Home / Innovation / Sharing Economy: Teilen statt besitzen, weil junge Menschen so arm sind?

Sharing Economy: Teilen statt besitzen, weil junge Menschen so arm sind? 0

Sharing Economy ist ein Sammelbegriff für Geschäftsmodelle, die auf das Teilen und/ oder gemeinsame Nutzen von Ressourcen setzen. PKW’s, Wohnungen, Kleidungsstücke, Werkzeuge… Immer mehr Bereiche werden entdeckt, in denen Menschen sich gegenseitig ergänzen mit ihren Bedürfnisse und Angeboten. Da werden Dinge verliehen, werden Dienstleistungen angeboten, wird die Wohnung für Fremde geöffnet, teilt man sich Ressourcen wie WLAN oder Musik. Kerngedanke der Sharing Economy ist, dass die Nutzer auf Besitz verzichten und nur dann etwas nutzen, wenn sie es direkt brauchen.

Neue Kultur des Vertrauens?

Um sich einen Zusatzverdienst als AirBnB-Vermieter aufzubauen, muss der Anbieter dem zahlenden Gast Vertrauen entgegenbringen. Schließlich öffnet man die eigene Wohnung mit allen damit verbundenen Risiken.

Beim Carsharing weiß ich als Autobesitzer nicht, was der Nutzer meines Fahrzeuges in der verabredeten Zeit damit anstellt. Theoretisch könnte das Auto ja auch für eine kriminelle Tat eingesetzt werden – ich brauche Vertrauen.

Uber, Mitfahrzentralen, Lebensmittelkooperativen, Coworking-Spaces… Geschäftsmodelle mit dem Ansatz des Teilens, Tauschens und Verleihens beruhen auf Vertrauen und dem Community-Prinzip. Wie wird ein Anbieter bewertet von den Vielen? Wie hat sich ein Ressourcen-Nutzer verhalten – was berichten die Anbieter?

Die Tonalität muss stimmen in so einer Community (Trolle und Hater würden ja alles zerstören!) und jeder muss damit klarkommen, dass er/sie ganz schön transparent ist (junge Leute haben ja auch nicht so viel Panik wegen der Datentransparenz wie die „Alten“).

Doch ist tatsächlich die Weiterentwicklung des menschlichen Geistes verantwortlich für das „Tausche und Teile“? Sind Vertrauen, konstruktives Miteinander, Offenheit und Transparenz der Grund, sich von Besitz frei zu machen und sich nicht an Anhaftungen zu binden?

Mehr Armut als Transzendenz?

Im Onlineportal der Welt steht Ende Dezember 2018, dass wohl etwas ganz Ernüchterndes verantwortlich ist für die Verbreitung der Sharing Economy. Drei Wissenschaftler, die für die Analyse-und-Statistik-Abteilung der amerikanischen Notenbank tätig sind haben herausgefunden, dass die Tugend des Teilens bei der Generation Y aus der Not geboren ist.

Junge Menschen haben es mit sehr viel unsichereren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun als frühere Generationen. Befristete Stellen, Schuldenberge aus den akademischen Ausbildungszeiten, schlecht bezahlte Jobs, ständige Ortswechsel … In solch prekären Arbeitsverhältnissen schafft man sich nicht mehr Besitz als nötig an. Man bleibt so ungebunden wie möglich, um den ökonomischen Erwartungen gerecht werden zu können.

So hat jede Medaille viele Seiten. Der Zwang zur finanziellen Freiheit führt dazu, dass sich die Menschen zu Freundlichkeit und Transparenz „erziehen“. Unternehmen wie Uber wissen damit umzugehen und die Notlage von Community-Mitgliedern auszunutzen, die für ein paar Euro oder Dollar in der Stunde ihren eigenen PKW zur Verfügung stellen und ohne soziale Absicherung um das tägliche Überleben kämpfen.

Sharing Economy – der Weg zur Bescheidenheit und Ressourcen-Wertschätzung

Ich persönlich freue mich trotz Alledem über die Entwicklung hin zur Sharing-Economy. Wir haben unseren Planeten so lange geschunden mit unserer Gier nach Besitz und Konsum, dass es mir recht ist, wenn ökonomische Unsicherheiten dazu führen, dass Ressourcen besser genutzt werden anstatt nur herumzustehen.

So hat alles sein Gutes und sein Schlechtes. Lasst uns teilen lernen und freier werden von den Anhaftungen an Besitz und Status. Lasst uns großzügiger werden mit dem, was wir sind – anstatt krampfhaft unsere Persönlichkeit vor Blicken von außen zu schützen. Das tut gut und macht beweglich in einer Welt voller menschlichen Nomaden…

Weltonline vom 20.12.18: Was macht die Sharing Economy so erfolgreich?

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites