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„Operation Naked“ – was wenn Google Glass sich durchsetzt?

Eigentlich müssen wir über Datenbrillen nicht mehr so reden als ob es sie nur in Science-Fiction-Romanen geben würde. Neben den Virtual-Reality-Ablegern, die ihren Durchbruch für die Masse noch vor sich haben, sind Datenbrillen längst real. Auch wenn Google Glass erstmal auf eine lange Bank geschoben wurde, aufgegeben hat Google das Projekt noch lange nicht. Wie sieht unsere Gesellschaft aus, wenn Datenbrillen Mainstream werden? Und wenn diese Brillen über die Fähigkeit verfügten jede öffentliche Information aus dem Netz in Sekundenschnelle abzurufen und darzustellen? Mario Sixtus Mockumentary „Operation Nacked“ geht dieser Frage nach. Jetzt in der Mediathek, später dann im linearen TV.

Dabei ist die Geschichte des Films rasch erzählt: Michelle Spark erfindet eine Datenbrille, die rasend schnell alle öffentlich zugänglichen Informationen des Netzes mit einer intelligenten Gesichtserkennung kombiniert und zusammenfügt. Wer also die Real-o-Rama – Douglas Adams würde sich freuen bei dieser Namensgebung – besitzt und trägt, scannt die Menschen, denen er täglich begegnet. Und deren Geheimnisse, die während einer Panne im live im Fernsehen offengelegt werden – ein ehemaliger Lehrer wird gefeuert, weil die Datenbrille anzeigt, dass er schwul ist. Daraufhin entbrennt eine Debatte in der Gesellschaft und als einer der Erfinder der Brille von anonymen Gegnern ermordet wird eskaliert das Ganze…

Erzählt wird das Ganze in Clips aus ZDF-Sendungen – man schaltet sich als Zuschauer also mal zu Lanz, mal verirrt man sich zu Kultursendungen, dann wiederum landet man bei Mona Lisa. Die Moderatoren sind echt, die Gäste und Gesprächsteilnehmer nicht. Natürlich nicht, das Ganze ist ja eine Mockumentary, ein Film der sich als Dokumentation darstellt aber keine ist. So unbeteiligt wie man als Zuschauer durch die Kanäle zappt, so unbeteiligt bleibt man auch bei den Figuren. Natürlich sind diese gewollt überzeichnet und überspitzt, das Thema nutzt Mario Sixtus um bestimmte Mechanismen in der Gesellschaft zu zeigen, wenn es um digitale Themen geht. Das funktioniert auf subtile Art und Weise super, die Handlung selbst ist aber dann leider so uninteressant, dass die Pointe am Schluss einen dann auch nicht mehr so richtig mitreißt.

Resignierter Pragmatismus

Dabei ist Sixtus zu Gute zu rechnen, dass er in erster Linie eine pragmatische Sichtweise auf die Dinge hat. Vielleicht auch eine Spur resignativ. Befürworter und Gegner bekommen ihr Fett durchaus weg. Medienpädagogen sollten sich also nicht zu früh freuen, wenn sie den Film als Beleg für ihre Thesen heranziehen wollen. Dabei wirft der Film ein Schlaglicht auf beide Seiten und zeigt deren Argumente. Allerdings: Lässt sich Technologie wirklich aufhalten? Ist nicht das, was dem Menschen nützlich erscheint sowieso schon so begehrenswert, dass er alle Bedenken über Bord wirft? Wo aber – und das ist die Frage – beginnt das Private und endet das Öffentliche? Tatsächlich an der Häuserwand? Sind die letzten Minuten des Films wirklich nur Utopie oder werden sie Wirklichkeit?

Jeder sei für seine Daten selbst verantwortlich, suggeriert einer der Entwickler zu Beginn des Films: „Die Datenbrille kann das, was jeder kann der eine Suchmaschine benutzt. Nur schneller.“ Das unterschlägt aber, dass auch über mich selbst Daten ins Netz gestellt werden auf die ich selber keinen Zugang habe. Jemand aus der Schulklasse stellt ein Bild von sich selbst mit mir ins Netz – habe ich da dann die Kontrolle drüber wenn ich das nicht einmal weiß? Nicht immer haben wir das Heft in der Hand, nicht immer können wir über unsere Daten selbst bestimmen wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen. Das liegt dann weit außerhalb unserer Datenhoheit. Darüber müssten wir uns Sorgen machen. Allein, wir machen es nicht.

Die Technik ist da, was machen wir damit?

Im Film legen die Idealisten alle Daten offen, so dass man sich die Datenbrille als Open-Source-Projekt im 3D-Drucker selbst herstellen kann – im realen Leben haben die Firmen letzten Endes in der Hand, wo die Daten landen und was mit den Daten gemacht wird. Dass wir im Zeitalter der Videoüberwachung leben, das ist uns gar nicht mehr bewußt. Die Kameras an öffentlichen Plätzen laufen halt und wir als Bürger nehmen das erstmal so hin. Denn die Sicherheit geht vor. An konkreten Zahlen, an Beweisen ob etwas so ist – daran sind wir nicht so sehr interessiert und darüber wird auch kaum berichtet. Die Technik ist da. Sie wird benutzt.

Letzten Endes wird das mit Datenbrillen ebenso passieren: Die Technik ist vorhanden. Wie wir sie nutzen, darüber müssen wir uns verständigen. Wir brauchen Regeln, Absprachen, Normen, die uns den Umgang mit der Technik an sich erleichterten. Vielleicht brauchen wir auch wirklich Verbote. Um uns zu schützen. Nein, nicht nur um uns sondern auch um den Nächsten zu schützen – vor der Bestie, vor dem Superschurken, der wie es zum Ende des Films heißt auch in uns schlummert. Doch da Edward  Snowden und der NSA-Skandal uns nicht aus der Lethargie rissen – am Ende wird es wohl so kommen, wie der Film es uns zeigt. Ich freue mich jedenfalls nicht darauf, einen QR-Code am Kopf tragen zu müssen um nicht erkannt zu werden…

10428652_909696752374293_5401521222185380255_nChristian Spließ, Social Media Manager, machte schon Social Media als es noch Web 2.0 hieß. Seit 2004 beobachtet er die aktuellen Entwicklungen und hilft mit Rat und Tat, wenn es darum geht Inhalte kompetentgenau an die Zielgruppe zu vermitteln. 

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