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Auf ins Schlaraffenland! Mit Targeting und Künstlicher Intelligenz den Kaufhungrigen befriedigen 0

Der ideale Kunde ist der, der kaufen will. Er hat Hunger, hat Appetit, hat Sehnsüchte, ist traurig, einsam, schwelgt in Erinnerungen, hat sich verliebt, hat Spaß an Innovationen, Spaß am eigenen Körper, will Sex, Anerkennung, Kicks, Suchtbefriedigung… Wie schön, dass wir dank der digitalen Revolution diese Kaufbereitschaft immer besser erkennen und analysieren können. So entschlüsselt Coca-Cola mit intelligentem Tracking Instagram-Bilder, um im Folgenden mit intelligentem Targeting darauf zu antworten. Und Google verspricht den Werbetreibenden, dank Künstlicher Intelligenz das Verbraucherverhalten so perfekt zu analysieren, dass sogar Offline- und Onlineleben zusammenschmelzen und genau zeigen, auf welches Produkt der verwöhnte Konsument gerade Hunger hat – also auf ins Schlaraffenland der Kunden mit Geld!

Was wir schon wissen

Wir alle kennen das: Gerade haben wir nebenbei und ohne viel Engagement nach einem Kleidungsstück, einem Computerspiel,

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einer Reise gegooglet. Und schon winkt es von überall her im Internet: Passende Werbeanzeigen auf Nachrichtenportalen, in sozialen Netzwerken, bei der Google-Suche. Manchmal kommt sogar eine passende E-Mail zu uns – oder unser Newsletter eines Online-Händlers reagiert auf unseren Appetit.

Satte Kunden sind schlechte Kunden

Werbetreibende wissen: Satten Verbauchern Werbung zu zeigen, ist rausgeworfenes Geld. Es sei denn, man kann dem Konsumenten überzeugend darlegen, dass bei ihm ein latentes Bedürfnis schlummert, das ihm selbst noch nicht bewusst war (so wie strahlend weiße Zähne oder einer Überwachungskamera zum Schutz vor Einbrechern).

Bereite Kunden sind gute Kunden

Wie viel leichter und erfolgversprechender ist es hingegen, ihn ganz konkret bei seinen Wünschen und Entzugserscheinungen zu packen? Da postet jemand häufig Bilder bei Instagram und Facebook mit Getränken? Ein wunderbarer Kandidat für Coca-Cola, Craftbeer oder Whisky – da hat jemand gerne und häufig Durst!

Oder da sucht jemand schon seit Wochen in Geschäften und online nach dem idealen Smart-TV? Dem Menschen kann geholfen werden durch Werbung, die genau das alles berücksichtigt, was ihm wichtig ist: Maße, Qualität, Statusattribute, Spaß, der zur Verfügung stehende Geldbeutel… durch Tracking (Sammeln und Analysieren von Nutzerdaten) und Targeting (Ausspielen von passgenauen Botschaften aufgrund der ausgewerteten Tracking-Daten) werden für alle Seiten Träume wahr…

Schlaraffenland für verwöhnte Verbraucher

Ich persönlich finde diese Entwicklung aus Verbrauchersicht sehr angenehm. Wenn ich eine Kaufabsicht habe (zum Beispiel eine neue Schultertasche) schicke ich meine vielen kleinen Roboter los, die aufgrund meiner Suche bei Amazon, Google und anderen Plattformen genau wissen, was mir wichtig ist: Größe, Gewicht, Farbe, Funktionen, Design, Preis…

Sogar meine Besuche in Fachgeschäften und Kaufhäusern werden (zum Beispiel im Einkaufszentren mit aufgerüsteter Technologie) erkannt und gemessen. Zwar verspricht Google, das nur anonymisiert zu tracken und den Werbetreibenden nur statistische Auswertungen zu liefern, doch auf jeden Fall wird zusammengefügt, wie mein Online-Suchverhalten mit dem gestiegenen Umsatz im Einzelhandel zusammenhängt.

Langsam an den nächsten Schritt des gläsernen Kunden gewöhnen

Man muss ja erst mal anfangen, die Menschen daran zu gewöhnen, dass künstliche Intelligenz zu ihrem Besten ist. Und außerdem gibt es da ja die Datenschutz-Gesetze und Verordnungen. Das muss beachtet werden, um nicht aus nationalen Märkten zu fliegen. Und vor Allem heißt es Daumen drücken, dass der widerspenstige Privatsphären-Anhänger nicht in Innenstädte abwandert, wo er noch unerkannt in inhabergeführten Geschäften stöbern und einkaufen darf – und womöglich mit Bargeld bezahlen wird! Wo er von unvoreingenommenen Verkäufern beraten wird, die tatsächlich nichts von ihm oder ihr wissen und wissen wollen!

Wenig Daten oder viele Daten?

Leider posten nur rund zehn Prozent der Social Media User selbst Bilder bei Instagram. Und bei Facebook sinkt die Zahl der aktiven Nutzer seit Jahren. Auch dort sind es immer weniger, die selbst Inhalte einstellen: Bilder, Links, Videos, Texte… Aber immerhin: Auch wenn die Zahl der bewussten oder unbekümmerten Publisher im Web gering ist, gaben uns die Klicks und Likes der passiven Nutzer genügend Aufschluss darüber, ob sie mehr an Getränken, Essen, Reisen, Fashion, Unterhaltungselektronik, Gesundheit, dem eigenen Heim, der Familie oder an Erlebnissen interessiert sind.

Man sagt sogar, dass ein Mensch, der wenig Daten über sich preis gibt, leichter zu analysieren ist als ein Aktiver, der offen ist gegenüber allen möglichen Themen. Das kann so einen armen Roboter krank machen – lauter sich widersprechende Botschaften – zum Verzweifeln!

Warten auf Politik und Rechtsprechung?

Also warten wir mal ab, wie unsere Politik und unsere Rechtsprechung auf die neuen Entwicklungen reagiert. Oder wir bilden uns selbst ein Urteil darüber, inwieweit wir den Komfort des „Konsumenten-Schlaraffenlandes“ genießen wollen – und wir finden unsere eigene politische Überzeugung, in welcher Welt wir leben wollen. Wir können mit den Füßen abstimmen und Orte aufsuchen, die Privatsphäre und Respekt vor dem Innersten eines Menschen aus ganzem Herzen wertschätzen. Oder wir finden es klasse, unsere Roboter auf die besten Preise und die tollsten Produkte anzusetzen – Jeder nach seinem Geschmack…

Onlinemarketing.de: Coca-Cola setzt auf bildbasiertes Targeting

t3n: Google Werbung verbindet maschinelles Lernen mit Online- und Offline-Verhalten

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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