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Ist Facebook tot? Oder gerade auf dem Weg zur nächsten Stufe? 0

Anfangs waren soziale Netzwerke und insbesondere Facebook dazu da, um sich im Netz öffentlich zu zeigen und Spuren zu hinterlassen (siehe Video unter diesem Artikel). Dann machten die Menschen die Erfahrung, dass sie mit ihren öffentlich sichtbaren Posts unerwünschte oder sogar bedrohliche Reaktionen hervorrufen konnten. Mädchen etwa wurden belästigt, politische Extremisten nutzten Kommentare für ihre „Missionen“, Kollegen und Vorgesetzte überschritten die Grenze zur Privatheit…. Doch im gleichen Zug entstand das „Dark Social“ mit WhatsApp und anderen Messenger’n und geschlossenen Systemen. Heißt das, dass Facebook bald tot ist? Ich glaube nicht!

Ein Unternehmen, dass sich nicht ständig neu erfindet und sich dem wandelnden Zeitgeist ständig anpasst, kann in unserer digitalen Revolution tatsächlich so schnell wieder vom Markt verschwinden, wie es diesen erobert hat. Theoretisch könnte es also wirklich passieren, dass die Bedeutung des sozialen Netzwerks „Facebook“ verschwindet. Zwar gehören auch WhatsApp, der Facebook-Messenger und Instagram zum Konzern – doch ohne das „mitgliedsmäßig größte Land der Welt“ Facebook wäre der digitale Kommunikations-Oligarch extrem geschwächt und angreifbar.
winfuture.de: Abstieg Facebook’s erstmals real sichtbar

Tatsächlich sinkt nachweisbar die durchschnittliche Dauer der Facebook-Nutzung im Heimatland USA. Waren es 2017 noch 14 Stunden monatlich, die jedes US-Facebook-Mitglied auf der Plattform verbrachte, sind es heute nur noch 9 Stunden im Monat.

Warum ist Facebook nicht mehr so spannend für die Nutzer?

  • Facebook-Nutzer sind heute häufig passiv. Sie scrollen nur noch durch, um sich täglich einen Überblick über abonnierte Medien, Seiten und Kontakt-Aktivitäten zu verschaffen. Das aktive Posten wird gerade bei jüngeren Leuten immer seltener
  • Facebook ist im Vergleich zum ebenfalls öffentlich sichtbaren Instagram nicht so visuell und shopping-inspirierend. Instagram-Stories sind weitaus beliebter als ihr Pendant bei Facebook. Der Content bei Facebook ist textlastiger und enthält sehr viel Werbung. Das mindert den Reiz der Nutzung.
  • Die Klarnamenpflicht bei Facebook verstärkt die Zurückhaltung der Nutzer – oder sie verstoßen gegen die AGB und fühlen sich dadurch eingeschränkt und unsicher
  • Die Motivation, Facebook aufzusuchen, hat häufig mit Klatsch und Tratsch zu tun. Man schaut Bekannten und Verwandten über die Schulter. Das ist zwar auf der einen Seite befriedigend, auf der anderen Seite jedoch auch emotional „hässlich“.
  • Kinderfotos, emotional berührende Gedanken und andere persönliche Nachrichten sendet man (je nach Land) über WhatsApp oder den Messenger. Dort wird sich in Gruppen ausgetauscht oder man schreibt sich so wie früher per SMS.
  • Gerade sehr junge Menschen schützen ihre Privatsphäre über WhatsApp, Snapchat oder andere Social Media Tools. Sie zeigen sich in attraktiven Plattformen wie Instagram und TicToc – Facebook macht älter und ist uncool. Welcher Teenager will schon mit Selfie bei Facebook auftauchen?

Ist Facebook nun tot?

Nein, viele Anzeichen beweisen, was ich schon lange denke: Facebook wird zur globalen „Volkszeitung“ mit dem Benefit, interaktiv ins Gespräch kommen zu können. Gerade gibt es eine große Initiative, um in Kooperation mit Verlagen die Menschen zu Facebook zu locken, indem sie dort News, Unterhaltungs-Content und interessensbasierte Informationen erhalten.

Facebook, die personalisierte Volkszeitung

Wer will sich schon auf eine einzige Quelle beschränken und zum Beispiel eine regionale Tageszeitung abonnieren? Jedes Medium hat seine Stärken und Schwächen und die Menschen wünschen sich eine Zusammenstellung verschiedener Inhalte. Genau da sieht Facebook nun seinen neuen Schwerpunkt.

In den USA hat nun bereits „Facebook News“ in einer gesonderten App gestartet – zunächst mit ausgewählten Nutzern. Ein Facebook-Team sucht Top-Nachrichten zusammen und bietet diese den App-Nutzern. Zusätzlich werden Nachrichten, Unterhaltungscontent, Informationen und Werbebotschaften anhand der Interessen des jeweiligen Nutzers eingebracht. Sicher können die Nutzer auch aktiv Medien-Seiten abonnieren.
Zeitonline vom 25.10.19: Facebook startet seine neue News-Kategorie in der Facebook-App

Kooperation von Facebook mit Verlagen

Waren früher die Konditionen für Verlage, die mit Facebook kooperierten, eher unattraktiv (bei den Instant-Articles blieb der komplette Inhalt in Facebook) hat hier der Konzern ordentlich nachgelegt, um nun die Basis für die weltumspannende, individualisierte „Volkszeitung“ zu schaffen. Die Medien und Verlage werden direkt bei Aufnahme ihres Contents von Facebook bezahlt. Zeitungen wie Zeitungen wie die New York Times oder das Wall Street Journal sollen bis zu drei Millionen Dollar bekommen für die Lieferung von Content.

Außerdem bleiben die Artikel nicht vollständig bei Facebook – beim Klicken auf den jeweiligen Teaser wird der Nutzer zur Website des Medium weitergeleitet. Hat dieser ein kostenpflichtiges Abonnement abgeschlossen, können die Artikel direkt im News-Teil von Facebook eingebunden werden.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Ansatz gelingt. Eine hohe Investition für Facebook – doch die Zukunftsaussicht, in wenigen Jahren DAS Medium zu sein, mit dem die Welt sich über die Welt informiert, ist grandios. Wahlkämpfe werden über Facebook bestritten, Jobs werden über Facebook vermittelt, personalisierte Werbung in Video-Content und Streaming-Angeboten wird direkt angeklickt werden und direkt verkauft werden können.

Bei uns in Deutschland gibt es immerhin schon in der Facebook-App die Kategorie „Facebook Watch“. Nutzt msn diese, gibt das einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft. Ich selbst bin davon überzeugt, dass es gelingt. Doch wer weiß…. Vielleicht ist Facebook wirklich schon „tot“ – ich wette gern zehn Euro dagegen 🙂

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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