Die erfolgreiche Existenzgründung: Terratransfer für Energieunternehmen

Das ist mal eine wirklich spannende Existenzgründung! Da studieren zwei junge Männer in Bochum Geografie, machen sich schon während des Studiums einen Namen durch Forschergeist und unermüdlichen Fleiß, kooperieren schließlich mit ihrem Dozenten, der kurz vor der Professur lieber ein Ingenieurs-Unternehmen in Ettlingen gründet – und gehen ab wie eine Rakete: jung, klug, mutig und besonnen. Im Folgenden ein kleiner Umriss des Senkrechtstarters…

Was macht Terratransfer? Terratransfer stellt Geräte her, die Wasser messen, Luftfeuchtigkeit, Klimawerte… das, was Energieunternehmen brauchen und das, was man braucht, um rechtzeitig Hochwasser zu erkennen.

Aber das gibt es doch schon immer! Da stehen doch überall in der Landschaft so Messgeräte herum – und die Mitarbeiter der Stadtwerke lesen die immer ab! Eben, eben, die gibt es schon immer, und die funktionieren auch immer noch erschreckend altmodisch! (und unnötig teuer).

Die Terratransfer-Umweltmesssysteme sind nämlich mit Servern verbunden, mit PC’s, mit Software, die immer und in Echtzeit die Ergebnisse anzeigt. Sie sind klein, absolut dicht, können metertief in der Erde verborgen arbeiten, und brauchen lächerlich wenig Batterie-Strom. Nur alle zwei, drei Jahre müssen die handelsüblichen Batterien mal ausgetauscht werden (was natürlich der Computer dann meldet!).

Sven Schulz und Marcel Delker mit einer Mini-Auswahl ihrer Mess-Systeme: klein, zuverlässig, praktisch, günstig

Sven Schulz und Marcel Delker mit einer Mini-Auswahl ihrer Mess-Systeme: klein, zuverlässig, praktisch, günstig

Das Ingenieurbüro GeoPrecision  in Ettlingen entwickelt die Platinen (also das Herzstück der Geräte), und Terratransfer schreibt die Software. Das heißt, die Systeme bestehen aus Platine, Datenspeicher, Datenverwaltung, Modem zur Übertragung (wie ein Handy) und Batterie. Ja, und dem Gehäuse natürlich.

Beide Jungunternehmer legen Wert darauf, nur mit Open-Source-Software zu arbeiten – so entstehen den Kunden keine Lizenzgebühren, keine Kaufkosten, keine Benutzungsgebühren. Und sie können von jedem PC der Welt aus auf die Systeme zugreifen!

„Ja, war so eine Gründung nicht schrecklich teuer? Habt Ihr nicht furchtbar viel Fremdkapital gebraucht! Steckt Ihr jetzt nicht über beide Ohren in Schulden?“

„Nö, wir haben die richtigen Coaches gehabt – und jede Förderung mitgenommen, die uns zustand. EXIST als Förderprogramm für Hochschulgründungen, Coaching über den Inkubator Rubitec – und bei den Businessplanwettbewerben [email protected] (2. Platz) und Senkrechtstarter (3. Platz) haben wir unsere großartigen Coaches kennen gelernt:

Sabine Drechsler, Sabine Radig, Monika Nikodem, Maik Swienty - seit vielen Jahren Coach bei Start2grow und Senkrechtstarter

Sabine Drechsler, Sabine Radig, Monika Nikodem, Maik Swienty - seit vielen Jahren Coaches bei Start2grow und Senkrechtstarter

Juristin und Gründungsberaterin Sabine Radig von der www.ideenboerse.de
schaffte das Fundament, die Grundlage für ein gesundes Unternehmen mit „wirtschaftlicher Bedeutung“, ihr Kollege Michael Göllner ebnete die Kontakte zu Geschäfts-Partnern und half bei der Marketing-Strategie.

Rechtsanwalt Maik Swienty saß nächtelang über den komplizierten Verträgen  mit den „Strategischen Partnern“ aus der Schweiz, und Steuerberaterin Monika Nikodem beriet die bestmögliche Unternehmensform – und übernahm die Steuern.

Unternehmensberaterin Sabine Drechsler schließlich konnte die jungen Leute so wirksam bei der Finanzierungsfrage begleiten, dass sie es schafften, sich mit ihrem hervorragenden Businessplan bei den Banken einen Namen zu machen – und schließlich die Finanzierung über das Forschungs- und Entwicklungs-Projekt der Stadt Bochum (bekannt als „Wachstum-für Bochum“) zu heben – bis zu 1,7 Millionen Euro für Terratransfer über drei Jahre!

Das bedeutet viele schlaflose Nächte, noch immer, knapp zwei Jahre nach Gründung, kein einziges freies Wochenende, geduldige Partnerinnen (die auf bessere Zeiten hoffen), mehrere Firmen-Vergrößerungen (jetzt auf dem ehemaligen Steilmann-Gelände), viel Optimismus und sehr viel persönliche finanzielle Einschränkung. Fünf Mitarbeiter, ein Partner-Vertriebsunternehmen, das die Geräte in 70 Ländern vertreibt, Kaltakquise und Networking in Deutschland.

Aber sie schreiben schon jetzt schwarze Zahlen – und die eher konservativen Wasserversorger sind begeistert von den Produkten, – diese werden Terratransfer buchstäblich aus den Händen gerissen (auf dem Foto sind tatsächlich die letzten auffindbaren, die gerade noch „vor Ort“ waren).

Ein Hoch auf die Jugend! Glück auf und weiter so – und wohl dem, der sich im Business von Experten raten lässt, wenn er gründet… 🙂

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