DMEXCO: Datenschutz, Customer Journey und Social Media ohne Netzwerke

Die größte Messe für Werbung und Internet ist ohne Zweifel die DMEXCO. Selbst am zweiten Tag noch waren die Hallen zweitweise überfüllt.

Spöttisch klang bei einem Veranstaltungspunkt beim stARTCamp am folgenden Tag durch, dass die Kölner ja wohl kaum in der Lage seien zur Messezeiten etwas aufrechtzuerhalten, was sich Öffentlicher Personen-Nahverkehr nennen dürfte. Da dies von in der Stadt lebenden Teilnehmern geäußert wurde wird wohl ein Körnchen Wahrheit in dieser Behauptung zu finden sein. Dass Züge im Berufsverkehr in der Regel überfüllt sind ist nun kein Problem der DMEXCO, der Messe für Werbung, PR und eigentlich allem was mit Internet zu tun hat. Angefangen von Couponing-Anbietern über SEO-Dienstleistungen bis zu Textbörsen erstreckten sich die Angebot der Firmen in den Messehallen Köln. Für mich von Interesse waren zwar auch einige Social Media Monitoring Tools, aber ich habe mir dann doch eher einige Vorträge im Programm angehört. Dabei war ein Programmpunkt die Vorstellung des Art Director Clubs, der eine Cannes-Werberolle von Social Media Kampagnen anfertigte – überaus schön und amüsant nochmal an einige Highlights wie „Take the Lollipop“ oder die „Sneakerpedia“ erinnert zu werden.

Datenschutz und Generation C

Für mich als TÜV-zertifizierter Datenschützer war natürlich zuerst der Vortrag von Stefan von Lieven der Firma Artegic von Interesse: Datenschutz und Online-Marketing. Datenschutz sei durchaus ein wichtiges Thema und mit der EU-Verordnung auch 2013 kommt einiges auf die Unternehmen zu, auf das man sich jetzt schon vorbereiten müsse. Betont wurde, dass Datenschutz und Online-Marketing sich nicht ausschließen – eine Einwilligung des Betreffenden für die Nutzung seiner personenbezogenen Daten vorausgesetzt. Dabei könne man als Unternehmen eine Strategie entwickeln, die nach und nach diese Einwilligungen für bestimmte Bereiche einholt und in einer zentralen Datenbank zusammengeführt ergibt sich dann eine Betreuung aus einer Firmenhand. Die Vorstellung der Studie zum Thema war zwar interessant, brachte aber für mich nicht viel Neues: Unternehmen sagen zwar immer, ihnen sei Datenschutz besonders wichtig, sind aber beim Implementieren des Datenschutzes nicht allzu interessiert. Dabei können hier empfindliche Strafen drohen. Auf der Homepage von artegic kann man sich die komplette Studie herunterladen.

Auch bei IBM steht die Betreuung des Kunden mit Daten aus einer zentralen Datenbank im Vordergrund. Wobei ein neues Buzzword die Runde macht: Generation C. Die hyperkonnektiven Verbraucher seien, so Daniel Hikel, schwierig zu beurteilen wenn es um die Custom Journey – der Weg des Kunden bis zum Kauf des Produkts – gehe. Heutzutage gibt es nicht mehr nur den einen Punkt, an dem der Kunde kaufe, er informiere sich auf verschiedenen Wegen. Anhand von Daten des Unternehmens stellte Hilkel beispielhaft den Lebenstag einer Verbraucherin dar. Selbstverständlich blättert diese zu Beginn des Morgens schon Kataloge, recherchiert dann in der Pause im Internet, chattet mit den Kollegen über Produkte und kauft am Ende des Tages dann einen Mixer. Kennt natürlich jeder aus seinem persönlichen Alltag. Hüstel. Auch dazu gibts eine Studie von IBM selbst mit Daten, die von IBM erhoben wurden. Unterhaltsamer Vortrag, im Endeffekt aber auch nichts Neues.

Social Media jenseits Sozialer Netzwerke

Wer hat wohl mehr Traffic im deutschen Web: Die Süddeutsche oder Gutefrage.net? Christian Beiborn und Kristina Müller überraschten einen Gutteil der Besucher mit dem Ergebnis. Es ist tatsächlich Gutefrage.net. Dass Social Media in Deutschland immer mit Facebook verbunden wird ist schade und ein einseitiger Blick auf die Social Media Welt. Dabei gibt und gab es schon vor dem Durchbruch der Sozialen Netzwerke das Web 2.0 mit seinen Foren. Bis heute sind diese Fachforen eine wertvolle Hilfe für Verbraucher und natürlich für SEO-Treibende von Interesse. Vorteil bei Foren: Die Beiträge sind länger und bleiben auf Dauer im Netz, Forenschreiber sind in der Regel auch vertrauenswürdiger weil sie sich über Jahre eine Reputation erarbeite haben. Ebenfalls im Schatten von Facebook und Co: Leserkommentare im Blog oder auf der Homepage. Hierbei müsse man aber natürlich auf Trolle oder Astroturfer achten. Im Blog von blueReport findet man dazu ein interessantes Interview mit Thorsten Knüwer.

Vielleicht hätte der Titel des letzten Vortrags anders lauten sollen. Einen Wegweiser – also eine Übersicht über aktuelle Trends und Tools beim Social Media Monitoring – hatte Talkwalker nicht zu bieten, dafür gab es eine Livedemo, die das einsteigerfreundliche Monitoring-Tool vorstellte. (Einen ausführlichen Testbericht hat dazu das Blog Moderne Unternehmenskommunikation.) Wie immer bei Monitoring-Tools besteht jedoch die Kunst nicht darin, bunte Power-Point-Folien für den Chef zu erzeugen sondern darin die Werte und Tabellen zu interpretieren, was Teilnehmer der Social-Media-Fortbildung der Business Academy Ruhr wohl wissen werden. Das jedoch kann einem kein Tool abnehmen, dazu braucht es immer noch den Fachverstand des Menschen – egal ob der nun in einer Agentur sitzt oder im Unternehmen selbst die Daten auswertet. Dass der Markt des Social Media Monitorings unübersichtlich ist, ist eine Tatsache. Mit Medienbewachen.de existiert schon eine Übersicht über den deutschen Markt, diese wird im Laufe des Jahres aber noch verbessert werden teilte man beim Vortrag mit. Sicherlich schon jetzt eine nützliche Hilfe wenn man Tools für den Bereich braucht, Frank Tentlers Liste über Dashboards für die Verwaltung von Social Media Diensten kann dazu als Ergänzung herangezogen werden.

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