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Warum Eva Ihnenfeldt Angst vor Mädchen-Cliquen hatte als Kind – und was sie das heute lehrt 0

Die wunderbare Laura Stelle (Laura Kaldinski) aus Dortmund hat einen „Für Leib und Seele“ Podcast gestartet, bei dem sie gerade für Frauen und Mädchen das Thema Magersucht thematisiert. Ihre neue Folge handelt von BMI, Gewicht, Körperfettanteil – und überhaupt von der Sucht, sich ständig miteinander vergleichen zu müssen. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Tatsächlich habe ich als Mädchen immer andere Mädchen gemieden, weil dieses ständige Vergleichen mir nicht gut tat. Von meiner Mutter aus kannte ich das nicht. Bis zu meinem Schuleintritt dachte ich (als Einzelkind), ich wäre total ok, so wie ich bin. Und im Kindergarten war das irgendwie noch kein Thema bei meinen Freundinnen. Zwar habe ich auch da gern mit Jungen gespielt, doch dieser Konkurrenz- und Vergleichszwang zwischen Mädchen ist mir nicht in Erinnerung. Das kam erst später. Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt im Gymnasium…

…bei der ich zwangsläufig ja in einem Bettensaal mit Mädchen war. Wir waren im Pubertätsalter. In der Schule und Freizeit

Sehr gern auch mal allein… Foto: Franz Josef Baldus

hatte ich immer nur eine Freundin – meist eine Außenseiterin – und mied wie gesagt Mädchen-Cliquen instinktiv. Auch bei den ersten Partys in diesem Alter stand ich immer bei den Jungens an der Theke und trank lieber Bier als Bowle. Nun also war ich in Langenaubach zum ersten Mal in so einer typischen Mädchen-Community, und das war wie ein Kulturschock für mich. Was war da los?

Eva zwischen Mädchen…

Ich war aus irgend einem Grund sehr beliebt, obwohl ich mich ja die Jahre über den Gruppen entzogen hatte. Die Mädchen freuten sich, mich in ihre Gemeinschaft aufnehmen zu können in Bettensaal und Badezimmer. Ich erlebte, wie die Mädchen ewig lang vor dem großen Spiegel im Gemeinschaftsbad standen und ernsthaft ihr Äußeres verglichen und diskutierten. Seitdem weiß ich, dass ich eng zusammenstehende Augen, kurze Wimpern, große schiefe Zähne und dünne Augenbrauen habe. Lange noch verfolgte mich diese Erkenntnis wie ein Fluch. Ob man es glaubt oder nicht, bis zu diesem einschneidenden Erlebnis hatte ich wirklich geglaubt, ich wäre ok so wie ich bin – trotz Brille!

Als ich mir meine Fingernägel feilte, umringten mich mehrere Mädels und ließen sich von mir zeigen, wie man von außen nach innen feilt. Sie wollten auch mal etwas von mir lernen und waren froh, etwas gefunden zu haben. Irgendwie rührend, aber obwohl ich mich ihnen liebevoll verbunden fühlte in ihrer Freundlichkeit, war mir sehr unwohl zumute. Ist es nicht sch….egal, wie man sich die Fingernägel kürzt? Soll doch jeder machen wie er will – von mir aus abbeißen!

Woher dieser Zwang zum Vergleichen?

Nun überlege ich, woher dieser Zwang zum Vergleich kommt. Bei den Mädchen ist es das Äußere, wie Laura Stella so erschreckend glasklar in ihrem Podcast beschreibt – bei den Jungen ist es Leistung. Könnte es sein, dass dieser Zwang zum Wettbewerb gar nicht angeboren ist sondern eine Angewohnheit, die uns von Baby ab eingeredet wird? Schließlich sind kleine Kinder nachweislich noch nicht so und bevorzugen allen Studien nach Kooperations-Spiele vor „Sieg“-Spielen. Könnte es sein, dass sich das Belohnungs- und Bestrafungssystem im Menschen nicht natürlich entwickelt, sondern dass es extrinsich motiviert ist? Also aus Unsicherheit und Angst vor Ausstoß aus der Gruppe entsteht?
Extrinische und intrinische Motivation

Das Paradies der Nicht-Verglichenen

Ich selbst als Einzelkind konnte die ersten Jahre im Paradies der Nicht-Verglichenen leben. Wahrscheinlich war ich schon zu alt für dieses Wettbewerbs-Ding, als es von außen an mich herangetragen wurde. Es hat mich viele Jahre gequält – keine Frage – und bis zur Oberstufe war Schule für mich ein Martyrium. Noch heute wird mir körperlich übel, wenn ich mit einer Frau (sorry, aber von Männern kenne ich das so nicht) durch die Stadt gehe und diese ständig irgendwelche Leute nach ihrem Äußeren beurteilt, die uns zufällig entgegenkommen. Dann weiß ich, wie auch über mich geredet wird, wenn ich unterwegs bin, na super…

Die einzige Chance, aus dieser Falle zu kommen ist wohl wie immer: Üben, üben, üben. Sich mal trauen zu riskieren, dass Andere ablehnend reagieren. Mal über die Stränge schlagen. Mal das tun, was man nicht tut. Liebe Schwestern, die ich so gern mag und die mir so nah sind – Lasst uns aufhören, unsere Schwestern, Töchter und Feindinnen an den Pranger zu stellen, weil ihre Augenbrauen zu dünn, ihre Augen zu eng beieinander, ihre Zähne zu schief und ihre Wimpern zu kurz sind. Das ist eine Falle – und zwar die schlimmste Falle, um sich wirklich zu emanzipieren. Seid stolz auf Euch – ganz so wie Ihr seid 🙂
Hier geht es direkt zum Podcast von Laura Stella zu BMI, Gewicht und Körperfettanteil

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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