung zeigt sich nicht unbedingt in der Politik, sondern auch gerade in der Unternehmensführung und Produktentwicklung.

Sicher macht man sich durch ein solches Marketing auch gegenüber den Wettbewerbern transparenter – doch gerade diese Offenheit kann zu einem Wettbewerbsvorteil werden, der sich rasch in den Umsätzen und Auftragszahlen bemerkbar macht. Dank Smartphones ist es kein großer Aufwand mehr, sich über Facebook, YouTube und Twitter zu zeigen – und die neuen Livestreams bei Facebook lassen noch viele weitere Möglichkeiten zu. Also Schluss mit den hübschen Bildern und Sprüchen ohne passgenauen Mehrwert – und her mit den Texten, Bildern und Videos, die uns begeistern und zu echten Fans machen.
Michael Kessler zum neuen Social Media Marketing: Intelligente Stellungsnahmen und/ oder Denkanstöße

Hier ein kleines Beispiel aus unserem Netzwerk. Igor Adolph hat sich nach einigem Zögern beteiligt an der Facebook-Kampagne #winzvlog  (Einfach mal den Hashtag bei Facebook eingeben!). Zunächst noch allein bei Facebook, doch schon beim zweiten Clip auch bei YouTube. #winzvlog sind kleine Videovlogs, die Geschichten aus unseren Unternehmen erzählen, persönlich, unterhaltsam, mit Mehrwert. Hier kann man sehen, wie mit ganz wenig Aufwand Werbung für eine hervorragende Ledertasche gemacht wird, die in Erinnerung bleibt und einen direkten Mehrwert auf unterhaltsame Weise bietet. Ganz sicher nicht technisch perfekt – aber gerade das hat seinen Charme. Mit etwas Mut und vor Allem der echten Begeisterung für das Produkt lassen sich also kleine Eindrücke produzieren, die in guter Erinnerung bleiben und zum Kauf anregen. Nur Mut!

Und hier kann man sie sogar bei Amazon käuflich erwerben
– die eleganten „Raumwunder“ Ledertaschen von Packenger

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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