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Fake-News: Alte Leute sind die schlimmsten… 0

In meiner Umgebung sind viele Menschen, die als Akademiker über digitale Kommunikationstools richten. Diese Menschen sind meist älter als 50. Sie verweigern speziell Facebook und meinen, die Jugend von heute sei durch den selbstverständlichen Gebrauch von Smartphones und sozialen Netzwerken intellektuell degeneriert, sozial verhaltensgestört und unkritisch. Doch laut Basicthinking hat eine Yougov-Studie ergeben, dass Fake-News vor Allem von Senioren unkritisch und fern aller digitaler Kompetenz weiterverbreitet werden! Woran das liegt? Es gibt verschiedene Interpretationen der eindeutigen Studien-Ergebnisse…

Fake-News-Opfer? Nur Übung macht den Meister

Anlass für die Untersuchung, wie sich Fake-News (Lügen, die sich als News-Artikel tarnen und die Absicht haben, politische Einstellungen zu manipulieren) verbreiten, war der US-Wahlkampf 2016. An der Yougov-Studie nahmen rund 3.500 Facebook-Nutzer aus allen Gruppierungen teil. Die Ergebnisse waren eindeutig:

Über 65-Jährige waren am ehesten bereit, angeblichen Nachrichten Glauben zu schenken und diese leichtfertig mit ihren Facebook-Freunden zu teilen. Auf diesem Weg ergaben sich virale Ketten, da ja die Facebook Freunde dem Facebook Freund gerne glauben und sich ebenfalls verpflichtet fühlen, die Freunde über empörende Fakten aufzuklären.

Obwohl ein Viertel der Studienteilnehmer immer mal wieder externe Links teilen, waren es in Summe sehr wenige, die auf Fake-News hereinfielen und diese teilten. Nur rund 8,5% der Facebook-User hatten im Untersuchungszeitraum einen Link weitergeteilt, der aus einer getarnten Nachrichtenquelle stammt. Konservative Republikaner-Wähler teilten sehr viel häufiger (18,15) Fake-News als Wähler der Demokraten (3,5%).

Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie war auch, dass diejenigen, die häufig Links teilen, sehr viel seltener auf Fake-Quellen hereinfallen als die Unbedarften, die meist nur Privates schreiben bzw. nur lesen, liken und kommentieren. Die älteste Altersgruppe aus der Studie teilte siebenmal so häufig Fake-News wie die jüngste Altersgruppe.

Warum sind Senioren (60+) so anfällig für Fake-News?

Die Forscher vermuten, dass zwei Komponenten dafür verantwortlich sind, dass die 65+ Altersgruppe so entscheidend häufiger anfällig ist für Propaganda und Gerüchte als jüngere Menschen (schon bei denen zwischen 50 und 60 gab es nur halb so viele Fake-News-Verbreiter als bei den 65-Plussern.

Grund Nr. 1

Zum Einen haben die Älteren die geringste Medienkompetenz. Während junge Menschen unbedarft und neugierig die digitalen Kommunikationsplattformen für sich entdecken, sind Ältere eingeschränkter in ihrer Experimentierlust. Doch wer sich nicht traut, Fehler zu machen, wird leichter zum Opfer als jemand, der schon häufig Mist gebaut hat beim Kommunizieren – und der somit in der Lage war, aus Fehlern zu lernen!

Quellenrecherche, Autoren und Profile, Hinzuziehung weitere Quellen, Twitter-Hashtags und Impressumsangaben können geschulten Internetusern innerhalb weniger Minuten aufschlussreiche Hinweise liefern, ob ein angebliches Nachrichtenportal in Wirklichkeit ein Netzwerk von gut organisierten Rechtsextremen ist. Jugendliche sind nicht nur beim Online-Gamen schneller sonder auch bei der Aufdeckung unseriöser Quellen. Oder sie interessieren sich grundsätzlich nicht für Politik und reden nur von den Interessensgebieten (Reisen, Fashion, Fitness…) die sie verstehen.

Grund Nr. 2

Die ältere Generation ist sehr viel autoritärer erzogen worden als die heutige Jugend. Wenn der „Herr Lehrer“ etwas als Wahrheit verkündet, wird das geglaubt und nachgebetet. Wer als Kind schon häufig dafür bestraft wurde, dass er „vorlaut“, „frech“ oder „schmutzig“ war, entwickelt einen Untertanengeist, der perfekt zu den Verbreitungsplattformen von Propaganda passt. Selbstbewusste Demokraten lassen sich nicht so leicht einschüchtern wie Diejenigen, die immer versucht haben, alles so zu machen, wie man es von ihnen erwartete. Die Braven schlucken und wehren sich nicht innerhalb ihrer „Filterblase“.

Die Braven und Untertänigen meinen, Ausländer sind Monster und die Jugend von heute taugt nichts. Die Braven schimpfen auf Schwule, Lesben und Politiker, die ja „nur an unser Geld wollen“. Die Braven fordern schon mal die Todesstrafe für Sexualstraftäter oder gönnen es erotisch aufgepeppten jungen Mädchen, wenn sie sexuell belästigt oder vergewaltigt werden. Und die Braven meinen auch, Prügel und Angst könnten wieder zu Zucht und Ordnung führen.

Grund Nr. 3

Alter macht starrsinnig. Das liegt daran, dass wir im Alter immer schlechter hinzulernen können. Die kognitiven Fähigkeiten nehmen ab. Ihren pathologischen Ausdruck findet diese intellektuelle Sklerose schließlich in der Demenz. Nur Rentner, die diesen Tatsachen objektiv ins Auge schauen können, haben die Chance, den Konsequenzen wirkungsvoll entgegenzutreten. Demut und eine lernbereite Haltung gegenüber jungen Menschen kann helfen. Nicht die Jungen „Belehren“ wollen – sondern von ihnen lernen und die Geduld aufbringen, sich mit den sozialen Netzwerken übend auseinanderzusetzen.

Meine Lieben Altersgenossen…

Ok, ich bin im Vorteil, da ich als Marketing-Trainerin und Dozentin gar keine andere Wahl habe, als mich tagtäglich weiterzubilden und mich immer wieder mit sozialen Netzwerken durch Übung auseinanderzusetzen. Wäre ich Mathematik-Professorin, würde ich auch vielleicht keine Lust auf diesen neumodischen Kram haben.

Vielleicht würde mich dann auch junge Menschen abstoßen, die ständig auf ihren „Black Mirror“ starren – weil ich es nicht verstehen würde und mir irgendwelche wilden Interpretation ausdenken würde zu den primitiven Dingen, die da sicher getippt werden – und die zu sozialer und intellektueller Demenz führen meiner Meinung nach.

Ich hoffe nicht, dass ich so wäre, aber wer weiß, wer weiß… Zumindest bin ich dem lieben Gott unendlich dankbar, dass ich vor einer solchen vorurteilsbeladenen digitalen Inkompetenz bewahrt wurde durch den beruflichen Zwang, es zu können.

Also meine lieben Altersgenossen, macht Euch ran an die sozialen Netzwerke! Besucht von mir aus VHS-Kurse, in denen Ihr lernt, Bilder von Reisen auf dem Smartphone zu bearbeiten und tolle Videos zu erstellen, die Ihr dann bei Instagram und Co teilen könnt. Befreundet Euch mit anderen Leuten bei Facebook und tauscht Euch aus. Erforscht die unendlichen Möglichkeiten, chinesische Zeitungen zu lesen in der Übersetzung oder zu lernen, wie man Musik kreiert und bearbeitet mit Apps.

Fake-News nein danke. Wir lernen und wir bleiben jung – das wäre doch gelacht, wenn wir zu denen gehören. die über die „Jugend von heute“ lästern wie damals unsere 65+er über uns.

Quelle: Science Advances – Studie zur Fake-News-Verbreitung bei Facebook

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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