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Eine Senioren-Liebesgeschichte – oder wie Eva und Uli sich Silvester 2018 fanden 0

Silvesterabend um 20.30 Uhr sind wir Beide uns zum ersten Mal begegnet. Bei einer gemeinsamen Freundin, die mich überredet hatte, mit feiern zu kommen. Mein erstes Silvester ohne Hund seit sechzehn Jahren, also ohne Beruhigungs-Job um Mitternacht. Es war merkwürdig. Ich saß da auf dem Sofa und Elas Freundin kam mit ihrem langjährigen Freund, über den ich nichts wusste außer dass die Beiden irgendwann vor langer Zeit ein Paar gewesen waren. Ich sah ihn an und etwas in mir dachte „Ach“. Einfach nur „Ach“. Nach elf Jahren überzeugtem Singleleben wusste ich im selben Moment, dass es vorbei war mit meinem kauzigen Leben eines Geizigen aus Dickens Weihnachtsgeschichte.

Ich verabscheue Diskotheken und laute Popmusik, doch irgendwie schafften Uli und ich es, uns so

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lange schreiend zu verständigen, bis wir unzählige Gemeinsamkeiten abgecheckt hatten, kodiert dem Anderen zukommen ließen, dass wir uns erwählt hatten und unser erstes Date verabredet hatten (Die avantgardistische Jazz-Bigband „The Dorf“ spielte 17 Tage später Pink Floyd im Domicil). Unsere Begleiter merkten überhaupt nichts, doch für uns war ohne ein Wort oder gar Berührung alles klar, als wir auseinandergingen gegen drei Uhr in der Frühe. Uli sagte dann auch seiner Freundin auf der Heimfahrt in der Straßenbahn „Ich habe mich verliebt“. Auch er war elf Jahre allein gewesen – wie ich.

Drei Tage lang haben wir gechattet, bevor wir uns endlich wiedersehen durften und leben konnten, was wir von Anfang an wussten. Ich bat Uli direkt am ersten Tag, doch zusammenzuziehen. (Mit dem vernünftigen Argument, es sei doch auch viel wirtschaftlicher 😉 ) Seitdem nutzen wir jede freie Minute, um uns zu bestaunen und verwirrt festzustellen, wie unser altes Leben in Stücke zerfallen ist und unglaublich lang zurückzuliegen scheint.

Es ist erstaunlich leicht für mich alten Hagestolz, es zu lieben, wenn der Toilettendeckel nun aufgeklappt zurückbleibt oder wenn im Kühlschrank eine neue Ordnung (Ordnung???) entsteht. Der ständige Schlafmangel macht mir viel weniger aus, als ich mir zugetraut hätte und – oh Wunder – meine selbstzufriedene Bettfestung ist verschwunden wie die Muggelwelt bei Harry Potter – hab ich diese vielen Jahre alles nur geträumt?

Egal wie übermüdet ich bin, ich kann nicht einschlafen ohne diesen Mann. Habe mir schon Strategien zurecht gelegt wie „Kein Problem! Ich lege mich ins Wohnzimmer, gucke endlich mal wieder Fernsehen (wozu wir grundsätzlich NIE kommen) und schlafe dann irgendwann ein, bis er kommt und mich weckt…“. Funktioniert nicht. Egal, in welchem Zimmer ich es probiere, ich bin und bleibe hellwach. Verrückt. Ich bin doch kein Teenager mehr!

Meine Kinder waren vom ersten Anblick sehr zufrieden mit der Veränderung. Wahrscheinlich sind sie auch froh, dass sie nun die Verantwortung los sind, sich um mich kümmern zu müssen, wenn ich alt und klapperig bin. Meine Tochter meinte in ihrer wunderbaren Trockenheit zu mir, als ich sie nach uns fragte „Als ich Euch da zusammen auf dem Sofa sitzen sah dachte ich nur: „Wie A…. auf Eimer.“. Ich musste so lachen, besser kann man es nicht umschreiben. Sie macht sich nur etwas Sorgen um Uli, weil er so lieb und verletzbar ist „Hoffentlich wirst Du nicht dabei zur Hexe“.

Was für eine Verantwortung! Ich will ihn einfach nur glücklich machen, kein einziges Steinchen soll ihn ärgern. Ich will den Weg für ihn fegen, wo er lang geht und aufpassen, dass ihn nichts traurig machen kann. Ob mir das gelingt? Ich bin so ein erbarmungsloser Egoist, so ein kauziger Einzelgänger, so eine verwöhnte Diva und so eine überzeugte Königin in meiner mich umgebenen Welt.

Ich liebe meinen Beruf und meine Berufung, für meine Leute und meine Mission würde ich alles geben – auch mein privates Glück. Doch Uli ehrt das alles und findet richtig, dass ich so bin. So, wie ich ihn immer und immer nur glücklich sehen möchte, möchte er, dass ich gut bin für das, was ich tue und wofür ich lebe. Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, sagt er zum Abschied „Gib alles“. Das ist so schön…

Ja ich weiß, wir kennen uns nun erst genau einen Monat und Skeptiker sehen sicher schon beim Lesen dieser Zeilen das böse Ende voraus. Gerade ich war der Erste unter allen Skeptikern, wenn Paare sich fanden und mutmaßte, dass die Persönlichkeit nun ihr Ende findet, weil man in der Paarbeziehung ständig lügen und sich verstellen muss, um keinen Streit heraufzubeschwören.

Doch irgendwas in mir wusste direkt bei der ersten Begegnung, dass sich nun etwas erfüllt, was sich erfüllen sollte. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Uli und ich gut sind für alle, die uns begegnen. Natürlich bin ich weiterhin gern allein unterwegs, ich mag ja so gar nicht gern diese Pärchen-Gruppen-Freizeitbeschäftigungen, die mich erinnern an den Aufschrei der Königin in „Alice im Wunderland“: Sie schlägt die Zeit tot! Sie schlägt die Zeit tot!

Ich brauche viel Freiheit und kann es nicht mal ertragen, wenn Uli mir fürsorglich Salat in die Schüssel füllt – so wie er nicht ertragen kann, wenn das Schlafzimmer nicht geheizt ist bei Minusgraden im Januar. Nun habe ich bereits gelernt, dass es schön sein kann, in einem wohltemperierten Zimmer zu schlafen, und er lässt mich selbst auffüllen. Wir müssen so viel lernen, um zusammenzuwachsen und den entspannten Flow zu finden. Aber das kann ja auch Spaß machen!

Wir sind Beide Einzelkinder und extrem konfliktscheu. Streit macht uns Angst, das sind wir nicht gewohnt. Und tatsächlich habe ich ja erleben dürfen, dass mein jüngster Sohn und ich bis zu seinem Auszug vor einem Jahr nie gestritten haben, sondern wundervoll harmonierten. Hatte mal jemand schlechte Laune, zog sich der Andere zurück und wartete, bis es vorbei war. Funktionierte prächtig. Konfliktfreie Kommunikation scheint also in meinem Programm vorgesehen zu sein. Das beruhigt mich.

Ich glaube, Uli und ich können es schaffen, im Flow zu leben. Ich frage gern andere Pärchen und suche nach Beispielen, wo es auch funktioniert. Und ich finde erstaunlich viele harmonische Paare! Mein Sohn und seine Lebenspartnerin zum Beispiel streiten auch nie, sie mögen sich viel zu gern, als dass sie den anderen verletzen könnten. Das ist so süß zu beobachten!

Ich bin sehr sehr glücklich. Fühle mich wie im Märchen, wie von eisernen Ketten erlöst. Eine tiefe Erfüllung durchströmt mich, die ich lange nicht mehr fühlte. Gleichzeitig eine permanente Sehsucht. Beides zusammen löst merkwürdige chemisch/ elektrische Reaktionen aus, die meine lyrischen Talente beflügeln. Ich könnte schreiben, schreiben, schreiben. Und das, wo ich Liebeslieder immer so verachtete!

Für Euch

Diese Geschichte schreibe ich auf, weil meine vielen Freunde wissen sollen, was passiert ist. Jeder der mich kennt weiß ja, wie leidenschaftlich ich für eine Single-Welt eingetreten bin, in der sich Menschen nicht „besitzen“ und in Kleinfamilien Unterschiede machen zwischen den Menschen da draußen und den Menschen da drinnen. Das finde ich auch jetzt verletzend, rückständig und lieblos.

Wenn die Liebe einen erwischt, dann ist das eben so. Wir hatten es Beide nicht geplant und gewollt. Es war ein Silvesterunfall, und ich bin diesem Silvesterunfall auf Knien dankbar für dieses späte Glück, das mein bisheriges Glück in ein ganz neues Licht taucht und alchimistisch verwandelt.

Ich verspreche von Herzen, Euch alle nicht zu vernachlässigen und nicht zu geizen mit meiner Liebesfähigkeit und meiner Bewunderung für jedes einzelne menschliche Wesen. Ich möchte, dass alle froh sind darüber, dass mein Uli und ich uns finden durften. Ich will nicht teilen, ich will multiplizieren! Lasst uns die Welt mit Liebe durchtränken und alles veredeln, was uns vor die Augen gerät. Lasst uns segnen, was sich uns nähert, auch wenn es manchmal in garstiger Form erscheint. Es will doch nur spielen!

Lasst uns alle uns alle beschützen und staunen darüber, wie kostbar das Menschliche ist. So zart, so zerbrechlich, so einzigartig wunderschön. Wenn wir diesen Funken weitertragen, wird diese Welt zum Paradies. Es könnte sehr schnell gehen. Und ich denke, unser Planet hat gegen eine schnelle Heilung nichts einzuwenden 😉

Auf die Liebe! Auf die Vereinigung in Echtzeit mit all dem, was da ist. Ich hab Euch voll lieb und es gibt nur Eins, was ich allein mit meinem Uli teile. Lasst uns Vertrauen leben und staunen darüber, wie wundervoll wir sind. Halleluja, ich lebe – und das ist gut so…

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

4 thoughts on “Eine Senioren-Liebesgeschichte – oder wie Eva und Uli sich Silvester 2018 fanden

  1. Hi lieber Jürgen! Ja, das alles ist wahrlich nach Ewigkeiten für mich wie das Betreten eines neuen Planeten. Wolke sieben… da musste ich doche rst mal googlen. Schau was bei Wikipedia steht über den siebsten Himmel! Gut oder? Im Talmud (Hagiga II, 1; 12b) heißt es:

    „Es gibt sieben Himmel und zwar Vorhang, Veste, Dunstwolke, Wohnung, Burg, Stätte und Gewölk. … Auf Gewölk (dem siebten) befinden sich Gerechtigkeit, Reichtum und Heil, die Schätze des Lebens, die Schätze des Friedens und die Schätze des Segens, die Seelen der Gerechten, die Geister, die Seelen derer, die einst geboren werden, und der Tau, der einst die Toten beleben wird, Gerechtigkeit und Recht. Gefunden sind fernerhin: die Ophanim, die Seraphim, die Heiligen Tiere, die Dienstengel und der Thron der Herrlichkeit.“
    Ebenso wie im Talmud ist die Vorstellung von den sieben Himmeln auch im Koran enthalten und fand durch ihn weitere Verbreitung.

  2. Danke lieber Stephan, ist schon etwas Besonderes, dass Du aus China heraus Anteil nimmst – fühlt sich an, als ob ein Stern blinkt am Himmel – Stephan aus Changshu freut sich mit uns – danke lieber Stepahn! Gesegnet sei den Weg 🙂

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