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24-Stunden Stories: Snapchat Kopie nun überall bei Facebook: Instagram, WhatsApp, Messenger 0

Facebook setzt gerade viel daran, das Alleinstellungsmerkmal von Snapchat (Inhalte verschwinden nach spätestens 24 Stunden) in die eigenen Angebote zu übertragen. Zunächst wurden die 24 Stunden Stories im August 2016 bei Instagram eingeführt, WhatsApp zog im Februar 2017 nach – und nun im März 2017 wird auch in der Facebook Messenger App das Feature ausgerollt: Nutzer können Fotos, Texte und kurze Videos erstellen, bearbeiten, ergänzen und mit Spielereien anreichern. Anschließend werden diese „Messenger-Day-Statusmeldungen“ auf der Startseite der Messenger-App angezeigt und verschwinden nach 24 Stunden wieder. Etwas Geduld – es wird sicher einige Tage dauern, bis auch hier in Deutschland die Funktion in allen aktualisierten iOS- und Android-Messenger-Apps funktioniert.

Wird Snapchat nun überflüssig werden?

Obwohl die Mutter von Snapchat – Snap – Verluste in Höhe von einer halben Million Dollar macht, war der Börsengang Anfang  März 2017 extrem erfolgreich. Das Unternehmen Snap hat zurzeit einen Börsenwert von 34 Milliarden US-Dollar. Anscheinend erwarten die Anleger, dass sich die steigenden Umsätze und die weltweite Expansion irgendwann auszahlen werden. Im letzten Quartal 2016 hatte Snapchat rund etwa 158 Millionen User täglich, der Umsatz mit Werbeanzeigen stammt fast komplett aus den USA, wo 60 Prozent der 18- bis 34-Jährigen die Snapchat-App nutzen.

Der Erfolg stammt wohl daher, weil der Spaßfaktor durch die vielschichtigen Entfremdungsmöglichkeiten der Fotos und Videos hoch ist – und weil sich die jungen Menschen bei Snapchat sicherer fühlen als in anderen sozialen Netzwerken. Man kann einstellen, wer was wie lange sehen kann (maximal 24 Stunden) und man kann relativ sicher sein, dass die eigenen Kreationen nicht ins Netz übertragen und verbreitet werden. Gerade bei jungen Menschen ist die Angst groß (und berechtigt), dass Partyerlebnisse und andere intimen Details über Facebook und Co veröffentlicht, verschickt und viral geteilt werden – das kann schließlich grausame Konsequenzen nach sich ziehen. Beispiele dafür gibt es genug.

Ob Snapchat-Nutzer nun Vertrauen zu den Facebook Angeboten der sich selbst zerstörenden Inhalte haben werden? Immerhin nutzen die Menschen auf der ganzen Welt ja auch sorglos WhatsApp und vertrauen darauf, dass ihre Messages, Bilder, Telefonate und Videotelefonate nicht in fremde Hände geraten. Und der Facebook-Messenger ist schließlich auch ein eine eigene App und somit mehr oder weniger ein geschlossener Raum. Ob der Spaß und der Komfort, den Snapchat bietet, also auf den Giganten Facebook übergehen kann, weil die großen Fische nun mal die kleinen Fische schlucken?

Ich vermute, dass das größte Problem von Snapchat ist, erfolgreiche Werbeformate in die App zu bringen. Geofilter, andere Snapchat-Filter und Werbeunterbrechungen zwischen Snaps gibt es zwar schon – doch bei einer mobilen App ist und bleibt es schwierig, auf dem extrem begrenzten Raum wirkungsvolle Werbung einzubauen. Und die Discover-Kanäle der Marken werden von dem meisten Snapchat-Usern ganz einfach ignoriert.

Facebook Stories bei Instagram, WhatsApp und im Facebook-Messenger

Einige Snapchat-Stars und Marken haben mit ihren 24-Stunden-Stories schon zu Instagram gewechselt, weil dort die Reichweite viel höher ist. Andere haben erst durch diese 24-Stunden-Stories bei Instagram angefangen, die App für ihr Marketing einzusetzen. Ich persönlich (die ich nicht gerade zu den visuell ansprechbaren Menschen gehöre) folge nun auch einigen Politikern, Magazinen und Entertainern, die dank der Zerstörungsfunktion unkonventioneller und spontaner agieren als in Facebook oder bei YouTube. Schöne Bilder interessieren mich nicht – doch kurze Statements oder sympathische  Kurzvideos haben durchaus mal ihren Reiz.

Bei WhatsApp ist die 24-Stunden-Status-Funktion für mich bisher uninteressant. Aber das wird daran liegen, dass ich noch keine gehaltvollen Kanäle gefunden habe, die bei WhatsApp einen echten Mehrwert bringen. Ob sich die 24-Stunden-Status-Fotos und Videos beim Messenger anders entwickeln als bei WhatsApp, wird man sehen. Vermutlich testet Facebook gerade aus, welche Wege sich das „Aufmerksamkeits-Wasser“ in den verschiedenen Apps gräbt. Und dann werden sich angepasste Werbeformen dafür finden, die in der Masse verkauft werden können – vom regionalen Anbieter mit schmalem Werbebudget bis hin zur internationalen Marke.

David gegen Goliath?

Der Kampf „David gegen Goliath“ ist für uns Betrachter auf jeden Fall spannend. Haben sich die Anleger bei Snap gründlich verzockt und werden ihr ganzes Geld verlieren? Oder wird der Zwerg dem Giganten die Stirn bieten können und weitere Strategien und Geschäftsfelder verwirklichen, die vielleicht gerade für die Zielgruppe bis 35 interessant sind?

Wird der Wunsch der „normalen“ Internetuser, sich in Gruppen zwanglos auszutauschen, ohne damit in der Öffentlichkeit zu stehen, von Snapchat langfristig aufgefangen, ohne das Vertrauen zu enttäuschen? Und kann gleichzeitig mit diesen Produktlösungen Gewinn erzielt werden durch Werbeeinnahmen? Man wird sehen. Mahner verweisen gern auf das Beispiel Twitter, das weiterhin in den roten Zahlen steckt und kein nennenswertes Umsatzwachstum vorweisen kann – und das seit 2013…

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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