“Social Media Marketing Praxis 2012″: Buch Kapitel 24: Social Media Tools

Social Media und Web 2.0 umfasst sämtliche Funktionen, Tools und Angebote, die dazu dienen, mit Unterstützung des Internets interaktiv in Kommunikation zu treten. Auch wenn im engeren Sinne vor allem Facebook, Twitter, Xing und seit Neustem GooglePlus gemeint sind, ist die “virtuelle Welt” weitaus größer. Den Einsatz von YouTube und Fotodiensten wie Flickr kennen noch die meisten, doch seltener erwähnt werden großartige Instrumente wie Webinare, die vor allem für Coaches und beratende Dienstleister eine hervorragende Vertriebsplattform sein können.

Im Folgenden können Sie einen Überblick über einige Dienste erhalten, die im Rahmen von Social Media zurzeit populär sind. Doch diese Auflistung will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – wenn man mit offenen Augen durchs Netz surft, wird man noch viele weitere Tools und Portale entdecken, und laufend kommen neue phantastische Angebote hinzu.

Dieses Kapitel widmet sich:

  • YouTube/ Vimeo… – Videoportale
  • Flickr/ Picasa… – Fotoportale
  • SlideShare… Portal für Präsentationen
  • Dropbox…Online-Datensicherung
  • Skype/ Hangover…. Videotelefonie
  • Spreed… Webinare und Webmeetings
  • Webradio
  • Lulu.com…Selbstverlag

YouTube, Vimeo und andere Videoportale

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” – dieses bekannte Sprichwort wird leider viel zu selten von den meisten Unternehmen umgesetzt. Denn tatsächlich geht vor allem bei jungen Menschen der Trend dahin, lieber per Video Informationen aufzunehmen als per Print. Das mag gebildeten älteren Semestern zwar unangenehm aufstoßen, doch tatsächlich bleibt bei einem Video-Vortrag häufig mehr hängen als beim Lesen eines Buches. Denn unser Auge ist wie ein Lotse, es interpretiert laufend das Gehörte und fügt den Worten (die ja meist doch vergessen werden) emotionale Impulse hinzu – wir lernen intensiver.

Viele Selbstständige und kleine Unternehmen haben in ihrem Geschäftsfeld informative, sachliche Komponenten enthalten. Diese lassen sich per Video viel leichter vermitteln als per Download-pdf. Wenn etwa ein Psychotherapeut in Videos seine Methoden erläutert, illustriert, Bilder nutzt und Geschichten aus der Praxis erzählt, werden diese Einblicke weit mehr Eindruck hinterlassen als schriftliche Publikationen. Wenn ein Schriftsteller aus seinen Werken liest, ist das eindrucksvoller als eine Print-Leseprobe.

Wenn ein Handwerker mit dem Handy kleine Videos dreht, bei denen zufriedene Kunden schildern, warum dieser Betrieb für sie unersetzbar wäre, klingt das viel glaubwürdiger als ein schriftliches “Frau K. aus B. schreibt….” Es ist erstaunlich, wie viele Menschen überhaupt kein Problem damit haben, bei YouTube zu erscheinen – natürlich muss man zuvor fragen, doch sicher werden gerade ältere Leute häufiger als man denkt gern vor der Kamera ein paar nette Worte sagen.

Bei YouTube, Vimeo etc. sind Imagefilme weit weniger beliebt als wackelige, authentische Momentaufnahmen aus “dem richtigen Leben”. Die Menschen sind professionelle Werbebotschaften leid, wir haben uns daran gewöhnt, beim Fernsehen Werbung wegzuzappen – warum sollten wir sie uns freiwillig im Web angucken?

Doch wenn ein Handwerker Kundenbewertungen per 1-Minuten-Videos auf seinem Video-Kanal sammelt, dann kommen wir schnell in den Strom, “nur noch einen” zu gucken – weil es uns ein wenig zum Voyeur macht, zum “Lauscher an der Wand”. Selbstverständlich dürfen die Kunden nie bloßgestellt werden – doch diese Sensiblität zu wahren, ist für verantwortungsbewusste Unternehmer nicht schwer.

Es gibt also zwei Sorten von Videos, die im Web schnell, kostengünstig und effektiv werben können: die kompetent informativen und die sympathischen Lebensnahen. Das Risiko von Videos besteht immer darin, den Anbieter unprofessionell und “billig” aussehen zu lassen, doch mit ein paar Tricks kann man diesem unerwünschten Effekt vorbeugen.

Ein gutes Mittel zur Professionalisierung ist der Bau eines Intros. Es muss sehr kurz sein und dient als CI – dieses Intro darf ruhig teurer sein, man wiederholt es ja schließlich ständig, da lohnt sich die Investition. Ein zweiter wichtiger Faktor sind Ton, Stand und Licht. Wenn Ton und Licht gut sind, und wenn die Kamera auf einem Stativ steht, ist jedes Interview schon einmal nicht mehr so Schmalspurfilm-erinnernd. Überhaupt ist es bei Interviews am leichtesten, mit dem Fernsehen mitzuhalten, da bei einem Interview wenig Variation nötig ist – und handelsübliche Camcorder oder auch gute digitale Kameras für YouTube etc. qualitätsmäßig völlig ausreichen.

Bei den lebensnahen Videos kann Wackeln, Störungen, Überraschungen, “Unfälle” den Reiz noch erhöhen. Wenn ich etwa Individualreisen veranstalte und Live-Reportagen aus Namibia oder Australien über YouTube veröffentliche, erhöht es durchaus meine Reputation, wenn ein Känguru mir vor die Linse springt, oder ein Kind mitten im Gespräch weggeht, weil es sich langweilt.

Wie immer sollte vor dem Einsatz von Videos die Strategie genau geplant sein – das gibt innere Sicherheit und vermeidet Fehler. Was ist mein Ziel? Wer meine Zielgruppe? Was wünscht sich meine Zielgruppe und was für Lösungen kann ich für das jeweilige “Problem” per Video anbieten…So kommt man der perfekten Umsetzung nah. Es gibt zum Beispiel bei YouTube einen Nachhilfelehrer, der in vielen Videos an der Flipchart Mathe erklärt und es mit diesen kostenlosen Angeboten zu einiger Berühmtheit und viel viel Sympathie gebracht hat!

Man kann die Videos sehr gut viral verbreiten per Twitter, Facebook, Blog – und bei YouTube selbst darüber, dass man gezielt Abonnenten aufbaut. Es gibt wahrhaftig keine preiswertere Methode, sich auffällig von Mitbewerbern abzuheben – doch es erfordert Mut und innere Sicherheit, denn glatte Imgagevideos werden wohl kaum etwas bewirken.

Flickr/ Picasa/ Fotoportale

Flickr gehört als Fotoportal zu Yahoo, Picasa ist ein Dienst von Google. Der Vorteil von picasa ist, dass man direkt die Fotos im Web bearbeiten kann, der Vorteil bei Flickr ist die riesige Community, die sich dort engagiert. In beiden Portalen kann man Bilder sehr einfach hochladen, kann Lizenzen vergeben, kann Rechte individuell einstellen und die Fotos über eine Galerie auf der eigenen Website einbinden.

Der Einsatz von Fotoportalen im Social Media ist immer dann vorteilhaft, wenn man viele Bilder als Werbematerial nutzt und wenn man möchte, dass diese Fotos viral Verbreitung finden. So ist es für die Presse ein schöner Service, wenn die Redakteure eine Website als Link erhalten, von der sie sich passende Bilder zu Presseberichten einfach herunterladen können.

Auch Blogger freuen sich immer über gutes Bildmaterial – man sollte nur sehr deutlich kommunizieren, dass man die Veröffentlichung der Bilder erlaubt – denn gerade Fotos sind sehr häufig urheberrechtlich geschützt – und jeder Blogger hat die berechtigte Sorge, er könne wegen der Verwendung von geschütztem Bildmaterial eine Abmahnung erhalten.

Wenn Sie also spannendes Bildmaterial haben (z.B. als Sportler, als Künstler mit Ihren Werken, als Fotograf oder als Trendsetter) kennzeichnen Sie deutlich, dass Sie an der Weitergabe des auf Flickr oder Picasa veröffentlichten Bildmaterials interessiert sind. Ja, gerade als Fotograf kann es sehr klug sein, ausgewählte Fotos der Gemeinschaft zu “schenken” – so wie mit YouTube Musiker wie Justin Biber berühmt wurden, können auch Fotografen über Flickr zu Prominenz gelangen – wenn sie es wollen…

Slideshare

Slideshare ist eine Community für Präsentationen, die öffentlich geteilt werden. Auch ohne Registrierung kann man seine Präsentationen per ppt, pdf, Keynote oder Openoffice hochladen und mit passenden Keywords versehen – so hat man eine gute Suchmaschinenoptimierung für die eigene Präsentation erzielt, denn selbstverständlich wird das trafficstarke Slideshare von Google weit höher bewertet als die Veröffentlichung auf einer eigenen Website.

Slideshare bietet mehrere Vorteile: Man kann von überall auf die eigenen Präsentationen zurückgreifen, wenn man online ist. Man verbreitet die eigenen Präsentationen viral über Twitter, Facebook, Xing etc. Slideshare kann wie YouTube in andere Websites eingebunden werden – auch das dient der viralen Verbreitung. Die Präsentationen können bewertet und geteilt werden.

Der Einsatz von Slideshare ist ganz leicht zu entscheiden: Möchte ich mein geistiges Eigentum vor fremdem Zugriff schützen, so werde ich Slideshare höchstens im privaten Modus nutzen. Möchte ich meine Präsentation als Vertriebsinstrument nutzen (zum Beispiel, um Bildungsträgern die Qualität meiner Workshops zu demonstrieren), dann sollte ich auf jeden Fall Slideshare nutzen. Denn auch wenn Mitbewerber meine Präsentation für ihre eigene nutzen können (was sie ja auch mit einem Buch oder anderem Printmaterial tun können), werden ihnen die Schlagwörter nicht viel nützen, wenn sie nicht selbst hinter dem Inhalt stehen.

Dropbox

Für Webdesigner, Projektmanager, IT’ler und Journalisten ist das Freemiumportal Dropbox ein wahrer Segen. Es ist möglich, seine Dateien auf dem Rechner mit Hilfe der Dropbox komplett in die Cloud zu schieben. Die Daten sind im Web gesichert, man kommt von überall auf der Welt an die eigenen Dateien heran, man kann Projekte mit anderen per E-Mail teilen und bearbeiten. Die Dropbox ist zunächst kostenlos. Je mehr Speicherplatz man braucht, desto mehr kostet die Nutzung. Lädt man erfolgreich andere User zur Dropbox ein, erhält man zum Dank mehr Speicherplatz geschenkt.

Vielleicht wird man in die Dropbox nicht die allergeheimsten Daten tun, doch die Sicherheit ist wohl vergleichbar mit Online-Banking (AES-256 Verschlüsselung). Ich kann sehr genau festlegen, welche Dateien ich mit wem teilen will, ich kann festlegen, ob die Dateien nur angesehen – oder auch bearbeitet werden dürfen. Man kann auch ältere Versionen einer Datei wiederherstellen, und man sogar mit dem Handy oder dem Tablet seine Dateien auf der Dropbox abrufen. Eine sehr schöne Möglichkeit, um mit Kunden Projekte zu teilen, zu dokumentieren und/ oder zu bearbeiten.

Skype/ Hangover

Privat nutzen viele Internetuser Skype, um kostenlos zu telefonieren, zu chatten und Videotelefonie zu genießen. Doch auch für kleine Unternehmen und Selbstständige ist die Videotelefonie ausgezeichnet, um interaktiv tätig zu sein. Gerade Coaches haben erweiterte Möglichkeiten, wenn sie auch per Skype coachen, Webdesigner können WordPress-Schulungen per Skype anbieten, und Dozenten per Skype schulen.

Hangover von Google hat zusätzlich den Vorteil, dass kostenlos bis zu zehn Teilnehmer gleichzeitig eine Videokonferenz abhalten können – was für eine Bereicherung für Projekte und Dozenten, die so bis zu 9 Schüler unterrichten können! Schade, dass noch so wenige Nachhilfelehrer Videotelefonie einsetzen – denn selbstverständlich hat man beim interaktiven Gruppenunterricht auch eine bessere Marge…

Spreed und andere Webinardienste

So wie die Dropbox ist auch Spreed ein Freemium-Modell. Bis zu drei Teilnehmer können kostenlos an einem Webinar über Spreed teilnehmen, über Xing kann direkt dafür geworben – und das Webinar veranstaltet werden. Ein Jahresabonnement kostet bei bis zu 100 Teilnehmern 300 Euro zzgl USt. – falls man ein Produkt hat, das man über die Veranstaltung von Webinaren vertreibt, sicher eine sehr lohnenswerte Investition, wenn das Thema spannend ist.

Kostenpflichtige Webinare finden eher mit wenigen Teilnehmern statt, doch gerade die kostenfreien Webinare sind bei Xing sehr beliebt. Einfach mal mitmachen, lernen und überlegen, ob man selbst nicht auch Webinare als Vertriebsinstrument einsetzen sollte.

Webradio/ Internetradio

In Deutschland gibt es unzählige Internetradiobetreiber. Diese Sender werden immer beliebter, auch wenn viele Sender nur wenige Zuhörer haben, können sie für Selbstständige und kleine Unternehmen eine sehr sinnvolle Werbeplattform sein. Manche Webradios sind regional ausgerichtet: wollen Sie nicht dort als lokal ansässiges Unternehmen Tipps geben? Oder als Restaurantbesitzer Rezepte verraten?

Andere Webradios sprechen ganz bestimmte Zielgruppen an: Wollen Sie dort als Burnout-Experte nicht vielleicht für Interviews zur Verfügung stehen oder mit Hörern kommunizieren? Oder als Fashion-Onlineshop Modetrends aus der Gothicszene erläutern? Es kann sich wirklich lohnen, mal nach Webradiosendern (die meist rein hobbymäßig betrieben werden und sehr kostengünstig im Betrieb sind) zu fahnden und mit den Betreibern Kontakt aufzunehmen. Vielleicht können Sie als Moderator dort einen Sendeplatz erhalten und die Sendungen als Podcast auf Ihre Seite stellen!

Lulu.com – der Selbstverlag für Autoren

Warum nicht mal ein Buch schreiben? Dank Web 2.0 verlieren die Buchverlage an Macht, Autoren können selbst ihre Bücher verlegen und vertreiben, z.B. mit Lulu.com zu fairen Konditionen. Lulu will etwa 20 Prozent vom Verkaufspreis, dafür kann der Autor sein Werk als Hardcover, Taschenbuch, eBook, als Fotobuch, illustriertes Kochbuch oder auch Kalender anbieten. Den Verkaufspreis bestimmt der Autor selbst. Hinzu kommen noch Versandkosten- der Käufer muss bis zu zwei Wochen auf sein Exemplar warten. Das Prinzip beruht auf “Print on demand” – es wird also erst gedruckt, wenn bestellt wurde. Dem Autoren entstehen erst dann wirkliche Kosten, wenn etwas verkauft wird – also ähnlich wie bei ebay…

Resümee

Sicher kann man im Eigenmarketing nicht alles umsetzen, was hier vorgestellt wurde (es sei denn, dass man sich als Inhaber oder Geschäftsführer eines Unternehmens auf Marketing und Vertrieb konzentriert), doch nur wer die vielen Möglichkeiten kennt, kann klug die richtigen auswählen und gezielt und beharrlich verfolgen. Social Media – also das interaktive Mitmachnetz – ist so vielschichtig wie der südamerikanische Regenwald – für jeden Anbieter und jede Branche findet sich hier noch eine Nische, in der man den eigenen USP deutlich und wirkungsvoll kommunizieren kann – auch wenn man nur wenige Stunden im Monat investieren will oder kann.

Aufgabe 1: Lege ein Dropbox-Konto an und suche Dir über Google eine aktuelle Anleitung

Aufgabe 2: Drehe mit dem Handy ein kleines Video (ca 2 – 3 Minuten) und lade es bei YouTube hoch. Bearbeite Dein Video über den „Video-Editor“ – welche Veröffentlichkeitsoptionen gibt es und für welche entscheidest Du Dich?

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