Facebook oder: Der Terror der Belanglosigkeiten

Randi, eine Schwester von Marc Zuckerberg, hat in ihrem Facebook Profil (natürlich mit engsten Privateinstellungen und genau ausgewählten Freunden) ein Weihnachts-Familienfoto gepostet. Doch da ihre Schwester auf dem Foto markiert war, nützten auch die Privatprivat Einstellungen nichts: Über den Livestream ihrer Schwester fand das Bild den Weg hinaus bis… Twitter!

Randi Zuckerberg reagierte zornig und meinte, der Anstand würde es verlangen, bei Facebook Fotos immer den Urheber zunächst zu fragen, ob man das Foto weiterverbreiten dürfe. Das muss man sich mal vorstellen: Bei der täglichen Jagd durch den Livestream muss man zunächst die Post-Verbreiter fragen, ob sie mit Likes, Kommentaren, Shares und Markierungen einverstanden sind – absurd und undurchführbar.

Aber es zeigt das Grundübel von Facebook, und dieses Grundübel wird dem Netzwerk meiner Meinung nach schon bald das Genick brechen. Jeder der schon einmal unangenehme Erfahrungen mit Facebook gemacht hat, beschränkt sich darauf, nur noch Belanglosigkeiten in den Newsfeed zu senden. Man postet nur noch, was man auch an Litfaßsäulen kleben könnte: Bilder von Lebensmitteln, Katzenfotos, Sprüche und Bildwitze ohne verfängliche Risiken.

Keine Privateinstellung der Welt kann davor schützen, dass über Share Funktionen und Markierungen Dinge nach außen gelangen, die nicht für „außen“ gedacht sind. Schon ein harmloser Kommentar zu einem Foto kann einen privaten Shitstorm auslösen. Oder die Meinung zu einem Film kann bewirken, dass man sich über zig Wortwechsel für die eigene Meinung rechtfertigen muss – oder man verfällt in ein Verweigerungsschweigen – was auch nicht gut ankommt. Sehr kritisch sind die Themen Fußball und Politik, da geht schon mal ein Stündchen drauf für Kommentardiskussionen ohne erkennbaren Mehrwert.

Was Xing richtig macht – ein kundenorientiertes Freemiummodell mit einträglichen Zusatzangeboten – macht Facebook von Grund auf falsch: Die Losung „alles umsonst – wir zahlen mit privaten Daten“ muss ins Chaos führen, denn auch der harmloseste transparenteste Mensch hat keine Lust, sich in den Terror der Belanglosigkeiten zu begeben, und aus der Falle kommt Facebook kaum wieder heraus.
Quelle: FAZ

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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