Manomama bei der GLS-Bank: „Twitter als Hosentaschenkanal zur Welt“

ManoMama! Sina Trinkwalder, die Gründerin der Textil-Manufaktur ManoMama aus Augsburg, hat den Namen wirklich äußerst passend gewählt: Die Kommunikationsexpertin ist genau so wie man es sich vorstellt: Selbstbewusst weiblich, engagiert und eindeutig, energisch und zielstrebig. Die knapp 50 Gäste des Marketing Clubs in Bochum konnten im Garten der GLS-Bank an diesem Abend erleben, wie man mit Worten Bilder malt, die zum Erfolg führen: Ohne vom Handwerk zunächst auch nur die geringste Ahnung zu haben, ist es Sina Trinkwalder gelungen, eine rasant wachsende Textilmanufaktur aufzubauen – das Wichtigste ist eben immer die Kommunikation einer Story!

Sina Trinkwalder im herrlichen Garten der GLS-Bank in Bochum – als Gast des Marketing-Clubs

Sina erzählte in ihren etwa einstündigen Vortrag von dem Werdegang der Manufaktur im klassischen Textilstandort Augsburg. Sie war zunächst nach dem Abitur in die Werbebranche gegangen und hatte direkt eine Werbeagentur gegründet, da sie schon immer wusste, dass Kommunikation ihre Stärke ist. Zunächst hatte die Agentur kleinere Kunden, doch innerhalb weniger Jahre etablierte sich das junge Unternehmen – aus den kleinen Aufträgen von Familienbetrieben wurden Großaufträge von Konzernen. Sie musste erleben, wie sie sich immer mehr als „Wasserträger ausgehöhlter Konzerne“ empfand. Nach der Geburt ihres Sohnes wuchs der Wunsch, sich wieder neu mit der beruflichen Aufgabe identifizieren zu können.

Den Ausschlag gab ein Erlebnis, als ein großer Kunde aus NRW sich aus PR-Gründen für ein soziales Projekt engagieren wollte. Sina schlug vor, den Mitarbeiterinnen des Unternehmens Büchergutscheine für ihre Kinder zu schenken, doch das kam überhaupt nicht gut an: Wo blieb denn der Impact Factor! Lieber wurde ein SOS-Kinderdorf in Costa Rica aufgebaut, das kam in der Presse besser an – da reichte es der energischen jungen Mutter – und Sina Trinkwalder gründete erneut: eine Textil-Manufaktur, die speziell alleinerziehende Mütter als Näherinnen beschäftigen würde – schließlich gab es in Augsburg viele arbeitslose Industrie-Näherinnen, da die Textilwirtschaft in Deutschland als veraltet gilt.

Sie brach also mit allen Regeln: Ohne Branchenkenntnisse gründete sie 2010 eine Textil-Manufaktur mit dem Anspruch, sozial, ökologisch und nachhaltig zu produzieren, mit Mitarbeiterinnen, die „multiple Vermittlungshemmnisse“ haben. Kann so etwas gut gehen?

Ja, es ist gut gegangen – sehr gut sogar, und das nicht zuletzt durch Twitter. Obwohl vor allem „Nerds“ bei Twitter aktiv sind, hat Sina eine großartige Popularität durch den Kurznachrichtendienst gewonnen. Sie startet bei Twitter immer wieder Kommunikationskampagnen, die große Wellen schlagen, organisiert Fotowettbewerbe („Macht ein Foto von Eurem Tascheninhalt“), lernt einflussreiche Leute kennen (zurzeit ist Manomama mehr als ausgelastet, da die Mitarbeiterinnen hunderttausende von Textiltaschen für dm produzieren) und kombiniert als Kommunikationsprofi gekonnt Twitter mit Facebook und Blog.

Sina Trinkwalder betont in ihrem Vortrag, wie wichtig es ist, in den sozialen Netzwerken persönlich und glaubwürdig zu sein. Je „privater“ man twittert, desto intensiver sind die daraus folgenden Kontakte. Je mehr man Facebook als leichtlebiges „Blödel-Medium“ begreift, desto höher sind die Interaktionen der Fans. Je mehr Sina Trinkwalder im Blog ihr soziales Engagement und die ökologische Nachhaltigkeit ihres Unternehmens erläutert, desto mehr Unterstützer findet sie – und die Viralität des Internets geht seinen wunderbaren Weg.

Heute beschäftigt ManoMama bereits 62 Näherinnen – darunter auch alleinerziehende Mütter, die im Betrieb ausgebildet werden. Das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren. Sina schießt ihren Vortrag mit der Erkenntnis, dass klassische Werbung heute nicht mehr funktioniert und dass Unternehmen neue Wege gehen müssen, um erfolgreich zu sein. Heute erwarten die Kunden, dass Unternehmen authentisch, fragend, echt kommunizieren – und verdammt schnell. Sina mobilisiert immer wieder gekonnt ihre Follower und Fans für kreative Aktionen, fast alles geschieht ohne Plan, ohne Strategie – aus dem Moment.

Marketing Club Bochum: Clubabend vom 3. Juli 2012

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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