Definition von Web 2.0 Begriffen: Was ist eigentlich ein Barcamp?

Die Welt ist im Wandel. Web 2.0 verändert unsere Kultur, unser Zusammenleben, unsere Werte. Pioniere sind die so genannten „Onliner“, die immer und überall über das Web vernetzt sind und kommunizieren – meist mit iPhone und Netbook oder Laptop unterwegs sind. Viele von ihnen sind auch beruflich Insider, aber längst nicht alle. Und die ganz Jungen sind eher in der Minderzahl – wahrscheinlich liegt das Durchschnittsalter so um die 30.

Man trifft sich auf BarCamps, um sich auszutauschen und Trends zu ermitteln, um zu kooperieren und sich bei Entwicklungsfragen zu unterstützen. Also die 1. Definition:

BarCamps sind kostenlose, mehrtägige Weiterbildungsforen für die Pioniere des Web 2.0-Zeitalters.

Aber das ist nicht alles. Die Struktur eines BarCamps ist überhaupt nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Fortbildungsveranstaltungen. Es wird nur das Allernötigste organisiert, also Raum, Anmeldungen, Finanzierung (über Sponsoren) und Durchführung. Das Programm entscheidet sich spontan. Teilnehmer eines BarCamps sind zugleich Referenten.

Am Anfang eines BarCamp-Tages schlägt jeder, der mag, ein Thema für eine so genannte „Session“ vor, die in der Regel 45 Minuten dauert. Interessierte (die kleinsten BarCamps fassen so knapp 200 Leute) melden sich unverbindlich, wenn sie das Thema interessiert. So hat der Referent (die Referentin) einen Überblick, welche Raumgröße er/sie wohl braucht und welche Uhrzeit wohl am günstigsten ist.

Die Sessions werden auf Zettel geschrieben und an eine Wand geheftet. Die größten Sessions werden häufig per Lifestreeam (Videoaufnahme) direkt ins Web übertragen. Alle gehen, wohin sie mögen, es gibt keine Regeln, keine vorgeplanten Sicherheiten. Trotzdem funktionieren auch BarCamps mit vielen hundert Teilnehmern, denn die Disziplin ist beeindruckend. Also die 2. Definition:

BarCamps sind basisdemokratische Veranstaltungen, die offen sind für jeden und von der aktiven Mitwirkung aller Beteiligten leben.

Ein BarCamp zu besuchen, ist beeindruckend. Überall sitzen Leute (etwa 30 Prozent Frauen!) mit Netbooks und Laptops, es wird life getwittert, auf einer Leinwand sieht man, welche Tweets (Twitter-Nachrichten) von den Teilnehmern gerade veröffentlicht wurden. So kommuniziert man sowohl direkt als auch (unter Beteiligung aller) über Mikroblogging.

Das iPhone spielt eine übergeordnete Rolle, da dieses Smartphone einfach unschlagbar dabei ist, über Twitter und Facebook schnell und unkompliziert zu senden. So wird allen TN gemeldet, was gerade in einer Session Thema ist (vielleicht kommt noch jemand spontan hinzu, wenn er es liest…), man kann jemanden suchen oder eine Mitfahrgelegenheit suchen.

Neben den Onlinern gibt es viele Offliner (also „Normalos“ ohne 24-Stunden-Verbindung), die es genießen, diese offene, liberale, kooperative, großzügige und authentische Gesellschaft mit zu gestalten. Die Offliner bieten Sessions an über Typografie, Kommunikations-Spiele, Verhandlungsstrategien im Business oder Xing. Alle Teilnehmer eines BarCamps verbindet die Vision von einer kooperativen Zusammenarbeit, die nicht auf Zwang beruht, sondern auf Freiwilligkeit, positiver Motivation und Lebensfreude. Also lautet die dritte Definition eines BarCamps:

BarCamps sind Inseln einer gemeinschaftlichen, herrschaftsfreien Lebens- und Arbeitsphilosophie, bei der jeder freiwillig sein Bestes gibt.

Natürlich haben die Sponsoren (große Firmen wie Vodafone, OTTO, Microsoft und Nokia) ein wirtschaftliches Interesse an der geballten Intelligenz, die sich auf BarCamps versammelt. Sessions, die von Sponsoren veranstaltet werden, drehen sich häufig um ihre Produkte oder versuchen, Trends der Web 2.0-Community für sich zu entdecken und zu filtern.

Die Onliner und Offliner sind den Sponsoren gegenüber offen und kooperationsbereit. Zum Einen aus eigenen wirtschaftlichen Interessen, da Einige durchaus über die Sponsoren ihre eigene Karriere entwickeln, zum Anderen aus Respekt und Freundlichkeit. Es gibt (anders als in der Hippi-Bewegung der Siebziger) keine Abneigung gegen Konsum und Kommerz. Die Regeln heißen einfach nur: Authentizität, Transparenz, Großzügigkeit. Auch Konzerne, die sich auf diese Begrifflichkeiten einlassen können, sind herzlich willkommen. Also die letzte, doch sicher nicht unwichtigste Definition:

BarCamps sind Marktforschungswerkzeuge für Web 2.0-orientierte Firmen, die gemeinsam mit Kunden und Partnern Produkte entwickeln, Service verbessern und emotionale Verbindungen stärken wollen, die auf Vertrauen und Sympatie setzen mit ihrem Branding und ihrem Image.


Hier ein kleiner Querschnitt vom Wochenende – Forum unter der Leitung von Stefan Evertz, der die BarCamps in Essen mit Freunden und Mitstreitern organisiert und durchführt.

Hier der Tagesplan von Samstag – Session um 17 Uhr „Mühlheim“ über Xing war von mir – es sind tatsächlich ein paar gekommen, ich war ganz gerührt..(ich war nicht gut – werde aber beim nächsten Mal berücksichtigen, dass ich es hier schließlich nicht mit „Einsteigern“ zu tun habe…)

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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