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Langeweile war in meiner Kindheit mein ständiger Begleiter. Als Einzelkind hatte ich für die schulfreie Zeit nur folgende Möglichkeiten: 1. Für die Schule arbeiten (haha), 2. Mich mit anderen Kindern draußen treffen (anstrengend) 3. Irgendwie die Zeit herumbringen, bis das Fernsehprogramm (sechziger Jahre) startete mit Vorabend-Serien. Also wählte ich so oft die 3. Variante – und so wurde Langeweile mein ständiger Begleiter.

Langeweile – was tun?

Ich habe in dieser zeitgedehnten Kindheit aus eigenem Antrieb einige Methoden entwickelt, um der quälenden Langeweile zu entgehen. Diese Methoden möchte ich Euch im Folgenden gern vorstellen. Sicher werden sie sie sich nicht für Jeden eignen, aber man kann ja mal schauen…

Wikipedia beschreibt Langeweile als ein unangenehmes Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird. Auch monotone Tätigkeiten können Langeweile hervorrufen – doch die tätige Langeweile wollen wir hier außer Acht lassen. Wir widmen uns der Langeweile, die folgende Gefühlszustände hervorruft:

  • das Hirn scheint in einer Art Vakuum zu stecken. Es fühlt sich schwer an und es drückt.
  • Der Körper will sich bewegen, will etwas tun – doch unser Wille ist geschwächt und kann sich nicht dazu aufraffen.
  • Ablenkungsmanöver wie der Versuch, etwas zu lesen scheitern schon nach wenigen Minuten.
  • Unsere vergeblichen Versuche, die Langeweile zu vertreiben, machen uns aggressiv und nervös.
  • Wir fühlen uns sinnlos, nutzlos, allein und ungeliebt.
  • Die Zeit vergeht quälend langsam.

Langeweile – Wurzel allen Übels?

Hätte ich Geschwister gehabt, hätte ich mich natürlich nicht so intensiv mit diesem Thema beschäftigen müssen als Kind. Ich kennen viele Erwachsene, die von sich sagen, dass sie keine Langeweile kennen. Ich schätze, diese Menschen hatten schon als Kind viele Menschen, Aufgaben und Verpflichtungen in ihrem Leben integriert. Sie wären vielleicht auch gern mal allein, träge und melancholisch gewesen – aber vielleicht auch nicht.

Für mich war der Fluch „Langeweile“ letztendlich eine Chance. Oft frage ich mich, wie Gefangene in Einzelhaft ihren Weg aus unerträglicher Langeweile finden – oder Nonnen in Kontemplation. Ist Langeweile tatsächlich die Wurzel allen Übels? Muss man den Menschen mit sinnvollen Tätigkeiten füllen, damit er nicht böse wird? Brauchen wir Arbeit und Sinn? Oft genug führt Langeweile laut Süddeutscher Zeitung zu Sadismus, Sucht, düsteren Phantasien.  Das hat gerade eine spannende Studie ermittelt.
sz: Studie der dänischen Universität Aarhus zu den Folgen von Langeweile

Langeweile – Wurzel aller Kreativität?

Wie auch die wirklich interessante Studie der Universität Aarhus belegt, kann Langeweile sowohl destruktive, aggressive und sadistische Folgen haben, doch auch Kreativität, Forschergeist, Kontaktaufnahme mit dem Unterbewusstsein und Persönlichkeitsentwicklung können sich aus der Langeweile heraus entwickeln. Das funktioniert allerdings nur, wenn es keine Möglichkeiten gibt, sich abzulenken.

Ich selbst bin auch heute noch mit Langeweile konfrontiert, wenn ich zu viel Freizeit habe. So gern ich mich abends mit Internet-Recherchen, Streaming, Online-Shopping oder Lesen ablenke – tagsüber werde auch ich irgendwann aggressiv, wenn ich vor dem Fernseher, Internet oder in Büchern „abhänge“.

Online-Gaming langweilt mich ebenso wie Kreuzworträtsel oder Puzzle. Auch Hausarbeit und andere „nützliche Tätigkeiten“ fallen bei mir unter „notwendige Arbeiten“ und nicht unter die Kunst, ein Freizeit-Vakuum zu füllen. Ich gehöre zu den Menschen, die ständig das Gefühl brauchen, etwas Sinnvolles zu produzieren. So gerne ich konsumiere, so sehr brauche ich das Gefühl, wichtig zu sein und etwas Wertvolles zu schaffen. Vielleicht ist das ja der Urtrieb von narzisstisch veranlagten Persönlichkeiten?
Studie: Probanden versetzen sich lieber Elektroschocks, als 15 Minuten mit ihrer Langeweile allein zu sein

Tipps für Sinngetriebene, um Kreativität in Gang zu setzen

Was bedeutet „Sinn“ für Dich? Für mich bedeutet Sinn, in irgendeiner Form gestalterisch auf meine konstruierte Welt einzuwirken. Ob schöpferisch, künstlerisch oder analytisch – es muss sich in meiner konstruierten Welt etwas verändern durch meine Tätigkeiten aus der Langeweile heraus.

Heureka!

Tipp Nr. 1: Problemlösungen suchen
In den allermeisten Fällen bezieht sich diese erwünschte Veränderung auf persönliche Erkenntnisprozesse. Ich liebe dieses Gefühl, eine Erkenntnis zu haben oder eine Entdeckung gemacht zu haben. Heureka! Der Hormonausstoß, wenn ich spüre, ein Rätsel geknackt oder ein Problem gelöst zu haben, ist extrem stimmungserhellend.

Tipp Nr. 2: Sich selbst erforschen
Es gibt unzählige Methoden, Spiele und Anleitungen, um sich selbst zu erforschen. „Warum bin ich so neidisch, ängstlich, antriebslos, allein, ungeduldig, eifersüchtig…“ Egal, was wir Google fragen, wir bekommen Antworten, die zu Tests, Anleitungen und Selbsterforschungsmethoden führen.
Ich selbst lege in herausfordernden Lebenslagen immer gern Rider-Tarot-Karten und schreibe sorgfältig meine persönliche Analyse der Bilder auf. Oder ich lege ein I-Ging Orakel zu dem Thema, das mich gerade bewegt. Wichtig ist nur, dass der Zufall mich auf neue Gedanken bringt, damit ich nicht im vertrauten Muster bleibe.
Ich glaube nicht an Zukunftsorakel – aber ich glaube daran, dass alles, was wir tun, im Zusammenhang steht mit dem großen Ganzen. Also sind auch gezogene Karten kein Zufall in meiner konstruierten Welt – sondern ein passendes Puzzle-Teilchen in einer mich umgebenden Realität.

Tipp Nr. 3: Den inneren Künstler wecken
Wenn es ganz schlimm kommt mit der Langeweile, fange ich an zu zeichnen oder malen. Hat sich super bewährt bei nächtlichen Schlafstörungen. Lesen oder fernsehen sind für mich nachts ein Gräuel. Total unheimlich in der Stille der Nacht, da wird aus einem harmlosen YouTube-Video ein Alptraum.
So stelle ich mir in Zeiten, in denen ich nachts wach zu werden drohe, schon Material und wärmende Decken zurecht. Ich nehme eine Assoziation – zum Beispiel den Traum, aus dem ich erwacht bin – und setze diese Assoziation künstlerisch um. Bei mir ist es zeichnen – bei anderen vielleicht ein Musikstück oder eine Stickerei. Hauptsache es kommt von innen.

Tipp Nr. 4: Das Große wagen – lerne und wachse
Bei lang andauernder Langeweile muss für mich eine Lebensänderung passieren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, ein Fernstudium zu beginnen oder mir durch Bücher und Prüfungen eine neue Qualifikation anzueignen. Dank des Internets gibt es so viele Angebote. Da ist für jeden Menschen etwas dabei.
Allerdings brauche ich dann auch ein Belohnungssystem aus Zertifikaten und Prüfungsaufgaben. Um die Beharrlichkeit und den Fleiß aufzubringen, einen wertvollen Wissens- und Fähigkeitszuwachs zu erfahren, brauche ich ein Dokument, das mir in meiner beruflichen Perspektive weiterhilft.

Wir kennen alle Geschichten von Kriminellen, die im Gefängnis zu Schriftstellern (Karl May) wurden, zu Malern oder Priestern. Langeweile kann das Wertvollste sein, das uns geschenkt wird. Endlich etwas tun, „was man nicht tut“ – oder was man nie zuvor getan hat.

Nur schade, dass wir heute so unendlich viele Ablenkungsfallen um uns herum haben. Dröhnende Stille, unerträgliche Zeitdehnung und verzweifelte Einsamkeit kennen viele Menschen nicht einmal mehr. Aber falls Du dieses Gefühl kennst sei stolz darauf: Langeweile ist das, was uns verändern kann, neu machen, umpolen. Viel Erfolg dabei…

In dem hier verlinkten 16 minütigen TED-Vortrag erklärt Manoush Zomorodi, warum Langeweile zu brillanten Ideen führt. Deutsche Untertitel können aktiviert werden

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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