Das Wahrnehmen von Werbung im Zeitalter von Facebook und Twitter

Christian Spließ, Online-Redakteur: Ich gestehe – ich habe keine Tageszeitung im Abonnement. Ich nutze noch nicht mal eines dieser schicken eAbos, ein iPad habe ich auch nicht und eine vernünftige Applikation einer Tageszeitung fürs iPhone – für die ich dann auch bezahlen würde – ist mir auch noch nicht untergekommen.

Daher würde mich auch Werbung in normalen Tageszeitungen nicht erreichen. Ein Trend, den vor kurzem ALDI ja vermutlich auch gesehen hat – der Konzern hat die Anzeigenwerbung bei den Tageszeitungen gestoppt und liefert mir jetzt jeden Samstag ein eigenes Magazin mit allen Angeboten aus.

Was allerdings von mir auch nicht gelesen wird, wenn es im Hausflur liegt – schließlich habe ich ja auf dem iPhone die ALDI-Applikation installiert, wenn ich mir für Sonderangebote der Woche interessiere, schaue ich eher da drauf. Zudem kann ich mir dann auch sofort Artikel merken, die mich interessieren. Leider funktioniert das momentan nur für die Sonderangebote selbst, der Einkaufszettel wird also wie eh und je schön analog auf Papier mitgenommen.

Werbung in normaler Form – als Fernsehanzeige oder als Plakat – erreicht jemanden, der heutzutage aktiv im Web ist, wohl eher nur noch nebenbei. Das heißt nicht, dass diese Form für eine bestimmte Zielgruppe keinen Sinn hätte, nicht jeder ist bei Facebook, liest Googleanzeigen oder die Bannerwerbung auf Webseiten. Doch momentan leben wir in einem Paradigmenwechsel: Tageszeitungen verlieren seit Jahren kontinuierlich an Auflage. Dagegen gewinnen Dienste wie Google-News oder Facebook und Twitter immer mehr an Gewicht, versorgen die elektronischen Ausgaben von Zeitungen mit wertvollen Links.

Was bedeutet dies jetzt für kleine und mittelständische Unternehmen? Sollte man ganz auf Zeitungsanzeigen verzichten? Nur noch Facebook-Ads schalten? Wer glaubt, dass ich hier eine eindeutige Empfehlung gegen Zeitungsannoncen geben werde, wird sicherlich überrascht sein, wenn ich meine, dass es auf den Medienmix ankommt. Auf das Sowohl als auch, das eine Tun aber das andere auch nicht lassen.

Ein Restaurant kann in der Tageszeitung durchaus eine Anzeige für das aktuelle Menü schalten, Flyer drucken und auch Plakate – gleichzeitig sollte es aber auch pfiffig genug sein, sich bei Facebook Places, bei Foursquare oder Quype einen Platz zu sichern. Vor allem die Verbindung zwischen Off- und Online-Werbung kann man geschickt nutzen: Warum nicht einen Flyer drucken, auf dem die Gäste aufgefordert werden das Geschäft bei Quype zu bewerten?

Dass allerdings generell der Paradigmenwechsel stattgefunden hat, die Online-Werbung hat die Print-Werbung längst überholt, ist vielen noch nicht bewußt. Dabei gibt es aber auch noch einen anderen Paradigmenwechsel, den man in heutigen Zeiten berücksichtigen muss: Während früher Werbung nur passiv durch das Fernsehen und die Zeitung auf mich als Konsumenten einprasselte, ist durch das Social Web die Mitmachwerbung – vielleicht noch nicht ganz etabliert, aber mehr und mehr im Kommen.

Die Photowettbewerbe auf Facebook sind dabei erst der Anfang. Die interaktive Werbung, wie die virale Aktion von Tipp-Ex, steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber in den nächsten Jahren definitiv kommen. Ebenso wie jetzt schon das Transmediale Storytelling, das Erzählen einer Geschichte in verschiedenen Kanälen.

Wenn Sie mich also fragen, in welchen Kanälen und wo Sie Werbung schalten sollten, würde ich als Erstes genau fragen, wen Sie erreichen möchten. Erst dann würde ich den einen oder anderen Kanal empfehlen – und dabei können auch Zeitungen, Handzettel oder Plakate durchaus eine Rolle spielen. Dabei würde ich aber auch immer raten, nicht die aktuellen Entwicklungen aus den Augen zu verlieren. Vielleicht ist für Ihr lokales Unternehmen gerade die Eingrenzung für den lokalen Bereich bei Facebook interessant. (Und ein kleiner Geheimtipp von mir: Falls Sie sich noch nicht mit QR-Codes beschäftigt haben sollten, wäre es jetzt höchste Zeit dafür. :-))

Christian Spließ
Onlineredakteur

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Photo: Gesine Lübbers

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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