Google+: „Niemand braucht ein neues soziales Netzwerk“?

Google+ wurde als DIE Facebook-Alternative angepriesen. Aber neue Zahlen zeigen: Die Nutzer sind dort kaum aktiv. Was fehlt? Ein Alleinstellungsmerkmal.

Google+ kommt nicht vom Fleck. Zwar wachsen die Zahlen derer, die sich dort anmelden – kein Wunder, da jeder neue Google-Account automatisch auch einen Google+-Account erzeugt – aber die Aktivität dort ist gering. Wer sich mit einem stationärem Rechner einloggt verbleibt höchstens drei Minuten im Netzwerk fand ComScore jetzt heraus. Im Gegensatz dazu: Bei Facebook bleiben Nutzer an die sieben Stunden. Daten über das Anwählen über mobile Geräte liegen nicht vor.

Das überrascht nicht: Schließlich ist Google+ momentan ein reines „Me-Too“-Produkt, das genau das bietet was Facebook auch hat – verbunden mit dem Prinzip, dass man jeden in seine Kreise aufnehmen darf auch wenn man ihn nicht kennt. Einige Zeitlang lag Google zwar mit den Hangouts vorne, aber mittlerweile hat Facebook nachgerüstet. Und einzig allein wegen einer Videochat-Funktion wird kaum jemand wechseln. Google+ trägt die abgelegenen Kleider von Facebook auf, kann aber nicht mit eigenen Ideen punkten. Auch wenn das Team von Google+ nach und nach neue Verbesserungen nachliefert. Was aber kaum jemand wahrnimmt.

Google+: Ist der Markt gesättigt?

Google+ hat es bisher versäumt ein eigenes Profil zu entwickeln. Die Dienste und Funktionen, die Google+ bietet hat Facebook schon länger. Und der Markt für Soziale Netzwerke, die „traditionell“ aufgemacht sind – die also Funktionalitäten wie Facebook, MySpace, MeinVZ bieten – ist momentan dicht. Ein neues Soziales Netzwerk wie Google+ braucht kein Mensch, es sei denn er ist technikaffin und mag Google über alles. Seitdem Google zudem ankündigt, die Privatsphäreneinstellungen am März zusammenzulegen – angeblich, um den Nutzer alles zu vereinfachen, man darf aber das sehr bezweifeln – ist es auch auf der datenschutzrechtlichen Seite nun nicht viel besser als Facebook.

Nischennetzwerke wie Diaspora haben ihre Berechtigung. Wobei auch Diaspora sich entwickelt und es spannend sein wird zu beobachten was aus dem Netzwerk werden wird. Wenn Google+ sich auch seine Nische sucht – oder diese auch schon gefunden hat – ist das durchaus in Ordnung. Aber Google möchte ja mehr: Google möchte ein ganzes Produkt schaffen. Einmal einloggen und die schöne bunte Google-Welt bietet einem alles man braucht. Im Prinzip also auch das, was Facebook anvisiert. Bisher gibt es noch ein Internet neben diesen Giganten und sie brauchen das auch um ihre Inhalte aus dem eigentlichen Internet zu schöpfen um damit ihre Gewinne zu finanzieren. Doch je länger man in einer der beiden Welten weilt, desto besser ist es für die Konzerne – Daten sammeln für punktgenaue Werbeeinblendungen.

Pinterest: Neuer Ansatz – neuer Erfolg

Wenn kein Mensch ein neues Soziales Netzwerk wie Google+ braucht, warum ist dann aber Pinterest ein Erfolg? Verzichten wir mal auf die Frage ob Pinterest tatsächlich eines ist – reicht das Kommentieren einer Bilderpinnwand schon aus um von einem Sozialen Netzwerk zu sprechen? – und richten den Blick auf den Focus. Pinterest kann Bilder und Filme optisch gut darstellen. Mehr nicht. Pinterest spricht die Menschen über die Bilder an, nicht über eine weitere Timeline in der man Texte hinterlassen kann. Damit wildert Pinterest eigentlich bei den Urfunktionen von „Flickr“ – aber vereinfacht das Posten von Bildern enorm.

Man kann bei Pinterest nicht chatten, man kann keine Nachrichten verschicken, man kann nur Bilder und Filme posten. Gerade aber diese Einfachheit ist es, was Pinterest bei den Nutzern attraktiv werden lässt. Bild gefunden – Bookmarklet nutzen – fertig. (Über die problematische Lage was Urheber- und Verwertungsrechte anbelangt wurde ja schon berichtet.) Während Flickr fast schon wieder ein bißchen zu viel des Guten hat. Neue Soziale Netzwerke, das zeigt Pinterest deutlich, müssen sich auf Nischenfunktionen besinnen oder Innovationen bringen. Dann werden sie auch gebraucht. Anders als Google+.

 

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