Home / Innovation / Digitales Radio: Wo bleibt eigentlich die 4.0?

Erinnern Sie sich noch an den Aufstand als es hieß, das analoge UKW-Radio würde irgendwann mal abgestellt werden? Kein Radio mehr? Na ja, irgendwie schon aber halt mit diesem tollen neuen DAB-Standard. Für den das Deutschlandradio mal mit „glasklarer Klang, kein Knistern“ warb. Und zudem sollte dieser DAB- oder DAB+-Standard dann total neue Features bieten. Neue Kanäle! Neue Welten!

Jetzt habe ich mir vor zwei Jahren so einen DAB-Empfänger zugelegt, weil das alte Radio – Ruhe es in Frieden – zwar brav seinen Dienst getan hatte, aber nach knapp 10 Jahren darf so etwas auch mal kaputt gehen. (Meine Güte, ein Radio, das 10 Jahre hält! Das gibts heute auch nicht mehr.) Also dachte ich mir: Das neue Radio kann sowohl UKW als auch DAB – oder DAB+ – und dann ist das ja eh Jacke wie Hose. Gekauft, eingestöpselt, Sender gesucht – und – hmmm…

Ich will eine Pausentaste!

Nun ist es nicht so als ob der UKW-Empfang wirklich knistern würde. Allenfalls wenn man wirklich exotische Sender wie das örtliche Uniradio empfangen will, aber selbst dann ist das Knistern eigentlich gar nicht vorhanden. Und wenn man die BBC empfangen möchte hat man eh den falschen Weg gewählt. Sicherlich ist DAB sehr nett und glasklar, aber die zusätzlichen Sender sind nun offenbar nicht bundesweit die gleichen. Eigentlich denkt man sich ja, wenn schon neue Sender, dann könnte man ja auch die bevorzugten Favoriten aus – was weiß ich – Bayern, Baden-Württemberg oder aus dem Norden hören. Schön, ich kann mich eventuell noch dafür erwärmen eine digitale Variante von EinsLive hier in NRW zu bekommen oder das Kinderradio des WDR als digitalen Zusatzkanal im Gerät einzustellen. Darüberhinaus aber verlässt es einen dann schon – der Rest sind tatsächlich eher Spartenkanäle wie Radio Horen – nicht, dass ich christliche Radiosendungen nicht zu schätzen wüsste, aber dann hätte ich gerne ein Radio der etablierten Kirchen, meinetwegen würde ich auch per DAB Radio Vatikan hören oder das Domradio aus Köln. Kriege ich aber nicht rein. Stattdessen kann ich mich an sehr nervtötender Technomusik vom Spartensender erfreuen, der es nicht ins UKW geschafft hat. Das soll die Revolution des Radios sein? Kein Wunder, dass kein Mensch DAB kauft und die Durchsetzungsrate von Radiogeräten mit dem System wohl sehr, sehr klein ist.

Ein Harmonium aus einem alten Katalog

Fotonachweis: British Library, Public Domain.

Wobei man auch eingestehen muss: Irgendwie haben die Radiogeräte an sich auch keinen zusätzlichen Nutzen mehr. Sofern sie nicht mit dem WLAN ans Internet angegliedert sind. Allenfalls huscht über das Display die Anzeige des Senders und der Sendung, Musiktitel vielleicht noch. Mal kann man einen USB-Stick anbringen, mal gibts das Ganze noch in Kombination mit einem CD-Player. Aber ansonsten – so richtig weiterentwickelt hat sich das Radiogerät an sich nicht. Es hat vielleicht auch seine Chance zur Weiterentwicklung verpasst: Sofern es eine WLAN-Funktion gibt tritt das Radio seine Funktion ans Internet ab. Dann hat man wenigstens die komplette Auswahl von Sendern aus aller Welt. Vermutlich auch sogar von BBC6. Die Briten sind eh ganz vorne, was digitale Sender anbelangt, die man dann auch im Internet an sich hören kann. Im Browser. Auf der Webseite.

Dabei aber könnten doch digitale Geräte so viel mehr: Heutzutage wo fast alles eine Festplatte hat, könnte ein Radiogerät an sich mit einer programmierbaren Funktion meine Lieblingssendungen aufzeichnen. Schön. Die Funktion hat dann der Digital-Receiver vom Fernseher übernommen, mit dem kann man dann wohl auch Radio hören. Aber warum geht das nicht mit den normalen Einzelgeräten, die man im Handel bekommt? Das Gerät an sich ist weiterhin nur das, was es seit der Erfindung des Radios ist: Ein Kasten aus dem Stimmen kommen. Warum kann ich nicht die Optionen haben, die es beim Fernsehen längst gibt? Eine Pausentaste für das zeitverzögerte Hören von Radiosendungen ist nicht machbar? Das bequeme Aufzeichnen von Radiosendungen muss ich dem PC oder dem Mac überlassen, der dazu online und an sein muss? Und der dann natürlich, weil das Aufzeichnen über die Soundkarte läuft dann nichts anderes machen kann als die Sendung wiederzugeben?

Danke Internet!

Schön, dass wir das Internet haben. Und WLAN. Und Radios, die beides können. Danke Internet für die Möglichkeit aufzunehmen, zu speichern. Vorspulen geht leider mit der Software auch meistens nicht im laufenden Betrieb einer Sendung, aber immerhin – das Möglichkeiten haben sich durch das Netz enorm erweitert. Und dank Spotify und ähnlicher Dienste kann ich mir ja auch jetzt mein eigenes Radio erstellen – also zumindest so ähnlich wenn ich einen Song als Grundlage nehme.
Danke Internet für die zahlreichen Apps, die es mir ermöglichen Sendungen aufzuzeichnen – auch wenn der Rechner an und online sein muss. Da wäre natürlich diese Funktion im normalen Gerät besser eingebaut, aber auch das müsste an sein. Zumindest das. Vielleicht gelingt es ja noch das gleichzeitige Hören-Müssen abzubauen.
Und damit kann man eigentlich schließen: Wenn man denn schon ein neues Radio kaufen möchte für die Küche – dann mit WLAN-Option zumindest. Oder man rangiert das alte iPad dafür aus, dass kann ja auch mit einem Browser Webseiten abrufen. Oder man kauft ein neues iPad oder Tablet und kann dann direkt mitschneiden. Je nach App. Nur: Warum ich dann noch DAB oder DAB+ brauche? Vermutlich hat sich das deswegen nicht durchgesetzt: Das kann einfach zu wenig.

 

10428652_909696752374293_5401521222185380255_nChristian Spließ, Social Media Manager, machte schon Social Media als es noch Web 2.0 hieß. Seit 2004 beobachtet er die aktuellen Entwicklungen und hilft mit Rat und Tat, wenn es darum geht Inhalte kompetentgenau an die Zielgruppe zu vermitteln.

     

     

    Über Christian Spliess

    Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

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