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Neues Google+ – neue Chance fürs Netzwerk?

Alles auf Anfang: Google+ jetzt runderneuert. Neue Farben! Neues Layout! Neuer Focus! Weg von den Kreisen und Followern, hin zu mehr Communities und Sammlungen! Und das war es dann eigentlich auch schon, was es an Neuem aus Googles Netzwerk zu vermelden gab. Abgesehen von einigen anderen kleineren Änderungen, die nicht wirklich viel ausmachen. Da lässt sich fragen: Gelingt Google+ jetzt mit neuen Tapeten, frischer Farbe und anderem Konzept endlich der Durchbruch?

Google+ rückt eindeutig mehr das Sammeln und Verbreiten von Informationen in Communities und Sammlungen in den Mittelpunkt. Die Umgestaltung des Menüs offenbart das sofort: Während früher eher die Kreise im Mittelpunkt standen hat Google die beiden Punkte für Communities und Sammlungen nach vorne geholt. Damit ist eine Akzentveränderung deutlich geworden: Zwar ist für den Nutzer erstmal nach dem Einloggen an sich im Stream nichts Neues zu sehen – aber Google+ legt das Interagieren mit den eigenen Kontakten – den eigenen Followern – nach hinten.

Kein Killer-Feature, kein Umzug

Wie intensiv man zu Kreise bei Google genutzt hat oder nutzt ist natürlich eine individuelle Sache. Im Prinzip sind sie als Sammlung von Kontakten zu einem bestimmten Thema immer noch sehr nützlich – so habe ich bei mir einen Kreis in dem so ziemlich alle guten Journalisten Deutschlands zu finden sind, einen zum Thema Maker-Szene und einen anderen zum Thema SIO. Ja, auch zum Thema SEO, aber SIO ist noch was Anderes. Und für die Privatsphäreneinstellungen sind Kreise natürlich auch unabdingbar – man möchte ja nicht unbedingt, dass der Chef etwas über die amourösen Verwicklungen des Privatlebens erfährt. Nach wie vor sind Kreise als Organisationselement bei Google auch vertreten. Nur halt nicht mehr so prominent. Das kann man bedauern, wer aber Kreise nicht intensiv genutzt hat wird das wohl kaum bemerken.

Google+ hatte immer das Problem, dass keiner so recht wußte warum man eigentlich dort sein sollte. Die meisten Deutschen haben sich bei Facebook eingerichtet, dort ihre Fotoalben gepflegt, haben dort ihre Kontakte – ob mit Messenger oder WhatsApp ist egal – und da Instagram auch zu den gekauften Diensten gehört ist man als Nutzer eigentlich dort in seiner eigenen kleinen bequem eingerichteten Welt. Nun konnte Google+ zwar als Feature die Hangouts anbieten – und diese dann in Verbindung mit YouTube als Aufzeichnungsarchiv – aber das war für die Massen kein Killer-Feature. Oder anders gesagt: Man kam auch mit Skype und den anderen Diensten eigentlich recht gut klar. Mittlerweile haben die Hangouts sich zwar etabliert, aber nur als Service für sich. Nicht als Service in einem Gesamtpaket von Google+ sondern man nutzt die Hangouts ohne dass man gleichzeitig auch bei Google+ sonderlich aktiv ist. Es ist halt nicht einzusehen warum man umziehen sollte, wenn die andere Wohnung fast genauso aussieht und genau so viele Annehmlichkeiten hat wie die alte. (Das ist ein Problem, dass Ello als Netzwerk übrigens auch hat: Zwar könnte man hier allenfalls noch die Annahme ins Feld führen, dass Ello darauf verzichtet die Nutzerdaten zu Geld zu machen aber irgendwie müssen die sich ja auch finanzieren – und es ist fraglich ob das mit dem Verzicht auf Kundendaten für Werbung für ewig bleibt…)

Jäger und Sammler

Google+ rückt jetzt wieder mehr den Austausch-Aspekt in den Mittelpunkt – allerdings den zu bestimmten Themen. Wobei der Unterschied zwischen Communities und Sammlungen eigentlich nur darin liegt, dass die Communities wirkliche Gruppen sind – das heißt, jeder kann dort Beiträge beisteuern und es gibt einen Moderator – während Sammlungen so etwas wie die Pinnwände bei Pinterest darstellen. Dort sammelt man zu bestimmten Themen seine Beiträge. Vorteile bei beiden Formen: Egal ob man etwas in Communities oder in eine Sammlung postet – es erscheint automatisch als Beitrag in der Timeline. Das ist durchaus praktisch, so muss man keine Beiträge doppelt schreiben. Was Google+ allerdings nicht zulässt: Man kann Beiträge immer nur in eine Kategorie einordnen. Also entweder schreibe ich einen Beitrag für eine Sammlung oder für eine Community – die Möglichkeit einen Beitrag für zwei Gruppen oder eine Gruppe und eine Communitie zu schreiben sieht Google+ nicht vor.

Google+ möchte jetzt die Anlaufstelle für Themen im Internet sein. Egal zu welchem Thema: Entweder man findet eine Community oder eine Sammlung, folgt denen und bekommt immer alle Informationen frei Haus geliefert. Das ist eigentlich sehr clever gedacht, es hat nur einen Haken: Sammlungen garantieren nicht für die Exklusivität von Inhalten. Oder anders formuliert: Es ist genau das Problem, dass man bei XING und LinkedIn hat. Es sind im Endeffekt oft dieselben Inhalte, die man bei beiden Plattformen findet. (Falls Sie, lieber Leser, bei XING und LinkedIn andere Inhalte verteilen – dann meinen herzlichen Glückwunsch und sagen Sie mir Bescheid, dann folge ich Ihnen sofort.) Klar – wenn Google+ wichtig für den SEO-Bereich ist, dann werden Inhalte, die bei Facebook, im Blog, bei Twitter, Ello, Snapchat – wobei, das ist etwas schwieriger, geht aber auch – vorhanden sind einfach mit Copy-Paste in die neuen Sammlungen und Communities reingetragen. Abgesehen davon: Obwohl es immer heißt, bei Google+ hätten wirklich alle Themen ihren Platz und man würde wirklich über alles diskutieren können – in Wahrheit ist der Themenkreis dann doch eher begrenzt.

Das aber ist Googles Alleinschuld: Wer zu Beginn eines Netzwerkes nur Leute hereinlässt, die sich für technische Themen oder Marketing oder Programmcode interessieren darf sich nicht wundern, wenn Leute, die nur stricken wollen eventuell bei Google+ sich nicht sonderlich gut aufgehoben fühlen. (Wobei: Es gibt eine rege Strickcommunity bei Google+. Natürlich. Es gibt sicher auch einer Katzencommunity bei Google+ und bestimmt auch eine für Einhörner.) Es steht jedem frei eine Sammlung zu einem bestimmten Thema zu beginnen – die Frage ist nur, ob sich dann auch wirklich die Interessenten für „Die Innenausstattung von gotischen Kirchen mit besonderem Augenmerk auf das Jahr 1200“ gibt – ich übertreibe bewußt, wann war eigentlich nochmal diese Gotik? Und das ist dann doch eher zu bezweifeln. Der Großteil der Deutschen ist auf Facebook, kennt Google+ vermutlich noch nicht mal.

Neustart ungewiß

Setzt Google da jetzt endlich aufs richtige Pferd? Ich bin mir da nicht so sicher. Einerseits sind Sammlungen ein hervorragendes Marketingtool für Unternehmen und Institutionen – als Museum etwa kann man schön eine aktuelle Ausstellung mit einer Sammlung begleiten, als Unternehmen sicherlich das ein oder andere Event. Wie sichtbar diese Sammlungen im Google-Index – also in der Suchmaschine selbst – sind ist eine gute Frage. Bisher scheint es da noch keine Erkenntnisse zu geben. Ebenfalls nicht, ob das neue Google+ jetzt nochmal einen Schub fürs SEO liefert. Das muss man abwarten.
Andererseits: Wenn ich von meinem Nutzerverhalten ausgehe, wird Google weiter unter ferner liefen fungieren. Das liegt nicht an meinen Kontakten – es gibt Menschen, die sind tatsächlich nur bei Google+ und nirgendwo sonst – sondern es liegt einfach daran, dass Google mir keinen Anreiz für einen längerfristigen Aufenthalt bietet. Es gibt nichts, was mich als Nutzer tatsächlich fesselt oder für längere Zeit in den Bann schlägt. Falls Google nicht in nächster Zeit irgend etwas rausbringt, was wirklich faszinierender ist als Facebook  sehe ich persönlich nicht unbedingt einen gelungenen Neustart. Google+ wird weiterhin wichtig für SEO und für Themen sein, die technischer Natur sind. Keine Frage. Das Leben ist jedoch weitaus mehr als nur dieser Themenkreis – und die Leute, mit denen man über andere Themen redet sind halt bei – Facebook.

Über Christian Spliess

Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

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