Twitter: Algorithmen-Experimente – was steckt dahinter?

Neben der unangenehmen Nachricht, dass Twitpic schließt – zum 25.09. stellt der beliebte Sharing-Dienst für Twitter seine Dienste ein – gabs jetzt noch einen Paukenschlag: Twitter experimentiere mit Algorithmen.

Werfen wir mal einen Blick auf einen Abschnitt auf der Supportseite. Dort findet man folgenden Abschnitt:

  • Außerdem fügen wir möglicherweise auch einen Tweet, einen Account, dem Du folgen solltest oder sonstige beliebte bzw. relevante Inhalte zu Deiner Timeline hinzu. Das bedeutet, dass Dir manchmal Tweets von Accounts angezeigt werden, denen Du nicht folgst. Wir wählen jeden Tweet anhand vieler Faktoren einschließlich der Beliebtheit und der Interaktion von Personen in Deinem Netzwerk damit aus. Unser Ziel besteht darin, Deine Timeline auf der Startseite noch bedeutungsvoller und interessant zu gestalten.

Heißt das, die chronologische Darstellung von Tweets wird jetzt zu Gunsten von Algorithmen aufgegeben?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Momentan experimentiert Twitter – so schleust es gefavte Tweets von anderen Personen in die Timeline ein, was etlichen Nutzern schon nicht gefiel.  Twitter selbst stellt sinngemäß dazu fest: Es vergeht kaum ein Tag an dem wir bei Twitter nicht experimentieren, das heißt aber noch nicht dass auch alles was wir ausprobieren tatsächlich kommen wird.

Definitive Aussagen zu Algorithmen bei Twitter – irgendwie…

Nun ist es so, dass am Mittwoch der CEO von Twitter, Anthony Noto, tatsächlich auf einer Konferenz Dinge gesagt hat, die was mit Algorithmen zu tun haben könnten. Oder auch nicht. Denn all zu genau war der Gute nun nicht. Fest steht: Die Suchfunktion bei Twitter soll verbessert werden. Denn es gibt viele Tweets zu bestimmten Themen und die möchte Twitter offenbar noch genauer erschließen. Dazu wäre dann ein Algorithmus nötig, der „die Inhalte in der Breite und Tiefe, die wir zu einem bestimmten Thema haben, wahrscheinlich so zu den Leuten bringt, wie diese mit den Inhalten in Verbindung stehen.“ Das macht bei Großereignissen etwas der Fussball-WM ja durchaus Sinn. (Solange ich als Nichtfussball-Fan von diesen Inhalten nicht belästigt werde, nur zu. ;-)) Nur, ob Twitter das jetzt generell als Algorithmus implementieren wird – das Wort „eventually“ im Original lässt das etwas unklar. Wahrscheinlich, möglich, vermutlich heißt das nämlich und deswegen ist noch gar nicht so sicher ob Twitter wirklich einen Algorithmus einsetzen wird oder welche.

Twitter selbst, CEO Dick Costolo in dem Fall war es, stellte allerdings fest, ja, momentan spiele man  Tweets von Leuten in den User-Account ein, denen man als User nicht folgt. Das passiert immer dann wenn man die App zweimal rasch erneuert – also nach unten zieht – und die Follower keinen neuen Inhalte mehr haben. Wer also wenigen Leuten folgt wird öfters in den Genuss des neuen Features kommen. Nach welchen Kriterien jetzt genau die Tweets ausgesucht werden – gute Frage. Und eine gute Frage ist auch ob die Erweiterung der eigenen Filterblase – über die man ja ab und an so gerne jammert – was Gutes oder was Schlechtes ist. Muss jeder selber beantworten.

Fakt ist aber auch: Noto spricht auch davon, dass die chronologische Timeline – die Twitter bisher nicht angerührt hat – vielleicht nicht die beste Art und Weise ist Inhalte an den Nutzer zu bringen. Tweets fallen schon mal unterhalb der Abrisskante der App und tauchen nie wieder auf, die eventuell interessant hätten sein können. So spricht Noto auch von einer besseren Organisierung der Inhalte, wenn der Nutzer die Information dann bekommt, wenn er sie zeitlich hätte brauchen können. Wie Twitter das anstellen möchte ist wirklich eine gute Frage – aber vor kurzem hat Twitter ja sein Analyse-Tool für alle freigegeben. Vermuten lässt sich, dass Twitter mit den Zahlen des hauseigenen Tools arbeiten wird. Eventuell. Vielleicht.

Das große ABER…

Was Noto selbst aber – und das scheint man irgendwie nicht registriert zu haben – auch sagte ist folgendes:

“We’re going to do all of these methodically. We test and make sure we understand what the implications are,” he said. “Individual users are not going to wake up one day and find their timeline completely ranked by an algorithm.”

Schlicht und einfach zusammengefasst: Twitter testet derzeit. Probiert Dinge aus. Experimentiert. Und zwar methodisch und so, dass sie nachvollziehen können wie die Auswirkungen ihrer Experimente sind. Es ist nicht so, dass die Twitter-Nutzer eines Morgens aufwachen werden und eine algorithmisierte Timeline vorfinden werden. Das wird nicht passieren. Sagt Noto sehr eindeutig.

Und das scheint man beim Thema Twitterstreik total übersehen zu haben: Twitter mag die ein oder andere Entscheidung getroffen haben, die nicht perfekt war. Ja, Twitpic ist unschön, aber letzten Endes kann man verstehen dass Twitter auch die Rechte für seine Marke wahrnehmen möchte – und ich werde Twitpic zwar vermissen aber mal ehrlich, die Tech-Blogs werden in den nächsten Tagen mit einer Liste von Alternativen daherkommen und eventuell programmiert jemand Twitpic auch nach unter anderem Namen. Wer weiß. Dass Twitter allerdings auch eine Firma ist, die durchaus mutig ist sollte man auch sehen. Immerhin gesteht die ein, dass man jeden Tag experimentiere und dass eine gewisse Sorgfalt an den Tag gelegt wird. Das heißt auch: Falls sich herausstellen sollte, dass die eine oder andere neue Option nicht funktioniert kann man wohl damit rechnen, dass Twitter die erst gar nicht für alle Nutzer einführt.

Zudem: Twitter scheint sich auch mehr auf das Thema Messaging einzuschießen und man deutete ja auch an, dass eventuell Gruppenchats kommen könnten. Die private DM-Funktion hat man bei Twitter ja auch seit Jahren nicht weiterentwickelt, das könnte sich aber im Zeitalter von Whatsapp und Co ändern. Ob zum Guten oder Schlechten muss man abwarten. Fakt ist jedenfalls: Gestehen wir doch einfach mal zu, dass Twitter eventuell, möglicherweise, wahrscheinlich mit Algorithmen herumexperimentiert. Ob die schlussendlich dann kommen werden ist ja noch eine andere Geschichte.

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