Was ist eigentlich los mit diesen Start-ups?

Im deutschen Mittelstand prallen aktuell zwei Welten aufeinander: Start-ups und lange erfolgreich im Markt agierende Unternehmen. Ich selbst bin nun seit knapp anderthalb Jahren mit meiner Web & Social-Media-Agentur selbstständig. In dieser Zeit habe ich bei Netzwerkveranstaltungen, über Kaltakquise, per Social Media und bei Kunden vor Ort viele unterschiedliche Unternehmen kennengelernt.

Ich vergleiche diese Situation gerne mit Wasser und Feuer – zwei Elemente, die aufeinander zurollen. Wer wird gewinnen?

Wenn es mehr Wasser gibt und dieses schneller als das Feuer ist, dann das Wasser. Aber müssen wir überhaupt von gewinnen und verlieren sprechen? Können wir nicht einfach intensiv in die jungen, dynamischen Wellen – die Start-ups – reinhören?

Die großen Konzerne haben die neue Form der Unternehmenskultur, die Kommunikation über neue Medien sowie den Trend zur Digitalisierung längst erkannt. Sie haben ihre Unternehmen größtenteils bereits darauf umgestellt oder sind aktuell dabei.

Härter trifft es den seit Jahren etablierten deutschen Mittelstand. Erfolgreiche, lange Zeit gut funktionierende Unternehmen fühlen sich unaufhaltsam überrollt, wollen sich aber gleichzeitig nicht schnell genug auf die neue und digitale Welt einlassen. Die junge Welle der Start-ups spürt, dass die Akzeptanz und das Vertrauen noch gering sind.

Ich hatte am Anfang auch recht wenig für die typischen Start-ups übrig – frisch von der Uni und mit wilden IT- und Onlinekonzepten. Auf der einen Seite fühlte ich mich selbst jung genug, um ein Start-up zu sein. Auf der anderen Seite habe ich als IT-Beraterin und Projektmanagerin bereits über zehn Jahre für große mittelständische Kunden gearbeitet.  Schicke Garderobe, 8cm-Absatz, Rock max. eine Handfläche über dem Knie, blauer, schwarzer oder grauer Anzug – das volle Programm. So wie der Business-Knigge es eben vorschreibt.

Zu locker, zu modern und zu schnelllebig schien mir dagegen die Welt der Start-ups zu sein. Die erste Zeit hat es mich sehr gewundert, was diese jungen Menschen, die gerade frisch von der Uni kamen oder vielleicht noch mitten in einem Studiengang waren, schon alles „professionell“ leisten konnten. Diese herrlich unbelastete Selbstsicherheit, die eine unglaubliche Motivation und Antriebskraft für innovative Leistungen ermöglicht, hat mich sehr beeindruckt.

Ich habe Zeit gebraucht, um herauszufinden, zu welcher Seite ich gehören möchte. Ist es weiter ein sehr formaler Umgang miteinander, Standard-Smalltalk, die „steife und dunkle“ Garderobe sowie das trockene „Sehr geehrte…“ oder doch lieber das moderne „Hallo…/Hey…“ mit einer herzlichen Umarmung zur Begrüßung sowie kurzweiliger Smalltalk über „Dies und Das“ und das Versammeln auf Camps und Ideenpartys?

Ich habe meine Mitte gefunden. Inzwischen sehe ich mich selbst als Übersetzerin dieser beiden Welten für IT-/Onlinemarketing und Social Media Marketing und ziehe für die Realisierung der Webprojekte gerne auch Start-ups hinzu.

Auf der einen Seite sind es über zehn Jahre Berufserfahrung aus der Beratung sehr konventioneller deutscher mittelständischer Unternehmen, die mir Themen wie Optimierung der Geschäftsprozesse, solides und ruhiges Handeln mit Blick auf das Qualitätsmanagement, langfristige Sichtweise und Planung sowie Ordnung beigebracht haben. Auf der anderen Seite die junge, dynamische, offene und ideenreiche Bewegung der aufblühenden Start-ups, der ich mich ebenfalls zugehörig fühle.

Nach der Erfahrung in den letzten 1,5 Jahren wünsche ich mir, dass unser Mittelstand den Start-ups auf Augenhöhe begegnet – auch wenn gegenüber junge Unternehmer ganz ohne Anzug und Krawatte stehen. Glauben Sie mir: Von keiner anderen Zielgruppe können Sie mehr und schneller alles über den digitalen Trend und die moderne Unternehmenskultur lernen. Das wird Ihnen in den vielfach angebotenen Foren, Workshops oder Schulungen für mehrere Tausend Euro nicht beigebracht! Lassen Sie sich selbst auf die Start-ups ein, ggf. mit einem Übersetzer, der beide Welten versteht und eine ausgewogene Linie für Ihr Unternehmen findet. Bleiben Sie am Ball. Denn der starke Mittelstand sollte auch in Zukunft stark bleiben und beim digitalen Wandel von der jungen Generation profitieren.

 

olgaGENUM

Olga Benner (Inhaberin)
web. socialmedia. agentur.
Europaplatz 2, 44269 Dortmund

www.genum.de

 

2 thoughts on “Was ist eigentlich los mit diesen Start-ups?

  • Reply Ralph 30. April 2015 at 20:19

    Hallo Frau Benner,

    ein sehr schöner Artikel, der Ihre Position in der Welt der Unternehmen bilderreich beschreibt. Die eigene Position zu finden ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Für mich spielt es dabei keine Rolle, ob eine Seite „gut oder böse“ ist. Persönlich bin ich in beiden Welt aktiv. Kenne also die jeweiligen Vor- als auch Nachteile. Deswegen ist viel wichtiger, dass man Spaß hat.

    In diesem Sinne viel Freude sowohl mit den Start-ups als auch mit den etablierten Unternehmen.

    Ralph

    • Reply Olga Benner 3. Mai 2015 at 15:18

      Hallo Ralph,

      danke ;-).

      Ja, sehe ich auch so! Wenn man Freude an der Arbeit hat, die auch gleichzeitig Nutzen für den Kunden bringt, ist das viel wert.

      Beste Grüße

      Olga

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