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Studie: Weltweit liegen Deutschlands Frauen als Unternehmerinnen ganz ganz hinten 0

Kennen Sie den Satz „Uns geht es viel zu gut?“. Da muss ich als Frau dran denken, wenn ich im Manager-Magazin lese, wie niedrig die Gründungsquote von weiblichen Gründern in Deutschland ist. In einem weltweiten Vergleich von 54 Ländern liegen wir sage und schreibe weit abgeschlagen auf Rang 48. Doch wundern tut mich das nicht. Der Schritt in die Selbstständigkeit wird wohl am ehesten gewagt, wenn es keine Alternative gibt, um die Existenz zu sichern und sich aus Unterdrückung zu befreien. So liegen an der Spitze der Länder mit einem hohen Unternehmerinnen-Anteil Ecuador mit dreißig Prozent (!), Vietnam und Peru. Viel Erfolg liebe Schwestern!

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In Deutschland liegt die Gründungsquote bei Frauen bei 3,9 Prozent. Noch seltener wird nur in Bulgarien, Japan und Bosnien-Herzegowina weiblich gegründet. Obwohl in Deutschland die StartUp-Szene mit vielen Veranstaltungen, Wettbewerben, Fortbildungen und Fördermitteln gepusht werden soll, erreicht anscheinend der Appell junge Frauen und Hochschulabsolventinnen kaum – wobei auch bei männlichen Gründern extrem viele der gegründeten StartUps rasch scheitern.

Ich habe ja 2004 gegründet – aus der Arbeitslosigkeit heraus eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer. Damals war Deutschland der „kranke Mann Europas“ und die Verzweiflung vieler gut ausgebildeter Verwaltungs- und Technikspezialisten war groß. Vieles an Ingenieuren und BWL’ern, was älter als 45 war, wurde mit einem Schlag für unbrauchbar erklärt und gerieten aus finanzieller Sicherheit und hohem Status über Nacht in die Gefahr, ins Prekariat abzurutschen – oft genug mit Schulden für Haus und Auto, und hohen Zahlungsverpflichtungen für heranwachsende Kinder.

Da wächst man über sich hinaus, wenn wirklich nichts Anderes mehr geht, um der Armut und sozialen Isolation zu entfliehen. Hunderte von Gründungen haben wir damals erfolgreich begleitet – und die Zusammenarbeit mit den Arbeitsagenturen im Ruhrgebiet war großartig.

Natürlich ist es nicht durchgehend in allen armen Ländern so, dass sich bis zu einem Drittel der Frauen selbstständig machen wie in Ecuador – das gesellschaftliche Klima muss dazu passen. Unternehmerinnen können sich nur entfalten, wenn das Rechtssystem und die familiären Strukturen das erlauben.

Tatsächlich machen sich in Ecuador mehr Frauen selbstständig als Männer. Auch in Vietnam ist es immerhin noch jede vierte Frau, die den Schritt wagt in ein autarkes wirtschaftliches Leben. Die Rangliste im Manager-Magazin liest sich wunderbar, wenn man wie ich Freude hat an selbstbewussten, eigenständigen Frauen, die ihre Familien eigenständig ernähren.

In Deutschland gibt es wahrscheinlich wenig Gründe, sich aus den traditionellen Kleinfamilienstrukturen zu befreien. Immer noch wird hier weiterhin das übliche Familien-Modell praktiziert: Der Ehemann ist der Haupternährer, die Frau ist in erster Linie für Kinder und Heim verantwortlich – und verdient (oft in Steuerklasse 5 oder auf Minijob-Basis) hinzu.

Zwar gibt es hierzulande auch immer mehr Männer, die die Familienarbeit übernehmen – doch zahlenmäßig spielt das eine untergeordnete Rolle. Bei den Familien, wo beide Partner in etwa in gleicher Höhe zum Familieneinkommen beitragen, ertönt häufig der Satz „Ohne Oma geht gar nichts“ – es ist also wieder eine Frau, die ehrenamtlich eingesetzt wird.

Ich persönlich glaube, dass Frauen hervorragende Unternehmerinnen und Arbeitgeberinnen sein können. Die vielen weiblichen Unternehmer in Entwicklungsländern und Schwellenländern zeigen, dass Frauen mit Finanzen verantwortungsvoll umgehen – und Verantwortung für ihre Mitarbeiter/Innen übernehmen. Schließlich wissen sie, wie schwierig es ist, Familie und Beruf in Übereinklang zu bringen.

Also nur Mut! Man kann ja klein anfangen und langsam wachsen! Nur leider macht es das deutsche Sozialversicherungssystem und Steuersystem zusätzlich schwer. Ähnlich wie bei Hartz-IV-Empfängern sind Ehefrauen, die bisher über die Krankenkasse des Ehemannes versichert waren und zurzeit noch bedeutend weniger Gewinne erzielen als ihr Partner, extrem gehandicapt. Sobald sie mehr als rund 400 Euro monatlich Gewinn machen, müssen sie sich selbst krankenversichern (ab ca 400 Euro monatlich) – und Steuerklasse 5 passt auch nicht gut mit einem unternehmerischen Handeln zusammen… Schade eigentlich!

Manager-Magazin vom 11. Juli 2018: Untersuchung vom RKW-Zentrum – Wo die meisten Frauen Unternehmen gründen

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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