Home / Featured / Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat???

Wie schon mehrmals erwähnt, war ich mit 15,16 Jahren bei den Jesus People. Natürlich habe ich da das Neue Testament regelrecht verschlungen. Die Evangelien waren so ganz nach meinem Geschmack – doch dann kamen die Briefe von Paulus. Die Frauendiskriminierung konnte ich ja noch irgendwie herunterschlucken – aber Römer 13? Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über hin hat??? Nun wird das Thema gerade wieder für mich aktuell. Corona-Einschränkungen, Manipulation durch Algorithmen, digitale Transparenz und Überwachung – und da ist mir plötzlich etwas klar geworden – Paulus hat recht!

Jedermann sei untertan der Obrigkeit?

Als Paulus seine Briefe an junge christliche Gemeinden schrieb, war die Christenverfolgung in vollem Gange. Zwar gab es damals noch keine digitale Überwachung, doch Boten konnten abgefangen werden und bei der Lesung seiner Briefe konnten Agenten anwesend sein. Er kam ja schließlich aus dem gegnerischen Lager der Christenverfolger – er kannte sich aus, er war ein Überläufer.

Heute ist es so, dass die Schlinge um oppositionelle Meinungen und Zusammenschlüsse immer enger gezogen wird. In China und anderen hochentwickelten asiatischen Kulturen können wir beobachten, wie die staatliche Macht rigoros durchgreift, wenn kritische Stimmen den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Im Westen wird es von Woche zu Woche selbstverständlicher, Posts und Accounts in den sozialen Netzwerken zu sperren, wenn sie als politische Gefahr eingestuft werden.

Deplatforming – gesperrt auf allen Kanälen

Bild von M. H. auf Pixabay 

Auch wenn ich der Meinung bin, dass der US-Präsident durch seine Äußerungen bei Twitter und Co wohl wirklich zu gewalttätigem Aufruhr angestachelt hat – sollten nicht Gerichte darüber entscheiden, ob er strafrechtlich verfolgt und seine Handlungen unterbunden werden? Und Ken Jebsen – auch wenn ich seine Aussagen zunehmend als verwirrt und pathologisch einstufe, ist es ok, wenn Google, Facebook, Twitter und Co über Deplatforming eigenständig entscheiden, was die Bürger lesen, hören und sehen können, ohne dass es einen gerichtlichen Beschluss dazu gibt?

Ja, es ist wohl unvermeidbar, dass digitale Konzerne und deren rasend schnelle Filter Entscheidungen darüber treffen, was gesellschaftsgefährdend sein könnte. Und ja, es ist wohl unvermeidbar, dass die Exekutive jeden Bürger überwachen kann, falls es Hinweise darauf gibt, dass er kriminell und gesellschaftsspaltend werden könnte. Und ja, es ist attraktiv für Arbeitgeber, wenn sie vor einer Einstellung abchecken können, ob ein Mitarbeiter loyal und effizient zum Erfolg ihres Unternehmens beitragen wird. Es ist möglich, und darum wird es gemacht. Die Algorithmen haben gewonnen.

Die Justiz wäre heillos überfordert mit den unzähligen Bedrohungen, Botschaften, Behauptungen, Entwicklungen und Zusammenschlüssen im Netz – wir haben wohl keine andere Wahl, als auf KI und Algorithmen zurückzugreifen. Ob in demokratischen Systemen oder in autokratischen Systemen – es ist nicht mehr zu stoppen. Eine digital so hochentwickelte Welt kann gar nicht auf Überwachung und Kontrolle verzichten. Und es ist zum schwindlig werden, wie sich die Technik von Tag zu Tag dank Machine Learning weiter entwickelt. Ganz ohne menschliches Zutun…

Jedermann sei untertan der Obrigkeit…

Die heimliche Opposition im Netz, die es nicht riskieren will, über Deplatform (Definition bei Wikipedia) ihren Einfluss zu verlieren, nutzt alle möglichen Strategien und Tricks, um die Algorithmen auszutricksen. Aber ob das überhaupt möglich ist? Es ist so leicht, über die Auswertung der Kontakte und Adressbücher, über Messanger und E-Mails – und natürlich über die Äußerungen bei YouTube, Instagram, Facebook, Twitter und Co Diejenigen zu identifizieren, die zum Beispiel gerade die Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte und die politische Einflussnahme auf Finanzen und Wirtschaft kritisieren. Ich selbst weiß nicht einmal, wie ich die derzeitigen Corona-Maßnahmen bewerte, aber ich suche schon gezielt nach Mahnern wie dem Ökonomen Daniel Stelter und dem Hirnforscher Gerald Hüther, um mich auf ein „Danach“ vorzubereiten.

Zurück zu Pauluns

Zurück zu Paulus: Seine Briefe waren die Briefe eines Politikers, der sehr genau wusste, wie gefährdet die jungen Christengemeinden waren. Schon Jesus hatte ja gesagt „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ (Matth. 10,16). Hätten die friedliebenden Gläubigen sich offen zu ihrer neuen Philosophie bekannt, wären sie wohl vollständig ausgerottet worden. Nur durch ihr menschlich zugewandtes, politisch und strategisch kluges Vorgehen konnten sie die Obrigkeit langsam auf die eigene Seite bringen. Auch Ghandi in Indien wusste, wie wichtig der gewaltfreie Widerstand ist, wenn die Obrigkeit mächtiger ist als die eigene Gruppierung. Auch Nelson Mandela kannte die Kunst der liebenden Umarmung, um Veränderung zu ermöglichen.

Es ist wie es ist

Ich habe gerade zum dritten Mal „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing durchgehört (Himmel, ist das ein anstrengendes und langatmiges Werk – lesen könnte ich es nie, aber als Hörbuch liebe ich es sehr). Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass der Mensch in Gefahr ist, sich selbst dadurch auszurotten, dass er ganz einfach obsolet wird. Da Kapitalismus und Profit weltweit unsere unangefochtene Doktrin ist, ist es wahrscheinlich, dass wir als der KI unterlegene Spezi nur noch lästig und teuer sein werden mit all unseren Fehlern und Unzulänglichkeiten – so wie im Moment alte Menschen nur noch lästig und teuer sind für die Jungen.

Wollen wir diese Entwicklung nicht so einfach hinnehmen, sollten wir zunächst akzeptieren, wer die Obrigkeit ist und was durch diese Obrigkeit (also die digitalen Oligarchen und ihr Zusammenspiel mit Politik und Medien) passiert. Mit Akzeptanz meine ich zum Einen Information – aber zum Anderen auch Verständnis für die Zwangslage, in der sich auch ein Jeff Bezos, Elon Musk, Larry Fink (Blackrock) oder Jack Ma (Alibaba-Gründer) befinden.

Wir sollten mit Politikern sprechen und akzeptieren, dass sie so sind wie sie sind. Verachtung und Häme sind ebenso mies, wenn sie gegen Politiker oder „Reiche“ gerichtet ist als wenn sie unsere Nachbarn betrifft. Wollen wir überhaupt noch die künftige Obsoleszenz des Menschen verhindern, müssen wir zusammenhalten und unsere grundlegenden Werte verändern: Nicht Profit, sondern Wohlergehen sollte unser Ziel sein.

Nur, wenn wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst, können wir Gier und Machtstreben überwinden. Liebe macht glücklich, Geld nicht. Eine harmonische Umgebung mit gesunder Natur und entspannten Tieren macht glücklich. Gewalt, Angst und Unterdrückung schaden auch dem, der von Gewalt, Angst und Unterdrückung profitiert.

Ich mag den Kapitalismus, weil er die Menschen von der Autorität der Kirche und der Hörigkeit der Hierarchien befreit hat – doch diese dumme KI entwickelt sich so schnell, dass ich denke, wir sollten uns wacker besinnen und neue Werte definieren. Ja, jedermann sei untertan der Obrigkeit, indem er sie in sein Herz schließt und den einzelnen Akteuren alles Gute wünscht. Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen – sonst hat Elon Musk recht und es ist irgendwann zu spät für den Menschen. Aber vielleicht wäre das ja sogar die beste aller Lösungen…

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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