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In 80 Tagen durch ein ganzes Leben – wie Evas „große Liebe“ ihr Ende fand 1

Kann man in 80 Tagen ein komplettes Leben durchleben? Von der Geburt bis zum Tod? Schon merkwürdig, was mir da mal wieder passiert ist. Das Leben ist doch wie ein Märchen nicht wahr? In 80 Tagen die große Liebe mit all ihren Geschenken – und einem abrupten Ende ohne Logik.

Es schmerzt, es erleichtert, es enttäuscht, es befreit.

Sylvester kennen gelernt – gibt es ein passenderes Datum für eine Geburtsstunde? Ihn auf den ersten Blick „erkannt“ und mich entschieden. Direkt gewusst, dass ist nun der Beginn eines neuen Lebens zu zweit. Kinder alle aus dem Haus, Katze tot, Hund tot, Platz für uns ohne familiäre erdrückende Verpflichtungen. Er komplett ohne Anhang, gerade zu Beginn seines letzten Lebensabschnitts: Die berufliche Laufbahn ist frisch abgeschlossen. Ein Privatier, der sich freut, nicht einsam alt werden zu müssen.

Direkt zusammen gelebt, Haushalt und Leben geteilt, die Kinder waren begeistert von uns. Der Flow, in der wir den Alltag bewältigten, war erstaunlich. Als würden wir uns schon lange kennen. Unsere Schrullen und Eigenarten konnten wir besprechen und Lösungen finden, damit sich nichts aufschaukelt an Störungen. Die Welt schien sich zu freuen, dass wir uns gefunden hatten.

Ich habe ihn wohl überfordert mit meinem Aktionismus, der sofort ansprang wie bei einer spontanen Geschäftsidee. War mir so sicher, dass er wie ich das „Unternehmen Partnerschaft“ mit allen Konsequenzen wollte! Hurra, wir konnten gegenseitig Verantwortung übernehmen, wenn wir krank würden und jemanden brauchten. Hurra, wir konnten unsere Verbindlichkeiten teilen und damit eine traumhafte finanzielle Unabhängigkeit leben, die an Reichtum grenzt. Hurra, wir konnten die Haushaltspflichten teilen, so dass es nur noch ein Spiel war und Hausarbeit zu einer liebenswerten Nebensächlichkeit wurde.

Da er kaum wohnlichen Besitz hat, wäre der Umzug Ende Mai ein Kinderspiel geworden von zwei, drei Stunden Arbeit geworden – mühelos wie ein Spaziergang. Die Kündigung war eingereicht und akzeptiert, alles war einfach und klar und sollte anscheinend so sein. Bis vor fünf Tagen…

Und dann war alles anders…

Ich weiß nicht, was passiert ist. Plötzlich hatte jemand den Hebel umgelegt und es war vorbei, so wie es gekommen war. Zunächst war eine Woche zuvor meine Todesanzeige in der lokalen Tageszeitung erschienen und erstaunlich viele Menschen in meiner Umgebung waren sehr verwirrt, weil sie dachten, ich wäre gestorben. Wir entschieden uns, für unsere Nachbarn im Haus am Sonntag ein „Auferstehungs-Kaffeetrinken“ zu organisieren, da diese durch die Anzeige ganz durcheinander gewesen waren (es flossen sogar Tränen), bevor sie die erlösende Nachricht erhielten, dass es sich um eine zweite Eva Ihnenfeldt handelte, die leider verstorben war.

Das Wochenende war voll verplant mit der familiären Nachfeier meines Geburtstages und dieser Auferstehungsfeier, an den beiden Tagen wollte er sich den Nachbarn und der Familie meines Jüngsten vorstellen als mein Lebenspartner. Ich war glücklich und fühlte mich sicher und richtig.

Ist es wirklich erst sechs Tage her?

Doch Freitag abend war er wie verwandelt: misstrauisch und abweisend zu mir. Samstag steigerte sich diese Gefühls-Kehrtwendung bis zum Mittag und er ging, um das Wochenende in seiner Wohnung allein zu bringen. Da wusste ich schon, dass es vorbei war. Wir waren als Paar gestorben. Die sonntägliche Auferstehungsfeier (ach was waren meine Nachbarn enttäuscht, dass ich allein war – sie hatten sich so für uns gefreut!) wurde also zur Auferstehungsfeier der „alten“ Eva, die sich nicht bindet und die ein Einzelkämpfer ist und bleibt.

Interpretationen gab es seitdem einige in meinem Kopf. Wir haben uns noch etwas geschrieben, doch eine wirkliche Klärung war nicht dabei. Ich fühlte mich wie nach einem Betrug, war in meiner Ehre verletzt und reagierte bitter. Meine Vermutung ist weiterhin, dass er Angst hatte vor den möglichen finanziellen Auswirkungen einer Ehe, da ich als Selbstständige und ewige Lebenskünstlerin keine Versorgungs-Sicherheiten vorweisen kann – doch er bestreitet das und kann sich seine Flucht selbst nicht erklären.

Phasen eines Abschieds…

Zunächst war ich verwirrt und wie betäubt (rechte Gehirnhälfte), dann kamen meine Interpretationen für sein Verhalten (linke Gehirnhälfte) – und dann kam diese Wut, die sich gut und kraftvoll anfühlte (gestern – Aktionsphase). Nun sitze ich hier und kann ganz plötzlich Trauer zulassen. Trauer und gelassene Akzeptanz. Wie schnell das alles geht!

Ich bin sicher, dass ich kein Zurück will. In dem Moment, in dem ich mich verraten und gedemütigt fühlte, war alles weg, was ich an ihm attraktiv und anziehend fand. Als wäre ich plötzlich erwacht und würde staunend feststellen, dass dieses „Ideal“ nichts weiter ist als ein „Trugbild“. Natürlich würde er gern mit mir weiter Bett und Freizeit teilen, doch allein die Vorstellung einer solchen Variante lässt mich schütteln. Allein die Zumutung dieses „Versöhnungsangebots“ per E-Mail treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Was für eine Demütigung! Was für eine Beleidigung!

Wie gut dass ich Euch habe!

OK, gut dass ich diesen Blog habe, gut dass ich EUCH habe. Gut dass ich gerade mal wieder einen so wunderbaren Kurs habe, dass ich voller Glück und Anerkennung und aufregender Erlebnisse platzen könnte. Ich liebe meine Studierenden so sehr!

Gut, dass einige meiner Freunde mir direkt gestanden haben, wie froh sie über die Wiedergeburt der alten Eva sind, weil sie dachten, sie hätten mich an einen Mann verloren. Es ist so schön, wenn ich spüre, dass ich Menschen etwas bedeute mit meiner emotionalen Überschwänglichkeit und meinem unerschütterlichen Glauben an das Gute.

Sicherheit für eine Eva?

Ich habe Sicherheit gesucht und mich 80 Tage lang in der Illusion gewiegt, ich hätte nun einen Mann gefunden, der sich um mich kümmert und mich umsorgt. Das war soooo schön! Eva endlich daheim und niemand muss sich mehr Sorgen machen, wie es mit der alten Abenteurerin weitergeht. Doch es ist immer weitergegangen mit mir, trotz all meiner Sprünge und all meiner Tode und Auferstehungen.

Ich liebe das Leben so sehr, dass ich gerade jetzt – in diesem Moment – eine unfassbar intensive Dankbarkeit empfinde, weil ich so frei und in Echtzeit leben darf. Ja, so will ich leben. Wild und gefährlich und ohne Sicherheitsnetz.

Glück kommt nicht durch Sicherheit meine lieben lieben Freunde. Glück kommt durch die überraschenden Geschenke, die dieses gewaltige Märchen „Leben“ uns bietet. Was für ein Wunder, in 80 Tagen mit so viel passender Symbolik das Gleichnis eines sicheren Ehehafens gelebt zu haben. Ich muss lachen.

Gaya, lieber Gott, oder wer auch immer sich unsere Geschichten und Erkenntnisse ausdenkt in diesem Kosmos, ich kann nicht fassen, wie viel Mühe Du Dir mit mir machst. Mir so etwas Wunderschönes zu schenken – mich so sanft und liebevoll zu lehren genau nach MEINER Taktung, nach meiner Fasson.

Ja, ich habe es kapiert. Sicherheit war noch nie eine gute Idee in meinem Leben – immer wenn etwas sicher wurde, brach ich aus. So wird es bleiben bis zu meinem letzten Atemzug. Aber bis dahin gibt es noch viele herrliche Abenteuer und Aufgaben zu bestehen.

Kamehameha! Wir werden immer stärker und wir werden immer besser. Weil wir leben, weil wir es lieben und weil wir es wollen und weil wir es tun.

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

4 thoughts on “In 80 Tagen durch ein ganzes Leben – wie Evas „große Liebe“ ihr Ende fand

  1. Liebe Eva,
    traurig und gleichzeitig erhellend, diese Geschichten, die das Leben schreibt.
    Es ist schön, dass Du es erleben durftest, es ist gut, dass Du an dem Erlebten nicht zerbrichst.
    Nach meiner Meinung wachsen wir mit jeder Erfahrung und auch diese hatte sicher ihren Sinn.
    Ich nehme Dich in den Arm und sage: ich glaube daran, dass sich Deine Wünsche noch erfüllen.
    Herzlichst,
    Sabine

  2. Huhu liebe Sabine, ach ja, es ist so schade! Wir hatten eine echte Chance, und so eine passende Zusammenstellung war ein bisschen so besonders wir ein Sechser (oder sagen wir Fünfer) im Lotto glaube ich. Aber der liebe Gott weiß schon, was er tut. Bin froh, dass ich nicht diejenige war, die Reisaus genommen hat. So fühle ich ein reines Gewissen und kann sagen, ich habe mir alle alle Mühe gegeben und hätte es gern weiter versucht, mich in der Kunst des glücklich Machens zu üben und rasch zu reagieren, wenn ich Mist baue. Danke schön für Deine Umarmung und Deine ernst gemeinten guten Wünsche. Wie ein Segen ist das. Ich mag Dich total gern <3

  3. Pingback: So schnell vergeht die Zeit

  4. Das ist lieb, liebe Zymtzicke – und weißt Du was? Wenige Tage danach sind wir dann wieder zusammengekommen und sind sogar beide bestärkter als zuvor – und all meine Interpretationen waren falsch. Ach Liebe ist ja soooo verwirrend! Sei gedrückt von Eva

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