Home / Innovation / StartUps in Deutschland: 90 Prozent sind Männer

Was ist der Unterschied zwischen einem „Existenzgründer“ und einem StartUp? Ein Existenzgründer ist jemand, der sich selbstständig macht. Ein StartUp bezeichnet eine „Chancen-Gründung“. Die Technologie oder das Geschäftsmodell sind hochinnovativ. Das junge Unternehmen (StartUps sind junge Unternehmen, die maximal 10 Jahre am Markt sind) ist auf signifikantes Wachstum ausgerichtet. StartUps tragen wesentlich zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen bei. Der Deutsche Start-up-Monitor (DSM) 2014 zeigt ausführlich auf 64 Seiten (kostenlos als pdf zum Download), wie sich die StartUp-Szene in Deutschland zusammensetzt und wie sich die Jungunternehmen finanzieren.

Die innovative Idee - das Team - das Kapital - Erfolgsfaktoren für StartUps. Foto: C. Ahuis

Die innovative Idee – das Team – das Kapital – Erfolgsfaktoren für StartUps. Foto: C. Ahuis

Der Studie nach gibt es in Deutschland etwa 4.000 bis 5.000 StartUps. 900 dieser Gründer nahmen an der Studie mittels einer Online-Befragung teil. Interessant ist unter Anderem, dass es fast keine Frauen unter den StartUp-Teams gibt – nur 10 Prozent der Gründer sind weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei Mitte Dreißig, die allermeisten haben mindestens ein Studium abgeschlossen, fast die Hälfte hat schon mehrere Unternehmen gegründet. Innerhalb der ersten 32 Monate schaffen StartUps im Schnitt 17 Arbeitsplätze.

Gegründet wird vor Allem in Ballungsräumen. Allen voran Berlin, es folgen die Metropolregion Rhein/ Ruhr, München und Hamburg.

StartUps werden in fünf verschiedene Entwicklungs-Phasen eingeteilt, bei der Befragung waren die Jungunternehmen im Durchschnitt 2,7 Jahre alt. In der Seed-Phase hat das StartUp noch keine Umsätze generiert und ist dabei, das Konzept zu entwickeln. In der Startup-Phase ist das Produkt zur Marktreife gelangt und es werden erste Umsätze generiert – und/ oder erste Kunden nutzen das Produkt. In der Growth-Phase gibt es ein starkes Wachstum. In der Later-Phase steht das nun etablierte Jungunternehmen kurz vor einem Trade-Sale bzw. Börsengang – und/ oder ist ein stabiler Marktteilnehmer. In der Steady-Phase ist der Zenit überschritten – es gibt kein starkes Umsatz- oder Nutzerwachstum mehr – oft ist das Ende in Sicht. Die meisten Gründer wollen ihr Unternehmen selbst dauerhaft führen – etwa ein Drittel plant einen Unternehmensverkauf.

77 Prozent der StartUps gründen im Team – bei den „normalen“ Existenzgründungen sind es nur 23 Prozent. Die meisten Teams bestehen aus zwei oder drei Gründern. Gegründet wird der Studie 2014 nach in folgenden Kategorien: „Software as a service“ (SaaS) zu 21 Prozent, E-Commerce (12 Prozent), Consumer Mobile und Web-Applikationen zu 10,5 Prozent. Prozentual absteigend folgen die Medien-und Kreativwirtschaft, Online-Marktplätze, Online-Service-Portale, Agenturen oder Beratungsunternehmen. Erst jetzt folgen mit 5,9 Prozent industrielle Technologien und/ oder Hardware.

35 Prozent der StartUps wenden sich mit ihrem Angebot an B2B (Business)-Kunden, 19,4 Prozent an Endkunden, 45,3 Prozent der Angebote sind gleichzeitig von beiden Gruppen nutzbar. München ist die Hochburg für B2C-Produkte, die Metropolregion Rhein/ Ruhr für B2B-Angebote, Berlin ist die Region für die „Mischprodukte“. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass es sich bei ihrem Angebot um eine weltweite Marktneuheit handelt. Auch hier sieht man den deutlichen Unterschied zu „normalen“ Existenzgründungen: 77 Prozent starten hier ohne wirklichen Innovationsgedanken. Allerdings muss man bedenken, dass StartUps dazu neigen, ihre Innovationskraft zu überschätzen.

Im Durchschnitt erzielen StartUp-Gründer ein monatliches Bruttoeinkommen von 2.519 Euro. In der Metropolregion Rhein/ Ruhr sind die durchschnittlichen Gehälter im Vergleich zu den anderen drei StartUp-Metropolen am höchsten. In der Seed-Phase können sich die Gründer im Schnitt 1.666,00 Euro monatlich auszahlen. Durchschnittlich beschäftigen die befragten StartUps 14,5 Mitarbeiter. Berlin und Hamburg liegen hier weit vorn mit fast doppelt so vielen Arbeitsplätzen wie die Metropolregion Rhein/ Ruhr und München. Schon in den ersten 12 Monaten werden im Schnitt 3,5 Mitarbeiter beschäftigt. Probleme gibt es bei der Suche nach Softwareentwicklern und Ingenieuren, wie 80 Prozent der Befragten bestätigten.

In der Studie wird deutlich, dass sich auch ein Wertewandel bei technisch innovativen Unternehmen vollzieht. Immer mehr StartUps beteiligen ihre Mitarbeiter an den Unternehmen – im Schnitt sind 13,4 Prozent der Unternehmensteile für Mitarbeiter vorgesehen. Knapp die Hälfte der StartUps erzielte im letzten vollständigen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 250.000 Euro. Die andere Hälfte hatten entweder noch gar keine Umsätze generiert (10 Prozent) oder Umsätze von 1 Euro bis zu 250.000 Euro.

Während 27,1 Prozent aller befragten StartUps Kredite von Banken erhalten haben, sind es in den ersten 12 Monaten nur 5 Prozent. 30 Prozent der Gründer beziehen Darlehen von Familie und Freunden. 25,5 Prozent erhalten öffentliche Fördermittel, 27 Prozent haben ausschließlich aus Eigenmitteln gegründet. Über 80 Prozent gaben bei der Befragung an, dass eigene Ersparnisse die Hauptfinanzierungsquelle war und ist. Business Angel, Venture Capital Geber, Inkubatoren und Bankdarlehen spielen insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Doch 21,6 Prozent der StartUps wollen in den kommenden 12 Monaten mehr als 1 Millionen Euro an externem Kapital aufnehmen. Allerdings wird der Zugang zu externem Kapital als große Hürde beschrieben.

Wie eine andere Studie zeigt, wird Crowdinvesting für die StartUp-Finanzierung auch in Deutschland  immer wichtiger. Der Markt wächst seit 2011 um monatlich 8 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland zurzeit rund 30 Crowdinvesting-Plattformen, von denn etwa 5 als wirklich professionell betrachtet werden können. Gründer schätzen am Crowdinvesting, dass sie einen wichtigen Marketing-Effekt haben – und dass die Crowd-Investoren kein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen haben. Investoren haben Interesse an den hohen Renditen – und dass sie über kleine Beträge in mehreren StartUps die Risiken streuen können.
Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting – 24 Seiten als pdf zum Download

StartUps sind auf eine lebendige Netzwerk-Kultur angewiesen – doch nur Berlin kann mit Events und regionalen Ökosystemen für die StartUp-Szene punkten: 50 Prozent der Befragten sehen die Gründerszene in Berlin als wichtigen Standortfaktor. Münchens StartUp-Szene wird immerhin von 18,2 Prozent als „sehr stark“ bewertet, doch die Metropolregion Rhein/ Ruhr und Hamburg sind weit abgeschlagen mit 6,9 und 5,0 Prozent.

Die weiteren Ergebnisse der aufschlussreichen Studie beziehen sich auf die Gründermentalität in Deutschland. Gesellschaftlich ist es hier schwieriger, mit einem Risiko zu starten als in anderen Ländern. Fast die Hälfte aller Deutschen haben Angst vor einer Unternehmensgründung, weil sie Angst vor dem gesellschaftlichen Scheitern haben.

Der DSM- Deutscher-StartUp-Monitor 2014: 64 Seiten als pdf zum Download

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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