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Hilfe, ich bin Hochstapler! Gewidmet denen, die an ihr eigenes Können nicht glauben 1

Kennen Sie das Gefühl, dass Sie die Anerkennung, die Sie bekommen, eigentlich gar nicht verdienen? Dass irgendetwas an Ihnen nicht stimmen kann, wenn sich Ihre Vorgesetzten oder Mitarbeiter oder Kunden lobend über Sie äußern? Tatsächlich ist dieses „Hochstapler-Syndrom“ ganz schön verbreitet. Man gibt sein Bestes in Beruf und Business, erfährt Erfolge und den hier benannten Respekt, und doch fühlt man sich unwohl. „Irgendwann wird die Welt merken, dass ich nichts bin und kann – dass ich einfach nur getäuscht habe. Irgendwann fliegt alles auf und ich werde mit Schimpf und Schande davongejagt…“

Woher kommt das „Hochstapler-Syndrom“?

Ob sich in der Kindheit der Selbstzweifler ähnliche Erfahrungen und Glaubenssysteme finden, weiß ich nicht. Natürlich kann es sein, dass schlechte Noten in der Schule und die ständige Beschuldigung, faul zu sein oder unfähig, dazu führen, dass man auch als Erwachsener den eigenen Erfolgen nicht traut. Schließlich gibt es auf der anderen Seite auch die Selbstüberzeugten, die sich ganz großartig finden und mit dieser Einschätzung anscheinend erfolgreich sind. „Ich bin, was ich von mir glaube. Was die Anderen von mir halten, ist mir egal. Die Meinung anderer Menschen ist für mich nur dann relevant, wenn sie für mich förderlich ist und mir nützt“.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wofür das Hochstapler-Syndrom gut ist

In der heutigen Zeit streben wir alle danach, uns an Authentizität orientieren zu können. Die Welt ist so unübersichtlich geworden, dass wir uns nach Wahrhaftigkeit sehnen. Wem kann man trauen? Wer ist zuverlässig, aufrichtig, emphatisch, selbstreflektiert, bereit sich weiterzuentwickeln?

Die Selbstzweifler, die sich bei Lob und Applaus misstrauisch im Spiegel betrachten, sind einfach deshalb so beliebt, weil sie bescheiden wirken und kooperativ. Sie können auch Änderungswünsche eingehen und versuchen nicht, sich in den Vordergrund zu spielen. Sie gönnen Anderen ihre Erfolge und freuen sich darüber, wenn sie ihre Mitmenschen strahlen sehen.

Die Selbstzweifler fühlen sich nicht in einem „Spiel des Lebens“, das sie unbedingt gewinnen wollen. Sie fühlen sich in einer Welt, die Verantwortung mit sich bringt. Nie ist man wirklich gut genug – immer hat man irgendetwas übersehen oder den eigenen Egoismen untergeordnet. Reue und Eingeständnisse von Fehlern sind den Selbstzweiflern nicht fremd. Das mögen die Menschen, die mit den Zweiflern arbeiten. Sie sind zugänglich, nachdenklich, veränderungsbereit.

Wofür das Hochstapler-Syndrom schlecht ist

Leider können die Selbstzweifel auch dazu führen, dass eine Lähmung eintritt und sowohl Geist, als auch Seele und Körper blockiert werden. „Ich kann das nicht, ich schaff das nicht, ich lass das ein“ sagen sich ständig die Selbstzweifler mit depressiven Veranlagungen. Wie viele Menschen scheitern beruflich, weil sie nicht an sich glauben? Wie viele werden daran krank, verkriechen sich in Traumwelten, werden süchtig oder depressiv?

Selbstzweifler müssen ständig an sich arbeiten

Wenn wir Biografien von herausragenden Menschen konsumieren, stellen wir fest, dass diese häufig eine belastende Kindheit hatten. Schon früh haben viele von ihnen gelernt, dass man kämpfen muss, wenn man überleben will. Schicksalsschläge und mangelnde Unterstützung von Autoritäten führen bei denen, die es nicht leicht hatten, oft dazu, dass sie zu entschlossenen Kämpfern werden – auch wenn der Selbstzweifel ihr ständiger Begleiter ist.

Kleine Menschen zum Beispiel führen schon körperlich das „Hochstapler-Syndrom“ mit sich. Sie müssen sich durchsetzen, um nicht verachtet oder beiseite geschoben zu werden. Ob sie eher zu den Selbstzweiflern oder den Selbstüberzeugten tendieren, ist vielleicht charakterabhängig. Auf jeden Fall müssen sie an sich arbeiten – Tag für Tag – sie haben keine andere Chance.

Ich selbst gehöre auch zu den Selbstzweiflern, die sich häufig als Hochstapler fühlen. Beruflich erfahre ich so viel Anerkennung, dass mir manchmal ganz schwindlig wird. Doch nach so vielen Jahren Selbstständigkeit glaube ich viel mehr an mich als noch zu Anfang. Ich freue mich wie ein Schneekönig, wenn meine Students und Teilnehmer und Coachees mich loben und mir danken. Das kann ich einfach dankbar annehmen – und es beflügelt mich, immer noch besser und noch besser werden zu wollen. Es spornt mich an.

Ich liebe meine Selbstzweifel, weil sie mich verbinden mit den vielen Menschen, die mir Vertrauen und Aufrichtigkeit entgegenbringen. Nur durch meine Selbstzweifel entsteht diese Nähe, die uns allen gut tut, um frei und intrinsisch motiviert zu leisten. Ich bin oft so stolz auf meine Leute, wenn sie voller Eifer und Forschungsdrang ihre Aufgaben bewältigen. Sie wissen, dass ich sie nicht zu etwas dränge – und das scheint ihnen gut zu tun. Über mangelndes Engagement kann ich mich nicht beklagen.

Was wir „Hochstapler“ wissen

Die Menschen mit dem Hochstapler-Syndrom wissen, dass jeder Mensch wertvoll und einzigartig ist – zumindest ahnen sie es. Sie wissen, dass sie nichts Besseres sind als ihre Mitmenschen, egal ob diese hierarchisch über- oder unter ihnen stehen. Diese Sichtweise ist Gold wert und wir können zu recht stolz darauf sein. Zugang bekommt man nur, wenn man das Herz eines Menschen erreicht. Begegnung findet statt, wenn man sich auf Augenhöhe die Hand reicht und sich gegenseitig hilft, ohne nach dem Profit zu fragen.

Lasst Euch nicht lähmen!

Die größte Gefahr der Selbstzweifler sind die Lähmungen, die zu schwerem Leid führen können – und die gerade auch für die Umwelt schwer erträglich sind. Im Betrieb oder in der Familie sind Selbstzweifler eine schwere Belastung, wenn diese Depressionen oder Süchte oder körperliche chronische Erkrankungen mit sich tragen. Das Leid des Selbstzweiflers wird zu Schuldgefühlen der Verbundenen. Hier sollte der Selbstzweifler unbedingt an sich arbeiten. Denn dann fühlt er sich zu recht als Hochstapler: Er tut so, als sei er der „Gute“, aber macht seine Liebsten und Kollegen zu „Tätern“.

Lasst Euch nicht lähmen meine lieben Leidensgenossen! Arbeitet an Euch wie Superhelden es tun. Seid gut für die Menschen, die Euch anvertraut sind, indem Ihr ihnen zuhört und ihnen Liebe und Einfühlungsvermögen schenkt. Nutzt Eure Bescheidenheit, um andere zu erhöhen – aber nicht, um Euch den Herausforderungen zu entziehen. Trainiert täglich Mut, Können und Offenheit. Redet wo Andere schweigen und seid ehrlich, wo Andere ihr Fühlen und Denken verbergen.

Lehrt die Welt, aufrichtig zu sein und zu den eigenen Schwächen zu stehen. Betrachtet Euer Leben so, wie ein Gärtner seinen geliebten Garten betrachtet. Es gibt viel zu tun, also wollen wir fleißig sein und unser Bestes geben. Dann sind wir Vorbilder – und unsere Selbstzweifel wandeln sich in Dünger für die Welt.

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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