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Definition „Predictive Policing“: Vorhersagen von Straftaten dank Daten-Überwachung 0

Zurzeit häufen sich die Berichte in den Leitmedien zum staatlichen Einsatz von Überwachungstechnologien. China ist besonders weit bei der Total-Überwachung seiner Bürger – doch auch in den USA ist die Technik weit fortgeschritten. So zeichnet sich die Polizeiarbeit in Los Angeles besonders umfassend durch Predictive Policing aus. Mit Predicitve Policing wird dank Datenanalyse die Wahrscheinlichkeit einer Straftat berechnet – zum Einen in Bezug auf die Deliktwahrscheinlichkeit in bestimmten Regionen – zum Anderen in Bezug auf Straftatwahrscheinlichkeit in Bezug auf Personen. Da in Los Angeles Überwachungssysteme in der Öffentlichkeit nahezu lückenlos sind, hat sich die Stadt zu einem Experimentierfeld für polizeiliche Vorhersagemodelle entwickelt. Auch in Deutschland wird Predictive Policing immer professioneller – doch hier spielen Privatsphäre und Datenschutz eine wichtige Rolle – in den USA hingegen nicht.

Der SPIEGEL veröffentlichte Ende Januar 2018 einen ausführlichen Überblick zum polizeilichen Überwachungssystem in Los Angeles. Streifenpolizisten sind angehalten, jede Begegnung von Bürgern aufzuzeichnen und auch nach sehr persönlichen Daten zu fragen. So werden zusätzlich zu den Kameraüberwachungen weitere Details zu den Bewegungsprofilen der Menschen hinzugefügt. Diese Kameras können größtenteils sogar in 200 Metern Entfernung noch Gesichter identifizieren und mit Datenbanken abgleichen. Automatische Nummernschild-Leser lösen automatisch Alarm aus, wenn ein gestohlenes Auto das Lesegerät passiert. Flugzeuge, Drohnen, Überwachung von Smartphone-Kommunikation im öffentlichen Raum… die Technologie schreitet ständig fort.
SPIEGEL-Online vom 27.1.18: Predictive Policing in den USA

Falsche Freunde – und man landet auf der Liste der „Verdächtigen“?

Ähnlich wie Unternehmen kaufen die Polizeibehörden Daten von kommerziellen Databrokern, die auch Daten von Lieferdiensten, sozialen Netzwerken, Gesundheitsrisiken und anderen sensiblen Datenbeständen enthalten. Freundschaften, Kontakte und Kommunikationsdaten ergänzen die Datenüberwachung.

Um zukünftige Straftaten zu verhindern – bzw. rechtzeitig vor Ort zu sein – werden von einem Team Listen mit „Verdächtigen“ erstellt. Landet man als Bürger auf so einer Liste, kann das auch für unbescholtene Bürger problematisch werden. Im Extremfall wird man ab da von der Polizei nach Belieben weiter überwacht.

Predictive Policing in Deutschland

In Deutschland ist die Technik noch lange nicht so weit. Doch auch hier bemüht sich die Polizei, dank Datenerhebungen Vorhersagen in Bezug auf Straftaten treffen zu können. Verschiedene Interessen und das deutsche Recht stehen jedoch Praktiken wie in den USA entgegen. Verständlich, dass sich auch in Deutschland die Polizei eine umfassende Datenabrufbarkeit wünscht, wie Google, Amazon und Co sie bereits haben. Doch Persönlichkeitsrechte und Datenschutz sprechen dagegen. Abgesehen davon, dass große Teile des ausführenden Polizei dem Ganzen eher misstrauisch gegenüber stehen – und sicher auch einen massiven Stellenabbau vermuten, wenn Predictive Policing ähnlich wie in LA zum Alltag gehört.
SPIEGEL-ONLINE vom 27.1.18: Predicitve Policing in Deutschland

Die Polizei in den Bundesländern arbeitet unterschiedlich intensiv mit Datenüberwachungssystemen. Jede Behörde setzt auf andere Lösungen, natürlich auch häufig auf Lösungen von kommerziellen Anbietern wie IBM und Microsoft. Die bayrische Polizei ist wohl am fortschrittlichsten bei der Vorhersage von Einbrüchen und bei der Analyse derselben aufgrund von Daten. In den kommenden Monaten will Bayern die Technologie auch im Bereich Autoaufbrüche und Sexualstraftaten einsetzen. Andere Bundesländer wie NRW sind zögerlicher mit dem Einsatz der Datenüberwachung. Personenbezogene Informationen werden von den Behörden bisher nicht verarbeitet.

Zukunft Minority Report?

Fazit: Nach und nach scheint die selbstverständliche Total-Überwachung der Menschen über den Planeten zu ziehen. Gerade der Polizei wird dabei viel Vertrauen entgegengebracht, da Bürger sich Sicherheit und Ordnung wünschen und Angst vor Bedrohungen haben. Auch in China begrüßen viele Bürger das Bonus-System, das mit der Überwachung zusammenarbeitet. Wenn sich Jeder bemüht, freundlich und hilfsbereit zu sein, haben doch alle etwas davon oder?

Wie Im Minority Report oder der dystopischen Komödie Brazil wird es natürlich zu Fehlentscheidungen kommen, wenn jeder Bürger ein potentiell Verdächtiger ist. Doch auch im konventionellen Ermittlungssystem gibt es Irrtümer und Justizopfer. Ist es da nicht von Vorteil, wenn menschliche Polizeiarbeit und menschliche Gerichtsurteile durch die objektive und lückenlose Überwachung jedes Einzelnen ergänzt wird? Ist es nicht ein Menschheitstraum, wenn Korruption, Unmenschlichkeit, sexuelle Übergriffe, berufliche Unfähigkeit, Drogensucht und Machtmissbrauch in Echtzeit erkannt werden können? Rücken wir damit nicht nah ans Paradies von Frieden und Konstruktivität?

Ich vermute, dass durch die perfektionierte Datenüberwachung Mensch und Maschine immer weiter zusammenrücken und verschmelzen, da Menschen sich dem Verhalten von Maschinen weiter annähern. Der vorausschauende Gehorsam wird uns Menschen und Organisationen wohl so in Fleisch und Blut übergehen, dass wir uns bald nicht einmal mehr an Zeiten erinnern können, als es noch Prinzipien wie „Im Dunkeln ist gut munkeln“ gab. Hinzu kommen das Internet der Dinge und die körperliche Verschmelzung mit Computersystemen, die uns regeln und steuern. Das, was heute an der Börse schon Selbstverständlichkeit ist, wird immer weitere Kreise ziehen. Energiesysteme, Infrastruktur-Systeme, Bildungssysteme, Medien, Verwaltung und Konsum – Luhmann-Anhänger werden jubeln. Die Systeme befreien sich vom lästigen Menschen und können sich bei der Vereinfachung des Komplexen auf das Eigentliche konzentrieren: Kommunikation – Austausch von Informationen. Herrlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

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