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Totalüberwachung im Marketing: The Pursuit of Happiness 0

Ist die Total-Überwachung eine Gefahr für das Marketing? Könnte es sein, dass Wohlstand, Innovationskraft und der freie Handel gefährdet sind, wenn die Menschen ständig ihr Verhalten kontrollieren, um keine Repressionen zu erfahren? Kreativität, Selbstbestimmung und das Streben nach Glück sind Urantriebe für Unternehmer, Erfinder, Querdenker und Weltverbesserer. Wenn diese in einer Gesellschaft leben, die jeden Quertreiber leicht identifizieren und sanktionieren kann, wird das die Innovationskraft hemmen. Anpassung an bestehende Wertesysteme macht dumm.

The Pursuit of Happiness in der US-Verfassung

In der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776 findet sich direkt zu Anfang folgender wunderbarer Wortlaut:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“
Quelle: wikisource

Bis heute sind dieser Schwur, dieses Glaubensbekenntnis Grundlage für die freie Marktwirtschaft. Jeder Mensch hat das Recht darauf, nach Glückseligkeit zu streben. Sich aus der Masse abzuheben und Neues zu erschaffen begründen den amerikanischen Traum. Wohlstand und freie Entfaltung sind Voraussetzung für einen blühenden Handel. Nur wenn die Menschen (sprich potentielle Kunden) offen sind für abgefahrene Produkte und Ideen, können Innovationen gedeihen und Altes kann vom Markt gefegt werden durch junge unabhängige Unternehmen.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang „Marketing“?

Ich bin unsicher, inwieweit ich große Konzerne als Teilnehmer des freien Marktes betrachten kann. Sobald diese eng mit der Politik kooperieren und Machtbefugnisse erlangen, die nichts mehr mit dem Zuspruch ihrer Kunden zu tun haben, ist das Spiel der freien Kräfte gestört. Wie sehen das bei der Bankenrettung und bei der Energiewende. Lasten werden auf die Bürger abgewälzt. Natürliches Scheitern durch Marktversagen wird immer unwahrscheinlicher, wenn Politik und Wirtschaft eng kooperieren.

Marketing bedeutet in seiner Definition, dass Anbieter und Nachfrager sich begegnen und im fairen Handel WinWin-Geschäfte machen. Ein guter Handel ist dann erfolgt, wenn beide Parteien die Befriedigung erleben „Das war ein guter Tausch“. Nicht das Recht des Stärkeren bestimmt über das Geschäft, sondern Leistung und Kaufkraft.

Eine wirtschaftlich arme Gesellschaft mit wenig Kaufkraft ist nicht im Sinne der Ökonomen und Philosophen, die den freien Handel propagieren. Wohlstand, Bildung und Emanzipation sind entscheidend, um immer weiter zu wachsen und immer wieder neue Lösungen für neue Herausforderungen zu entwickeln (wie jetzt gerade für die drohende Zerstörung unseres Planeten). Wir sehen weltweit, wie Gesundheit, Zufriedenheit und Intelligenz sich ausbreiten, weil es immer mehr Wohlstand und Kaufkraft gibt.

Was passiert, wenn Politik und Wirtschaft Zugriff haben auf die Privatsphäre des Einzelnen? 

In China können wir sehr gut beobachten was passiert, wenn Politik und Wirtschaft in einer Hand liegen und ohne Widerspruch die Totalüberwachung durchführen können. In den westlichen Gesellschaften passiert diese Überwachung mehr im Geheimen – keiner weiß so wirklich, wie weit hier der Zugriff auf die Privatsphäre des Einzelnen fortgeschritten ist – und welche Kräfte davon profitieren.

Kaum vorstellbar ist, dass sich ein verrückter Hippie mit Drogenerfahrung zu einem weltverändernden Konzernchef entwickeln kann, wenn dieser vom Kindergarten ab in seinem Verhalten überwacht und gesteuert wird. Könnte es in China ein Genie wie Steve Jobs geben?

Viele Unternehmensgründer sind Querköpfe und Herrschaftsverweigerer – und gerade dieser Freiheitsdrang treibt sie zu großartigen Leistungen an. Mut, Leidenschaft und Freiheitsdurst gehören zum Unternehmertum genau so wie das Streben nach Einfluss und Reichtum.

Wenn nun die Schere im Kopf immer unbewusster funktioniert, nähern wir uns Dystopien wie in „1984“ und „Schöne neue Welt“ an. Dort gibt es kein Marketing mehr, dort gibt es nur noch Propaganda und Manipulation des Verhaltens.

Marketing ist dem freien Willen des Menschen verpflichtet und weiß, dass die Aufgabe der Anbieter darin besteht, latente Bedürfnisse des Adressaten zu verstehen und durch gute Lösungen zu befriedigen. Marketing überzeugt anstatt zu erzwingen.

Propaganda, Manipulation und Gewalt sind die Feinde des freien Handels. Sie stürzen Gesellschaften in die graue Einheitssoße der Gehorchenden. So wird aus der Lust an der Innovation ein Verwaltungsapparat – ähnlich wie in real existierenden sozialistischen Staaten.

Hilft die Überwachung des Einzelnen dem Marketing?

Vor Kurzem las ich in der FAZ ein Interview mit dem Vorstandschef von Aldi Australia, Tom Daunt. Er erklärt auf herrliche Art, warum Aldi keinen Wert auf Kundenkarten legt wie seine Wettbewerber. Sinngemäß sagt er, dass Aldi sich lieber darauf konzentriert, gute Produkte zu einem guten Preis anzubieten. Das persönliche Verhalten ihrer Kunden bietet dabei keinen wirklichen Mehrwert. Australiens Bürger danken es, indem sie immer mehr bei Aldi einkaufen. Einfach ist es. Und man fühlt Wertschätzung als Aldi-Kunde.

Was nützt es im Marketing, wenn ich alles über meinen einzelnen Kunden weiß? Welche Musik hört er bei Spotify, was schaut er bei Netflix, was kauft er sonst noch alles so, wie ist sein Kommunikationsverhalten und in welchen Communities verkehrt er? Ich spiele Werbebotschaften aus, die auf diesem Verhalten und der daraus hervorgehenden Persönlichkeitsstruktur hervorgehen, ok. Aber sind Werbebotschaften wirklich das, was nachhaltige Geschäftsbeziehungen begründet?

Werbebotschaften sind unerlässlich, um Reichweite und Information zu erreichen. Ob organisch durch Social Media Communities oder durch bezahlte Werbeplätze – Werbung muss sein, um gefunden und verstanden zu werden.

Doch die eigentliche Geschäftsbeziehung beruht sowohl beim Businesskunden als auch beim Privatkunden auf Vertrauen, Sympathie und emotionaler Bindung. Was macht das Gefühl der Überwachung da beim Kunden? Führen diese ganzen Psychotricks durch Verhaltensanalysen nicht eher dazu, den Kunden zu verschrecken und einzuschüchtern? Ist doch kein Wunder, wenn die Australier gern bei Aldi einkaufen gehen, weil diese sich einen Sch…dreck darum kümmern, ob der werte Kunden gern Pornos schaut oder an einem Burnout krank geworden ist.

Politik, Arbeitgeber und andere Machtinstitutionen haben großes Interesse an unseren privaten Daten. Alles, was aus der Reihe tanzt, muss kontrolliert, eingeschüchtert und an der freien Verbreitung neuer Ideen gehindert werden. So funktioniert Machterhalt. Freunde des freien Handels hingegen sind auch Freunde der amerikanischen Verfassung. Sie glauben das Recht auf Streben nach Glück. Sie glauben daran, dass jeder einzelne Mensch gleich geboren ist und ein Recht hat auf freie Entfaltung.

Ich wünsche mir, dass aus den Visionären des Marketings viele Impulse kommen, um der Totalüberwachung entgegenzutreten. Im Kooperation mit Bürgerbewegungen und Weltverbesserungs-StartUps können wir eine Total-Überwachung wie in China verhindern. China kann sehr gut produzieren und Effizienz leben – doch in einer freiheitlichen Demokratie können Künstler und Verrückte gedeihen. Und das ist wunderwunderschön. Das ist die Vision der Menschen, die für die Freiheit des Einzelnen und für die Entfaltung aller Potentiale eintreten. Darum liebe ich Marketing und Unternehmer.

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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