Einem Phänomen auf der Spur: „Was soll ich twittern?“

Gestern abend war ich im Unperfekthaus in Essen – zum Best Practise Stammtisch Essen (bpse), verabredet mit Menschen, die ich bisher (bis auf Dirk 🙂 ) noch nicht kannte. Das Unperfekthaus ist groß, und der Mann an der Theke wusste auch nicht, wo sie waren. Also twitterte ich: „Bin schon im #uph zum #bpse – ist schon jemand da? Dann können wir uns unterhalten“. 3 Sekunden später (ungelogen) hatte ich zwei Twitter-Antworten: „@steadynews natuerlich… sitzen unten… hinter dem buffet vordem aufzug #bpse“ -und noch ein Tweet: „@steadynews Sitzen unten hinter dem Buffet direkt geradeaus :)“
Und nun erkläre ich mal, wozu Twittern gut ist und warum es einmalig gut ist:

Vorneweg: 50% aller Tweets geht aus von Unternehmen, die Werbebotschaften verbreiten möchten. Darunter sind einige, die Twitter gut verstehen, indem sie ihren Kunden für Fragen und Infos zur Verfügung stehen und aufmerksam verfolgen, was zu ihrem Thema passt (wie die Sparkasse Witten @sparkassewitten) -und es gibt viel „Spammer“, die gnadenlos ausnutzen, dass Twitter ein kostenloses Medium ist. Sogar die erste Abmahnung wegen unerwünschter Werbung hat es bei Twitter gegeben -und das ist auch richtig so.

Aber eigentlich gedacht ist Twitter, um mit Freunden und Gleichgesinnten kommunizieren zu können. Diese Freunde kennt man entweder persönlich und nimmt sie bei erster Gelegenheit mit in die Following-Liste auf (in die Liste derer, deren Tweets man folgt) – oder man findet sie über Schlüsselwörter, die die Gleichgesinnten vereinen. Beispiel Tatort: wer mit einer Raute tatort eingibt (#tatort) kann sich Sonntag abends mit Deutschlands Tatort-Zuschauern live über den Krimi austauschen, Mörder raten, loben und mäkeln. Das kommt übrigens so gut an, dass Sonntags unter den Top 3 der beliebtesten Hashtags (Schlüsselwörter mit #) der „tatort“ ist!

Anderes Beispiel: bei Start2grow hatte ein Team gewonnen, dass im Geocaching ein Webportal bietet (Geodatus). Ich hatte ihnen einen Twitter-Account empfohlen, und der unerwartete Effekt war überwältigend. Obwohl die Seite noch gar nicht richtig funktionierte, besuchten Tausende von begeisterten Geocashern am ersten Tag das Portal -und wollten sich gleich registrieren! Der allererste „unschuldige“ Tweet der @geodatus -Gründer hatte eine tsunamigleiche virale Welle ausgelöst. Geodatus hatte zwar noch keine Follower, aber über den #geocashing Schlüsselbegriff hatte die Szene die Neuigkeit blitzschnell verbreitet.

Was folgt aus diesen Beispielen:

  1. Legen Sie sich einen Twitter-Account an und suchen Sie einen Nickname, der wirklich gut zu Ihnen passt. Das ist dann Ihr Twitter-Künstlername, und der ist unverwechselbar, einmalig und nicht mehr umzutauschen. Das Foto kann man immer mal auswechseln, doch der Name ist Ihr Motto, ihr Twitter-Ich.
  2. Überlegen Sie genau, was Sie sich für eine Kommunikation wünschen: Sie können ganz eindeutig als Unternehmen News aus Ihrer Firma twittern. Wichtig ist da nur, dass Sie auch kontrollieren, wer Ihnen über @ihrname antwortet oder sogar eine Direct Message schreibt (also einen Tweet, den nur Sie lesen können). Nur Tweets raussenden ist unfein, man sollte schon ansprechbar sein.
  3. Bauen Sie Ihre Follower auf: suchen Sie sich Twitter-Mitglieder, die zu Ihnen passen. Das können persönliche Freunde sein, aber auch Menschen, mit denen Sie ein gleiches Interesse verbindet. Wie Sie die finden? Ganz einfach: wenn Sie eine Website oder ein Xing-Profil besuchenvon jemandem, der zu Ihnen passt, und wenn dieser jemand bei Twitter ist, können Sie seine Follower übernehmen. So bauen Sie einen Stamm auf von Menschen, die das selbe Twitter-Mitglied gut finden wie Sie.
  4. Sie können natürlich auch mehrere Twitter-Accounts anlegen! Einen für privat, einen für alle, einen geschäftlichen, einen für ein Hobby.Sie können sogar einen Account anlegen, den niemand außer Ihnen selbst sehen kann. Ich kenne jemanden, der schreibt täglich in so einen PrivatPrivat-Account, was er gegessen hat. Dadurch bleiben die Tage viel besser im Gedächtnis, hat er festgestellt. – Natürlich will er nicht, dass jemand anders in dieses Tagebuch schaut -das ist nur für ihn…
  5. Sie können also Freunde über Hashtags # kennenlernen, Sie können sich in fremden Städten vernetzen, Sie können einem engen Freundeskreis verraten, welches Restaurant Sie gestern besucht haben, oder wo Sie jetzt gerade in der Stadt Eis essen -und Sie können Twitter für den Beruf nutzen.
  6. Was Sie brauchen, ist ein Ordnungssystem. Wenn Ihre Kontaktliste überschaubar ist, eignet sich am besten Yoono, das Sie direkt am Rechner immer in einer Spalte mitlaufen lassen können (auch für Facebook und andere Communitys) – wenn Sie mehrere Accounts, mehrere Themen und mehrere Ordner brauchen, ist Tweetdeck empfehlenswert – auch für das Handy.
  7. Twittern fängt erst so richtig an, Spaß zu machen, wenn Sie eine Internetflatrate auf dem Handy haben.Dann ist es keine Arbeit mehr, dann ist es pures Vergnügen, mal ab und zu durchzucsollen -und man kann (wenn man den richtigen Menschen und Zeitungen folgt) eine Menge dabei lernen!

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

2 thoughts on “Einem Phänomen auf der Spur: „Was soll ich twittern?“

  • Reply Andrea Eikelmann 12. Mai 2010 at 11:37

    Liebe Eva,
    Danke für die interessante Zusammenfassung. Macht Appetit auf mehr Tweets als Austausch, auch „mit Spaßfaktor“.
    Andrea

    • Reply Eva Ihnenfeldt 12. Mai 2010 at 20:55

      Liebe Andrea,

      habe heute eine tolle Frau kennengelernt, die Euch auch interessieren wird! Schreibe noch heute einen Beitrag darüber. Wenn es spannend ist, vernetz ich Euch mal… 😉
      Liebe Grüße und schöne Grüße an die Coaching-Lamas, mit denen man so gut die eigenen Führungsqualitäten spiegeln kann!!!

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