Transmedia Storytelling: Können KMUs das eigentlich?

Christian Spließ, Social Media Storyteller: Nachdem am Donnerstag und Freitag rege in Duisburg über Transmedia Storytelling, Augemented Reality und Alternate Reality Games diskutiert wurde – schließlich war ja „Die Kunst des digitalen Erzählens“ das Oberthema der besten Konferenz des Jahres, der stART11, blieb bei mir die Frage hängen: Können kleine und mittelständische Unternehmen Transmedia Storytelling überhaupt leisten?

Ich glaube nicht, dass man als kleines und mittelständisches Unternehmen wirklich ein Alternate Reality Game inszenieren muss. So beeindruckend es natürlich auch ist für ein Produkt, eine Marke solche „interaktiven Spiele“, die im Internet stattfinden, bei denen Aufgaben und Rätsel auch im realen Leben gelöst werden müssen um dann auf einer Homepage das nächste Level erreichen zu können – kurz: So beeindruckend und clever und unterhaltend diese Form auch sein mag, für die meisten KMUs dürfte das eindeutig zuviel Zeit und zuviel Aufwand bedeuten. Und natürlich haben es Buchverlage oder Branchen, die eh schon viel mit dem Erzählen von Geschichten arbeiten leichter bei ARGs anzudocken. Nein, ich glaube nicht dass man als KMU generell so etwas braucht. Nice to have sagt der Engländer immer, aber notwendig für die Werbung oder fürs Marketing an sich für KMUs? Nein. Sehe ich noch nicht, dazu braucht man – wie die Beispiele das auf der stART11 ja auch gezeigt haben – einfach viel Manpower, viel Zeit, viel Energie und viel Geld.

Wie siehts aber mit Transmedia Storytelling aus? Das Erzählen einer Geschichte über verschiedene Kanäle hinweg? Bekommt man so etwas neben dem Tagesgeschäft noch hin, wenn Social Media schon als Zeitfresser an sich empfunden wird? Wenn man sich ein wenig von diesem Begriff der Geschichte an sich löst – also etwas was mit einem Charakter zu tun hat, eine chronologische Handlung, die erzählt wird – dann kann ein KMU das sicherlich schon heute tun ohne in die Zeitbredouille zu kommen. Letztendlich ist nämlich auch die Herstellung einer Schraube eine Geschichte: Sie beginnt beim Designentwurf, beim Beachten von DIN-Normen, wechselt dann zum Material, das eventuell eine Besonderheit hat und endet schlussendlich beim fertigen Produkt. Der Held der Geschichte: Die Schraube. Das Erzählen der Geschichte: Per Tweet und Facebook und im Blog. Auch das ist Transmedia Storytelling. Und von diesen kleinen Geschichten fallen in einem Betrieb, einem Unternehmen täglich etliche an. Es ist die Kunst eines guten Erzählers, diese zu finden und sie so zu gestalten dass sie interessant wird. Insofern: Ich denke ja, diese Grund-Basis fürs Geschichtenerzählen kann man als KMU auch wirklich leisten.

Die nächste Etage wäre dann mit fiktiven Charakteren zu arbeiten, denen ein eigenes Storyboard zu verpassen, diese Charaktere zu führen, zu beleben und wirklich werden zu lassen. Ich denke, hier stößt man dann schon an eine Grenze bei KMUs: Dafür braucht man Experten, die sich im Entwickeln von Handlungssträngen auskennen, die gute Charaktere entwickeln können und gleichzeitig auch ein Drehbuch sowie die ganze Geschichte an sich erfinden können. Die Frage ist dann auch noch: Passt das dann zum Unternehmen? Zwei Charaktere, die sich glaubhaft über eine Schraube austauschen und ein Drehbuch, dass sich komplett nur um die Herstellung von Schrauben dreht – wer das vermag, der ist schon in der hohen Kunst des Erzählens angelangt.

Sicherlich verkauft man mit einer guten Geschichte ein Produkt – obwohl, wenn man an der Zielgruppe vorbeidesignt, dann designt man an der Zielgruppe vorbei, davor ist nun niemand gefeit. Und die Basis für gute Geschichten findet man sicherlich auch im Betrieb. Ich glaube aber nicht, dass jedes KMU nun unbedingt seine ganz eigene transmediale Geschichte mit drei Charakteren, Thrillerhandlung und zehn bedienbaren Kommunikationskanälen benötigt. Es ist sicherlich eine spannende und kreative Art und Weise Marketing zu betreiben und wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren noch mehr zum Einsatz kommen als bisher. Ich bin aber auch so realistisch zu sagen, dass ein Gründer, ein KMU sich erstmal um andere Dinge zu kümmern hat als um ein hypermediales Geschichtenkonstrukt. Wer aber seine eigene Geschichte gefunden hat und erzählen möchte, hat es heutzutage im Netz leichter als jemals zuvor

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