Fachkräftemangel: Top 10-Mangelberufe sind alles „typische“ Frauen- und Männerberufe

Die dramatischste Lücke im Fachkräftemangel ist im Bereich Soziales und Gesundheitswesen zu verzeichnen – ein Sektor, in dem vor allem Frauen arbeiten. Nur 15 bis 25 Prozent der Menschen, die sich um Kinder, bedürftige Erwachsene, Kranke, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen kümmern, sind männlich. Ob in der Berufseinstiegsbegleitung, in der Schulsozialarbeit, in Jugendeinrichtungen, Einrichtungen für Kinder, für Senioren oder in der Suchtberatung – Fachkräfte in diesen Berufssegmenten sind rar. Bei 26.500 offenen Stellen im sozialpädagogischen Bereich konnten bis Juli 2022 20.000 Stellen nicht besetzt werden, da es keine geeigneten Arbeitslosen gab.

Bild von Angelo Esslinger auf Pixabay 

Im nächsten Berufssegment mit dramatischem Fachkräftemangel handelt es sich um traditionelle Männerdomänen: das Handwerk und die IT. In der Top 10 der Berufe mit der stärksten Personalnot fanden sich gleich drei Handwerksberufe. In der IT konnten bis Juli 2022 neun von zehn ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt werden, weil es keine geeigneten Bewerber/Innen gab. Auch Berufskraftfahrer/Innen werden wieder sehr gesucht und nicht gefunden.

Männer- und Frauenberufe?

Kann es sein, dass die Geschlechtsspezifizierung einer Berufsgruppe verantwortlich ist für den Fachkräftemangel? Sollte es noch mehr Anstrengungen geben, damit Mädchen sich in den gewerblich-technischen Bereich wagen und Männer den sozialen Berufssektor für sich entdecken? Wäre es für die Gesellschaft hier in Deutschland ein Gewinn, wenn sich da festgefahrene Strukturen lockern würden?

Als die Kriegsdienstverweigerer nach Gründung der Bundeswehr gezwungen waren, im Ersatzdienst (später Zivildienst) mit Hilfs- und Pflegebedürftigen zu arbeiten, hatte diese Erfahrung durchaus Einfluss bei der folgenden Berufswahl: Sozialarbeit, Medizin, Pflege… Männer merkten, dass es sehr erfüllend sein kann, sich um Menschen zu kümmern und diesen Hilfe zukommen zu lassen.

In Ländern wie der ehemaligen DDR erlebten wir, dass es viele Ingenieurinnen, gewerblich-technische Fachfrauen und Handwerkerinnen gab, die ebenso wie ihre männlichen Kollegen arbeiteten, gute Leistungen brachten und glücklich waren mit ihrer Berufswahl.

Was den Frauen in Deutschland fehlt, ist die Möglichkeit, sich beruflich zu entfalten, wenn man Kinder bekommt. Gerade in typischen „Männerberufen“ ist es schwierig, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Um dem Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen, ist es sicher sinnvoll, auf Menschen aus dem Ausland zurückzugreifen, die sich eine Zukunft in Deutschland vorstellen können – doch naheliegend ist es, dass junge Frauen, die hier bereits leben, Rahmenbedingungen vorfinden, die ihnen eine berufliche Zukunft in allen Berufssegmenten erlaubt.

Schulische Förderung aller Kinder und Jugendlichen, Kinderbetreuung, Förderung von Frauen in Männerberufen, ein soziales Jahr für alle jungen Menschen nach dem Schulabschluss (oder wahlweise ein Jahr bei der Bundeswehr?) wären geeignete Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Ergänzend wäre es sehr wichtig für unsere gesunde Gesellschaft, dass auch Menschen mit Handicap arbeiten können. Ob seelische, geistige oder körperliche Einschränkungen: Menschen brauchen Arbeit, um sich wichtig und gebraucht zu wissen. Menschen brauchen Anerkennung und eine lebenswerte Entlohnung für ihre Arbeit. Sodass wir alle ein würdiges, selbstbestimmtes Leben führen können, arbeiten und lernen. Jede/r in seinem/ihrem Tempo und nach seinen/ihren Möglichkeiten.

Quelle Institut für Deutsche Wirtschaft vom 12. August 2022

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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