Wenn man nichts Neues erfindet, könnte man aussterben

Ich habe immer so meine Probleme mit generalisierenden Behauptungen.  Vielleicht hat aber auch nur das Börsenblatt, das Lobbymagazin des Buchhandels, gehörig übertrieben bei der Einleitung des Artikels, in dem Erkenntnisse über die Branche vorgestellt werden. Wir wissen ja: Heutzutage braucht man schon starke Thesen um sich Gehör zu verschaffen und ohne Skandale geht es eh nicht. Selbst im renommierten Börsenblatt bisweilen. Und selbst dann nur, wenn es sich um einen Artikeleinstieg handelt.

Der Artikel des Börsenblattes von Faltin korrigiert aber dann auch gleich den etwas skandalös-aufgemachten Einstieg. Faltin fragt etwas, was sich nicht nur auf den Buchhandel bezieht: Wie kann dieser zeitgemäß auf die neuen Gegebenheiten reagieren? Wie muss man den Buchhandel neu denken? Was macht dieser momentan eigentlich falsch?

Ohne neue Ideen stirbt man aus und landet im Museum. Photo: Expedition Nordmeere

Ohne neue Ideen stirbt man aus und landet im Museum. Photo: Expedition Nordmeere

Falting fordert unter anderem, dass über die Funktion des Buchhandels vor Ort nachgedacht werden muss und nicht so sehr darüber, was dieser in der Vergangenheit war. Faltin ist der Ansicht, dass der Buchhandel sich weiterentwickeln muss. Und dass er dazu weniger auf die Kundenwünsche hören sollte sondern mehr wie Apple sein muss – die können einen neuen Rechner mit einer neuen Schnittstelle entwickeln, egal, die treuen Fans jubeln erstmal weil – weil – na ja, weil Apple es mit geschicktem Marketing geschafft hat sich als fast-religiöse Marke zu inszenieren. (Bei der Apple-Smartwatch ist ihnen das übrigens seit langer Zeit nicht gelungen.) Wer Apple kauft, der ist besser. Darf sich als Zugehöriger einer exklusiven Elite fühlen.

Ja, da ist durchaus was dran. Henry Fords berühmtes Zitat – „Wenn ich Menschen gefragt hätte, was sie wollen hätten sie gesagt schnellere Pferde“, sinngemäß – bringt das ja auf den Punkt. Wir sind bisweilen zu bequem und wollen lieber die Verbesserung des Bestehenden als wirklich Neues. Das macht ja auch viel zu viel Arbeit, da muss man seine Denkmodelle umwerfen, neue Strategien entwickeln und vor allem muss man einen wachen und lebhaften Geist haben, der das Neue auch begreift. Bisweilen habe ich den Eindruck, die Buchbranche flegelt sich sich immer noch auf der Chaiselongue herum, das Lorgnon im Auge und die Tanzkarte im Gehrock. Selten findet man auch Vertreter der Branche außerhalb der Treffen des Buchhandels. Auf das Neue wird abschätzend herabgeblickt: „Ebooks – das sind keine Bücher, das sind Telemedien. Die fasse ich nicht mit spitzen Fingern an.“

Ob der Buchhandel an sich als Ganzes Kunden ignorieren kann? Gute Frage, die kann ich nicht beantworten, da es DEN Buchhandel nun nicht wirklich gibt. Ebensowenig wie es DEN Handerker, DEN Social Media Manager oder andere Berufe gibt. Es gibt Buchhandlungen, die sind sehr weit vorne, es gibt Buchhandlungen die im wahrsten Sinne des Wortes verstaubt sind. Faltin gibt aber allerdings schon die richtigen Anregungen – sofern ich das dem Artikel entnehmen kann. Womit er Recht hat: Die Buchhandlung muss Gastgeber werden. Dass Buchhandlungen schon seit Jahren Lesungen anbieten ist klar, aber die Buchhandlung an sich muss ein Ort sein, an dem ich gerne meine Zeit verbringe – auch dann wenn ich nichts kaufen möchte sondern mich nur hinsetzen möchte um vielleicht inspiriert zu werden.

Die letzten Jahre brachten das Café in die Buchhandlung, brachten die Leseecken und Dinge wie Klaviere – jedenfalls hier in Duisburg in der Mayerschen, falls man mutig genug ist in der Öffentlichkeit zu üben – als Add-Ons in die Branche. Es reicht aber nicht nur diese Dinge zu haben – die Haltung des Buchhandels als Gastgeber muss auch gelebt werden. Und da schließe ich mich schlussendlich Faltin an.

„Wenn Sie im Unternehmen arbeiten wollen, können Sie das natürlich tun, aber Sie dürfen dabei nicht untergehen und die Arbeit am Unternehmen aus dem Auge verlieren. Werfen Sie einen anderen Blick auf die Welt, seien sie besonders und befreien Sie sich von den konventionellen Regeln“

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