Home / Marketing / Kommunikationsexperte Robert Spengler: „Negative Gruppendynamik sticht positive Schwarmintelligenz“

Ich lernte den Kommunikationsexperten und Buchautoren („Menschengewinner“) Robert Spengler durch einen Artikel in der „Welt“ kennen – mit dem Titel: „Soziale Netzwerke schädigen soziale Fähigkeiten“. Nachdem ich in den SteadyNews eine Antwort zu seinen Ausführungen verfasst hatte, ergab sich über Xing und Facebook ein näherer Kontakt, über den ich mich sehr freue. Nun haben wir ein Interview realisiert – natürlich zum Thema: Pro und contra virtuelle Kommunikation…

SteadyNews: Was ist Ihre Vision, Ihr Leitmotiv, Ihre Mission? Warum haben Sie sich unternehmerisch der Kommunikationskunst verschrieben?

Robert Spengler: Meine Vision ist, allen Menschen bewusst zu machen, dass das persönliche Gespräch Lebensqualität ist. Eine Fähigkeit, die in dieser Qualität nur wir Menschen geschenkt bekommen haben.

Mein Leitmotiv ist Einfachheit: Das Erfolgsgeheimnis gelungener Kommunikation ist simpel. Es besteht im regen, spontanen Interesse an unseren Mitmenschen. Wer anderen in dieser Offenheit begegnet, der wird die Menschen gewinnen und seine Gesprächsfähigkeit Stück für Stück ausbauen. Das Faszinierende ist, dass auf diesem einfachen, aber soliden Fundament eine unglaubliche Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten ruht: Die Art, wie wir kommunizieren, die Worte, die Stimme unsere Gestik und Mimik bietet unzählig viele Facetten sich auszudrücken. Permanent mache ich neue Erfahrungen und das spornt mich an, dieses Wissen zu analysieren und weiterzugeben.

Wir leben in einer Zeit, in der die virtuelle Kommunikation ein bereicherndes Hilfsmittel ist, um in Kontakt zu kommen. Umso wichtiger wird es, die verbleibende Zeit der Auge in Auge Gespräche auf höchstem Niveau zu führen. Die Menschen dabei zu unterstützen – das betrachte ich als meine Mission.

SteadyNews: Wir Social Media Gestalter sind der Auffassung, dass durch die virtuelle Kommunikation in Echtzeit die Sensibilität der Menschen für Authentizität, Transparenz und Respekt wächst. Wie sehen Sie das? Was sagt Ihr Buch „Menschengewinner“ dazu? Sehen Sie in der Möglichkeit, die ganze Welt in der Hosentasche bei sich zu tragen, eine Chance oder eher eine Gefahr?

Robert Spengler: Authentisch sein bedeutet echt sein, die Wahrheit und nicht der Schein. Doch gerade in der virtuellen Umgebung sind die Möglichkeiten, eine Scheinwelt aufzubauen, gigantisch. Paradoxerweise vermittelt das Netz gleichzeitig Transparenz. Ich nutze es täglich, um mich zu informieren und vertraue dabei der Schwarmintelligenz, wie sie in diesem Umfang nur im www möglich ist. Wenn ich etwas kaufen will, hole ich mir die Meinungen online. Suche ich einen neuen Arbeitgeber, werde ich ihn auf einem der Bewertungsportale durchleuchten.

Diesen Vorteilen stehen jedoch massive Risiken gegenüber: Viele Menschen und auch Unternehmen haben inzwischen gehörig Angst, ihre Meinung zu kommunizieren. Angst davor, einen shitstorm auszulösen, der nur radikale Meinungen widerspiegelt. Negative Gruppendynamik sticht dann positive Schwarmintelligenz. Die Transparenz ist dann wie weggeblasen – statt dessen herrscht blanke Aggression. Die Respektlosigkeit ist bei Kurznachrichtendiensten wie Twitter oft besonders ausgeprägt. Je kürzer die Nachrichten desto rauer wird der Umgangston.

Und dennoch: Die ganze Welt in der Hosentasche ist etwas Wunderbares. Ich möchte sie nicht missen und freue mich auf jede Weiterentwicklung. Im Chinesischen ist Chance und Risiko das gleiche Schriftzeichen. Virtuelle Kommunikation ist eine Chance, die wir nutzen sollen. Sie birgt aber auch das Risiko, sich im virtuellen Universum zu verirren.

Es gibt viele Menschen die sagen voller Stolz sie sind sportsüchtig und es gibt Menschen die sagen voller Freude sie sind Facebook-süchtig. Ich halte beides für sehr bedenklich. Mit meinem Buch „Menschengewinner“ möchte ich deswegen dazu einladen, den persönlichen Kontakt zu leben. Wir Menschen brauchen reale Begegnungen. Wir sind darauf angelegt, andere zu berühren, mit ihnen live zu lachen und zu weinen. Virtualität ist dafür kein Ersatz.

Deswegen empfehle ich in meinem Buch, die sozialen Netzwerke zu nutzen, um leichter in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig empfehle ich aber einen kritischen Umgang mit diesen Möglichkeiten. Ich habe ein Beispiel beigefügt, wie sich auf einer Veranstaltung ein Mensch hinter seinem Mobile versteckt, weil er nicht den Mumm hat andere Gäste anzusprechen. Ohne Handy wäre er vermutlich angesprochen worden. Wer hat solche Situationen nicht schon selbst erlebt?

SteadyNews: Ein großes Problem der internetbasierten Kommunikation ist die Flut an persönlichen Daten, die gesammelt, archiviert, analysiert und verwandt werden – der Mensch wird gläsern. Was glauben Sie, wie sich diese Big-Brother-Transparenz zukünftig auf unser Kommunikationsverhalten auswirken wird?

Robert Spengler:  Heute lese ich, dass die Angebote eines Reiseanbieters bei Mac-Nutzern höherpreisiger sind, weil Untersuchungen ergeben haben, dass Mac-Nutzer mehr Geld ausgeben. Diese Schlitzohren, denke ich mir, zum Glück gibt es die Transparenz des Netzes, und lache. Doch meine Meinung ist: Lassen wir die Kirche im Dorf, seien wir nicht überkritisch. Jeder von uns will die kostenlosen Angebote von Facebook, Google und Co. nutzen. Deswegen sollten wir – solange das in einem bestimmten Rahmen bleibt – die Refinanzierungsmaßnahmen dieser Unternehmen akzeptieren.

Vielleicht bin ich zu naiv, mir macht diese Datensammlung keine Sorgen. Im Gegenteil: Ich denke, je mehr Daten gesammelt werden, desto schwieriger wird es, diese Datenflut zu verarbeiten. Ich finde es sogar klasse, dass ich aufgrund meines Surfverhaltens maßgeschneiderte Angebote bekomme. So kann ich schnell neue Kaufentscheidungen treffen. Eine klassische Win-Win Situation. Gelegentlich schmunzle ich, wenn ein Werbebanner von Friedwald (Bestattungen) aufpoppt. Sind meine Tage gezählt, woher wissen die das?

Klar, achte ich darauf, dass ich bestimmte Informationen nicht im Netz publiziere. Wenn ich stündlich meinen Aufenthalt poste, brauche ich mich nicht wundern, wenn meine Bude am Abend ausgeräumt ist. Und Fotos aus Timbuktu kann ich auch nach meinem Urlaub im Netz teilen.

SteadyNews: Unternehmen sind noch sehr unsicher bei der interaktiven Kommunikation mit Kunden und anderen Dialogpartnern. Vor allem wird befürchtet, Kritik könnte ausufern und man könnte die Kontrolle über die Kommunikation verlieren. Was antworten Sie auf solche Befürchtungen?

Robert Spengler: Diese Befürchtungen sind sicher für bestimmte Branchen und Unternehmen nicht unberechtigt. Doch die falscheste Reaktion darauf ist es, den Kopf in den Sand zu stecken. Allzu oft höre ich noch aus den Unternehmen die Frage: „Braucht’s denn das?“ Wer sich nicht mit dem Web 2.0, seinen Chancen und Risiken beschäftigt, der entwickelt erstens irrationale Ängste. Und zweitens vermag er im Falle eines Falles, nicht mit einer echten Krisensituation umzugehen.

Nutzen wir also sensibel die virtuelle Kommunikation. Doch überschätzen wir gleichzeitig nicht seine Möglichkeiten. Denn worauf es ankommt, das ist noch immer die Live-Begegnung im realen Leben. Geben wir also unserem persönlichen Gespräch den Feinschliff, dann ist der Weg zum Menschengewinner geebnet.

SteadyNews: Vielen Dank für dieses Interview – und weiterhin viel Engagement und Erfolg für Ihr Unternehmen und Ihre wichtige Mission.

Robert Spengler
Am Gries 27
85435 Erding
Deutschland
Tel.:     +49 (8122) 187 287 0
Fax:      +49 (8122) 187 287 2
Email:   welcome@robert-spengler.de
Visit:     http://www.robert-spengler.de
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Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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