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Urheberrecht: Darf man fremde Tweets auf Postkarten drucken? 0

Es wurde schon viel darüber diskutiert, ob Tweets unter das Urheberrecht fallen. Die 140 Zeichen-Botschaften bei Twitter sind häufig kleine, geniale Aphorismen – und wenn diese dann für kommerzielle Zwecke von „Fremden“ eingesetzt werden, kann das den Urheber schon sehr verärgern. So musste jetzt das Landgericht Bielefeld entscheiden, ob der Tweet „Wann genau ist aus „Sex, Drugs & Rock n Roll“ eigentlich „Laktoseintoleranz, Veganismus & Helene Fischer geworden?“ geschützt ist. Dieser Tweet wurde nämlich auf Postkarten gedruckt, ohne den Urheber zu fragen und ohne die Quelle anzugeben. Handelt es sich also um einen Urheberrechtsverstoß?

background-1339119_640Das Landgericht Bielefeld stellte am 3.1.17 in einem Beschluss fest (Az. 4 O 144/16), dass dieser Tweet nicht die erforderliche Schöpfungshöhe aufweise. Darum könnte er von einer dritten Seite auch frei verwendet und auf Postkarten gedruckt werden. Der Tweet mit seinem Sprachwitz wäre kein schützenswertes Sprachwerk, sondern ein urheberrechtlich nicht schutzfähiger Slogan.

Schon häufiger wurde um die Nutzung fremder Tweets gestritten. Eindeutig lässt sich wohl die Frage nicht beantorten, ab wann ein Tweet die notwendige Gestaltungs- und Schöpfungshöhe erreicht hat und urheberrechtlichen Schutz genießt. Grundsätzlich können auch kurze Sätze als schutzwürdig eingestuft werden, doch bei Tweets ist es wohl nur selten der Fall, dass diese als „geistvolle Verse“ bewertet werden. Auch die rasche Verbreitung, welche die „kurzen Sätze“ bei Twitter erfahren – und die ja vom Urheber erwünscht sind – spricht erst einmal gegen eine schutzwürdige Schöpfungshöhe.

Übrigens sind auch Pressemitteilungen in der Regeln nicht urheberrechlich geschützt, genau so wenig wie Werbeaussagen. Wenn Sie demnächst auf einer Postkarte Ihren Tweet aufgedruckt finden, auf den Sie doch so stolz waren… nicht ärgern, sondern an den Kühlschrank hängen. Auch wenn Sie nur anonym zu Ruhm kommen und unfrewillig mit Ihren 140 Zeichen  für irgendwelche Produkte werben – immerhin ist es ein kleines Stückchen Ewigkeit, die Sie damit geschaffen haben.
Quelle: Jurablogs vom 13.1.17

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “Urheberrecht: Darf man fremde Tweets auf Postkarten drucken?

  1. Hei, ihr könnt ja hellsehen! Das soll sicher der 13.01.17 sein, oder? 😉
    „Das Landgericht Bielefeld stellte am 31.1.17 in einem Beschluss fest […]“

    Abgesehen davon: Dank für die Info! Auch wenn ich das Urteil bedaure: gilt für mich doch immer noch das Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“. Es wäre wirklich schön, wenn die Postkartendrucker*innen dann wenigstens den Twitternamen dazu setzen würden.

  2. Huch! Gut, dass Du das gesehen hast – da werde ich mal wacker die „Immerwährenden Nachrichten“ SteadyNews verändern und das Datum korrigieren. Danke liebe Ulrike – auch für Deinen Appell 🙂

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