Home / Marketing / Warum Satire im Internet nicht funktioniert oder Sheldon Coopers Sarkasmus-Schild

Paul Watzlawick kanns erklären. Warum das mit Satire und Ironie im Internet so ein Problem ist, also bisweilen zumal. Bei Doktor Sheldon Cooper aus der „Big Bang Theory“ greift Watzlawicks Kommunikationserklärung  ebenfalls, vielleicht haben die Schreiber aber auch mal den schönen Gag zu dem Thema „Hier, dein Schild“ aus Interneturzeiten gesehen.

Fangen wir erstmal mit Watzlawick an, dem Urvater der Kommunikationstheorie – nicht nur, dass der Satz, man könne nicht nicht kommunizieren mittlerweile Allgemeingut geworden ist, auch einiges Anderes aus seinen Forschungen zum Thema ist fürs Internet anwendbar. Wobei der berühmte Satz der Nicht- Nicht-Kommunikation im Internet durchaus funktioniert: Wer nicht weiter in einer Forendiskussion bereit ist seine Meinung zu sagen straft den vorhergehenden Poster mit einer Reaktion die genau darin besteht nicht zu kommentieren. Was im alltäglichen Leben nun etwas besser funktioniert und irgendwie plastischer dazustellen ist: Wer bei einer Zugfahrt angestrengt aus dem Fenster schaut, kommuniziert gerade ja im Schweigen, dass er momentan nicht kommunizieren möchte – klingt kompliziert, wenn man sich das aber mal überlegt ist es logisch. Denn selbst ohne Sprache kommunizieren wir – durch die Gestik und durch die Mimik. Und – was häufig vergessen wird – wir können das nicht einfach so abstellen, wir reagieren immer. Wir können uns eben nicht nicht verhalten.

Digital und analog oder die fehlende Ebene

Watzlawick hat das mal die analoge und die digitale Ebene der Kommunikation genannt – dabei hat das jetzt nichts mit den Begriffen zu tun, die wir heutzutage so anwenden wenn dir analog oder digital sagen – eine digitale Komunikation ist bei Watzlawick nun keine, die nur übers Internet stattfinden würde. So weit war das Internet zu seinen Zeiten noch gar nicht. Nein, dies ist bei Watzlawick anders gemeint. Das gesprochene Wort ist in der Regel eine digitale Kommunikation – diese verfügt über eine komplexe und logische Syntax, dafür fehlt ihr aber auf dem Gebiet der Beziehungen etwas – die Semantik nämlich. Diese wiederum existieren in den nonverbalen Äußerungen – Lächeln, Augenbrauen heben, gestikulieren – allerdings fehlt hier die Syntax. Watzlawick postuliert: Nur wenn beide Bereiche passen, wenn sie übereinstimmen gelingt Kommunikation.

Das Internet hat nicht nur eine komplexe Syntax wenn es darum geht Webseiten darzustellen, die in bestimmten Verzeichnissen liegen und nach einer Sprache – HTML – aufgebaut sind, wir selber kommunizieren im Netz in der Regel nur digital. Das passt rein zufällig zum normalen Gebrauch des Begriffes. Bei einem Videochat hätten wir analoge und digitale Kommunikation übereinander – und deswegen bevorzugen manche Menschen auch lieber diese Art der Kommunikation oder zumindest nutzen sie eher das Telefon – das Telefon als Verstärker nicht nur der Sprache sondern auch der Signale, die über die Sprache hinausgehen – seufzen, schlucken, schnalzen etwa – transportiert zwar nicht alles, aber doch mehr als nur der reine Text.

„Sarcasm!“

In der Regel sollte man allerdings in der Lage sein zu erkennen wie ein Text an sich gemeint ist: Wenn er auf der Webseite der „Titanic“ steht wird man wohl automatisch den Text als Satire einschätzen. Fehlt aber ein definitiver Kontext oder erwartet man denn nicht, wird man die Ironie eines Textes nicht unbedingt sofort erkennen. So wäre in den Steadynews ein ironischer Text nicht ohne Weiteres als solcher direkt zu erkennen. Der Leser muss, wenn er auf einen solchen Text in den Steadynews trifft eine Transferleistung machen: Er muss in der Lage sein den Tonfall, die Wendung als Ironie zu erkennen. Im geschriebenen Text. Auch wenn dieser bisweilen in einem ernsten Gewand daherkommt. Hier erleichtert natürlich die analoge Kommunikation einiges: Allein schon der Tonfall eines Satzes definiert ob ich ihn ernst oder eher ironisch, ja, gar sarkastisch meine.

Bei Sheldon Cooper aus der Big Bang Theory kann man sehen was passiert, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist diese Transferleistung für sich zu realisieren: Sheldon kann zwischen Ernst, Ironie und Sarkasmus nicht unterscheiden und nimmt – sofern der Satz in sich selbst stimmig ist oder kein offensichtlicher Scherz – alles für bare Münze was auf der digitalen Seite vorkommt. Natürlich kann Sheldon zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden, aber er ist nicht imstande den Beziehungskern der Kommunikation wahrzunehmen und zu deuten wenn es um bestimmte Gebiete geht. Daher gibt es in einer Folge der Serie eine Szene, in der Sheldons Mitbewohner Leonard ein großes Schild mit „Sarcasm“ hochhält als Sheldon sich mit der Nachbarin Penny unterhält. Zwar kann Sheldon später in der Serie durchaus ab und an unterscheiden ob etwas sarkastisch ist oder nicht, ja, er wendet die Taktik der Ironie selbst an – allerdings erst nachdem er die Logik und die Manipulationsfähigkeit dieses Verhaltens einsieht. Wobei nach dieser einen Folge Sheldon offenbar das auch wieder vergessen hat…

Vergesst Ironie! Erwartet steten Ernst!

Nun kann die Lösung für diese Dilemma der Nichterkennung von Sarkasmus und Satire im Netz halbwegs mit Emoticons oder anderen Zeichen aufgefangen werden – ;-), 😛 oder -sarcasm etwa. Doch eigentlich ist das Kennzeichen von Ironie doch gerade dass man als Leser versteht, dass dieser Text ironisch gemeint ist ohne auf Erläuterungszeichen angewiesen zu sein. Man sollte also eigentlich davon ausgehen, dass der Leser intelligenter ist als man denkt. Leider ist diese Hypothese im Internet schwierig zu beweisen. In Foren und bei Twitter hat man als Leser des öfteren den Eindruck das Internet sei nur von Leuten bevölkert, die Ironie auch dann nicht verstehen würden wenn man dick und fett IRONIE vorne und IRONIE hinten in den Text einstreut.

Daher: Vergessen wir die Ironie! Schluss mit Texten, die anders gemeint sind als sie geschrieben werden in diesem Internet! Wir lassen uns nichts mehr vormachen! Ab sofort ist alles was wir sagen und meinen definitiv unser vollster Ernst! Überhaupt: Lasst uns nur noch ! verwenden! Damit man sieht wie ernst wir sind! Schluss mit der Zweideutigkeit, her mit der Einfaltigkeit! Wäre ja noch schöner wenn wir dauernd darüber nachdenken müssten wie Texte jetzt gemeint sind! Das geht natürlich in keinster Weise! Daher: Verbannen wir die Ironie! Weisen wir die Satire außernetzwärts! Und Scherze nur noch mit Pointe! Genau!

Über Christian Spliess

Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

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