Ist Disziplin der Schlüssel zum Glück?

Eigentlich ist es ganz simpel: Führst Du ein diszipliniertes Leben – oder lebst Du die Konsequenzen? Pflegst Du Deine Zähne – oder erträgst Du irgendwann die Schmerzen und die Scham? Hältst Du Deine Verpflichtungen ein, bist zuverlässig und pünktlich? Oder ist es OK für Dich, wenn das Schicksal sich vor Dir zurückzieht wie ein Freund, der sich enttäuscht abwendet?

Disziplin, vielleicht meine Lieblingstugend

Bild von Dorothe auf Pixabay 

Früher: Als Kind war ich nicht diszipliniert. Hausaufgaben habe ich morgens in der Schule auf der Toilette abgeschrieben, für Klassenarbeiten habe ich nicht gelernt, meine Taktik war im Wesentlichen „Mach Dich unsichtbar“. Obwohl mein größter Traum das Ballett war, ging ich schon bald nicht mehr hin, nachdem ich häufiger von der Lehrerin für Fehler kritisiert worden war.

Was hätte diese Einstellung geändert? Ich konnte mir meine Einstellung erlauben, da ich keine Strafen fürchten müsste. Meine Mutter war vielleicht traurig, aber nie strafend. Die Konsequenz der schlechten Noten und des Abbruchs meines Ballett-Traums stellte ich als Kind nicht wirklich in Zusammenhang mit eigenem Versagen. Das Verständnis von Eigenverantwortung war ja noch gar nicht entwickelt in meiner Seele.

Wahrscheinlich hätte ich von einer Autorität gezwungen werden müssen – doch ob das eine gute Lösung gewesen wäre? Oder ich hätte durch Anerkennungen und Belohnungen immer weiter gepusht werden können – doch wäre das nicht noch eine Steigerung meiner Selbstüberhöhung gewesen?

Dann später: Stattdessen hat mich das Leben geschleift. Andauernd musste ich die Konsequenzen für meine mangelnde Disziplin tragen. Trägheit und „Null-Bock“ Verhalten führten dazu, dass ich ziemlich durcheinander war als junge Frau – ich lebte mehr und mehr in einer dunklen Wolke, war gefangen in einem Leben, das nicht ich selbst bestimmte. Ich war ein Opfer der Umstände.

Mit Anfang zwanzig schaffte ich es, meine „Null-Bock“ Haltung zu besiegen, einfach aus einem Überlebensinstinkt heraus. Und da ich früh Mutter wurde, kam etwas ganz Neues hinzu: Verantwortungsgefühl und Liebe zu einem schwachen kleinen Wesen, das mich brauchte. Das hat mich geheilt von meiner Disziplin-Verweigerung. Ich wurde fleißig.

Unglaublich, wie sich durch diese neue entdeckte Lust an der tüchtigen Gestaltungskraft alles, aber auch wirklich alles änderte! Mein Leben wurde bunt und aufregend (insgesamt bekam ich dann vier Kinder – bis heute habe ich nie wieder unter Trägheit und Sinnlosigkeit gelitten). Allerdings habe ich nie mein Ego zurückgestellt, muss ich gestehen.

Die alte Möchtegern-Primadonna bin ich geblieben. Auch heute lege ich Wert auf Beifall und Bewunderung – doch ich bin überaus gern bereit, dafür etwas zu tun! Ich bin sogar bereit, sehr viel dafür zu tun!

Auch das verwöhnte Mädchen, dass fremdbestimmte „Hausaufgaben“ verweigert, ist geblieben. Ich lerne auch heute nur, was ich selbst entschieden habe, und sobald ich empfinde, dass man mir von außen eine Aufgabe oder einen Weg aufzwingen will, werde ich störrisch wie ein Maulesel.

Was also ist Disziplin?

Meine Art von Disziplin ist ein Mix aus Liebe, Dankbarkeit, Bewunderung, Vertrauen und Glaube. Ich bin bereit, mein Bestes zu geben, da ich es liebe, hier auf diesem Planeten leben zu dürfen. Was für ein Wahnsinn! Was für eine Ehre, dieses faszinierende Spiel der Dualität und der unzähligen Wunder mit allen Sinnen erleben zu dürfen!

Nun, wo sich das Schicksal nicht mehr vor mir zurückzieht wie ein enttäuschter Freund, ist jeder Tag voller kleiner Wunder – einer Mischung aus Zufällen, Begegnungen, Chancen, Inspirationen, Erkenntnissen, Erfolgen und inneren Eingebungen.

Mein Glaube an das, was hinter den Dingen wirkt, ist das, was mich glücklich macht durch lauter kleine und große Beweise, dass es wirklich so ist und keine Einbildung einer biologischen Fress- und Ausscheidungsmaschine, die sich was Künstliches bastelt, weil sie sich nicht damit abfinden kann, dass sie ein Tier ist – gezeugt, geformt, zum Tode verurteilt.

Mein Glaube und meine Dankbarkeit für das Leben bewirken, dass ich es nicht übers Herz bringe, aus Faulheit zu enttäuschen. So müssen sich Bauern fühlen, die auch bei ekligem Wetter ihre Tiere und Pflanzen versorgen, weil sie diese nicht leiden lassen können. Weil sie ganz selbstverständlich ihre Verantwortung erfüllen – weil sie wichtig und unersetzbar sind.

Die Ernte kann schiefgehen – doch ein kluger Bauer nimmt das hin. Niemand hat das Recht auf Gesundheit, Profit, Umsorgung, kalkulierbare Ergebnisse.

Disziplin – einfach so

Ich habe viele Klienten/Innen, die unter Depressionen leiden. Da sind die, die wie Leistungssportler immer ihr Bestes gegeben haben – und nun völlig ausgebrannt sind – und da sind die, die sich so unwichtig fühlen, dass sie sich nicht vorstellen können, für irgendwen oder irgendwas wichtig zu sein. Und da sind die, die durch feindliche Umstände (wie einen kranken Körper) allen Mut verloren haben und nur noch von Moment zu Moment überleben.

Euch allen möchte ich zurufen „Lebt eisern Disziplin, und wenn es noch so schwerfällt!“ Glaubt einer alten Frau: Das Schicksal liebt die Fleißigen, die auch in größter Not und in größtem Ungemach tun, was getan werden will. Fragt nicht nach Profit, wenn Ihr gebt. Nehmt Euch die Goldmarie aus Frau Holle zum Vorbild, die einfach das Brot aus dem Ofen zieht, weil dieses ihr zuruft „Hol mich raus!“. Fragt nie „Und wer hilft mir, wenn ich was brauche?“ Tut es einfach und habt Vertrauen. Disziplin ist der Schlüssel zum Glück.

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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