Hoch qualifizierte Frauen und wenig gebildete Männer finden kaum einen Partner…

Früher war alles so einfach: Mädchen bereiteten sich auf ihre spätere Rolle als Mutter und Ehefrau vor (Töchter aus gutem Hause lernten in Höheren Mädchenschulen Klavierspielen und Fremdsprachen) und Jungen wussten, dass sie bald eine Familie ernähren sollten. Doch dann verschob sich alles – heute studieren mehr Mädchen als Jungen. Sie kommen häufig mit Schulstrukturen besser zurecht und erreichen bessere Schulnoten als ihre männlichen Schulkollegen.

Doch in den Köpfen hat sich weniger verändert – und das führt zu Problemen bei der Partnerwahl. Bei der größten sozialwissenschaftlichen Studie, dem Nationalen Bildungspanel (vom Bundesministerium für Bildung und Forschung), stellte sich heraus, dass die veränderten Lebensläufe von Frauen dazu geführt haben, dass diese Frauen viel zu wenig „passende“ Partner zur Auswahl haben! Und Männer, die nicht studieren und einfache Berufe erlernen, finden viel zu wenig Frauen, die sie als Partner akzeptieren könnten.

Das liegt daran, dass Frauen weiterhin – wie früher – einen Mann wünschen, der gesellschaftlich über ihnen steht und (wenn

Maenner und Frauen finden sich am besten beim Feiern.

möglich) ein paar Jahre älter ist. Die Krankenschwester heiratet den Arzt, die Kindergärtnerin den Lehrer. Noch immer ist es ungewöhnlich, wenn eine Ärztin sich für einen Krankenpfleger entscheidet oder eine erfolgreiche Anwältin für einen Industriefacharbeiter!

Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld erklärt in der Zeit, warum diese Vorstellung zu ganz mathematisch logischen Problemen führt: Die Lebensläufe von Männern haben sich seit 1946 wenig verändert, doch die der Frauen ganz erheblich. Der Anteil der Frauen, die sich beruflich bilden, ist hingegen enorm gestiegen. Frauen, die 1920 geboren wurden, hatten ja noch zu 60 Prozent (!) überhaupt keine Ausbildung. Das kommt heute nur noch so selten vor wie bei Jungen. 55% der Studienanfänger sind Frauen.

Normalerweise verläuft es so in Deutschland, dass die Karriere von gut ausgebildeten Frauen einen Knick erfährt, wenn das 1. Kind kommt. Das ist meist etwa zwei bis drei Jahre nach Studienabschluss. Während die Männer in der Lebensmitte in Vollzeit arbeiten, sind die Mütter dann meist nur noch teilzeitbeschäftigt. Spätestens nach 15 Jahren Beziehung ist es in 85 Prozent der Ehen so, dass die Frau den gesamten Haushalt allein erledigt – bei 85% ist also das traditionelle Rollenbild wieder aktiv.

Wer dieses Rollenbild als Frau nicht will, ist häufig Single. Und die Sehnsucht nach einem Partner ist natürlich da – doch dieser Sehnsucht stehen einfach zu wenig hoch gebildete Single-Männer gegenüber! Denn die 45 Prozent männliche Akademiker suchen zu etwa 15 Prozent eine Frau mit niedrigerem Bildungsabschluss. So bleiben für die 55 Prozent Akademikerinnen noch ganze 33 Prozent auf hoher Bildungsebene. Und je älter die Frauen werden, desto mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen adäquaten Partner zu finden.

Im Gegenzug finden Männer, die nicht studiert haben, immer weniger Frauen, die sie Heiratskandidat akzeptieren könnten. Zwar haben Männer viel weniger Schwierigkeiten damit, eine besser verdienende und höher gebildete Frau zu wählen, doch es fehlen ja die Frauen, die das wollen!

Dass Frauen sich so ungern „nach unten“ orientieren, liegt übrigens wohl auch daran, dass die Männer dann in den Beziehungen sich und der Umgebung ständig beweisen müssen, dass sie trotz der gesellschaftlich höheren Stellung der Frau „ganze Kerle“ sind. Da ist es dann noch unwahrscheinlicher, dass die Hausarbeit gerecht verteilt wird, das wäre zu viel für das Selbstbild der Männer.

Ein echtes Dilemma, das meiner Meinung nach durch unser altertümliches „Ehegattensplitting“ zementiert wird. Rutscht die gut gebildete Frau nach der Geburt der Kinder erst einmal in die berüchtigte Steuerklasse 5, kommt sie nur noch selten wieder heraus. Sie ist und bleibt „Dazuverdienerin“, und man kann ihr nur die Daumen drücken, dass die Ehe bis zum Tode hält. Denn ist man erst einmal jahrelang aus Führungspositionen heraus, bleibt eigentlich nur noch eine Selbstständigkeit, um sich wieder nach oben zu kämpfen.

Quelle: Zeitonline

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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10 thoughts on “Hoch qualifizierte Frauen und wenig gebildete Männer finden kaum einen Partner…

  • Reply Angelika 21. August 2012 at 09:11

    Von einem Trendforscher habe ich vor kurzem während eines Vortrages gehört, dass wir immer noch die Gene eines Steinzeitmenschen in uns haben – trotz Internet, I-Pad & co.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 23. August 2012 at 21:34

      Ach ja, es ist zum Heulen. Auch die weiblichen Menschen bei uns im Bürogebäude – sind fast alle im operativen Geschäft. Die Chefs sind fast immer Männer

  • Reply Claudia Engelberts 21. August 2012 at 10:20

    …..oder eine Trennung bzw. Scheidung zwingt eine Frau dazu, sich an ihre gute Ausbildung und ihre unter Windeln und Haustaub verschütteten Fähigkeiten zu erinnern und ganz neu anzufangen. Find ich persönlich zwar nicht gerade den leichtesten Weg, aber allemal angenehmer, als die Hoffnung darauf, dass der Mann nicht eines Tages seine Sekretärin attraktiver findet. Oder aber gleich dem ganzen Rollenmist abschwören und den Mut haben, von der Norm abweichende Wege zu gehen, dann landet man garnicht erst in Steuerklasse 5. Ich hoffe vor allem, dass Männer und Frauen lernen, ihren Fokus darauf zu richten, was gut für ihre Beziehung, ihre Familie und sie selber ist, statt darauf, ob andere sie für ganze Kerle und richtige Frauen halten. Neue Zeiten verlangen neue Wege.

  • Reply Claudia Engelberts 28. August 2012 at 09:52

    Liebe Evs, ich denke, wir kleben noch sehr an veralteten Ideologien fest, gerade in der Mittelschicht. Während in Deutschland-Ost viele Frauen völlig selbstverständlich auch mit vier Kindern vollschichtig gearbeitet wurde, weil diese ganztägig gut versorgt waren, wurde und wird hier noch ein aus meiner Sicht eher gruseliges Mütterlichkeits-Ideal gelebt. Schuldegefühle, weil man die Kinder in die Kita oder zur Tagesmutter gibt, werden hier noch gerne genommen. Ergo: Kind spürt Mutters inneres Drama und ihr Problem, loszulassen, und denkt, oh je, wenn die schon so schlecht drauf ist, muss es ja für mich jetzt gleich ganz schön gefährlich werden. also tut es Mutter den gefallen und brüllt ordentlich, wenn es in der Betreuung bleiben soll. Mutter fühlt sich bestätigt, Betreuung ist schlecht fürs Kind. Jetzt kann sie sich entweder dauernd als schlechte Mutter fühlen und das Kind trotzdem dort lassen, oder sie „opfert“ sich und ihre Karriere für die Familie. Anderswo, z.B. in Frankreich, schaut man ein wenig mitleidig auf unsere mittelalterliche Karrieresituation für Frauen. Meine eigene Erfahrung war damals so: entweder hieß es: Du wirst doch nach dem langen und teuren Studium nicht zu Hause bleiben! oder: beim zweiten Kind bleibst Du jetzt aber wohl zu Hause, wofür kriegst Du denn sonst Kinder? Fazit: ich konnte es nur falsch machen – wenn ich versucht hätte, es den anderen recht zu machen. Ich habe es dann in Kauf genommen, meinen Weg zu gehen und in der münsterländischen Grundschule und dem kath. Kindergarten als egoistische und schlechte Mutter da zu stehen. Wie ich schon sagte: es braucht Mut und neues Denken, seine eigenen Wege zu finden und zu gehen. Wär schön, wenn das immer mehr Menschen auch gelänge. Das postindustrielle Kleinfamilienideal bröckelt ja nun seit Jahrzehnten deutlich erkennbar ab. Da kann man und auch frau nun wirklich nicht mehr drauf bauen.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 28. August 2012 at 10:48

      Bei mir saßen schon häufig verzweifelte Akademiker-Mütter im Büro, die jetzt noch nicht einmal mehr einen 400 Euro Job beim Bäcker bekommen (überqualifiziert). Mütter, die als Manager vor der Familienphase hoch dotiert waren und nun alles vergessen haben, was sie mal waren. Ich denke, dieses patriarchalische Ehegatten-Splitting hat viel Schuld. Steuerklasse 5 ist ein Brandzeichen wie Hartz IV: Einmal 5, immer 5 – man kommt da sehr schlecht wieder heraus. Ich wünsche mir steuerliche Gerechtigkeit für alle Menschen – ohne Ansehen ihres Geschlechts und der Höhe ihres Einkommens

  • Reply Claudia Engelberts 28. August 2012 at 09:54

    …ich glaube, ich kann manchmal mit den Fingern meinen Gedanken nicht schnell genug folgen, entschuldigt bitte die gelegentlich verkorkste Satzbildung!

  • Reply Claudia Engelberts 28. August 2012 at 20:28

    Liebe Eva, das Splitting ist total überholt, das paast gerade noch in die Familenidylle der 50er aus der Persil-Werbung. Aber dennoch: warum lässt sich eine Managerin, eine Akademikerin auf diese Steuerklasse-5-Nummer ein? Warum schlüpfen wir so bereitwillig in die Hausmütterchen-Rolle, wo doch gerade wir wissen sollten, dass man nicht so einfach wieder reinkommt, wenn man erst einmal raus ist. Jede kann es überall nachlesen. Ich bin sicher, die Ursachen fürs Ehegatten-Splitting und die Mütterchen-Rolle liegen auch im Kopf. Der ist, was Familienbild und Geschlechterrollen angeht, noch in großen Teilen der Gesellschaft in den 50ern verblieben. Sonst hätten wir das den Politikern längst klar gemacht, dass wir kein Splitting mehr wollen.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 29. August 2012 at 11:37

      Wir können ja mal Ursula van der Leyen einen Brief schreiben -vielleicht hilft es. Immerhin haben wir zurzeit traumhaft viele Frauen in politisch wichtigen Ämtern, ich kann mir vorstellen, dass die das so ähnlich bewerten wie wir…

  • Reply Claudia Engelberts 11. September 2012 at 12:33

    Ich bin dabei!

    • Reply Eva Ihnenfeldt 12. September 2012 at 14:19

      OK, dann haben wir jetzt einen Plan – „Weg mit Steuerklasse 5“ sollte ich doch viral verbreiten und von Befürwortern unterzeichnen lassen, oder??

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