Arbeit und Sinn – was es mir persönlich bedeutet

Arbeit und Sinn – für mich etwas, was untrennbar miteinander verbunden ist. Ich definiere Arbeit von zwei Seiten her: Zum Einen als das, was mir meinen Lebensunterhalt ermöglicht. In meinem Fall permanent unsicher, abenteuerlich, herausfordernd. Sobald ich nicht mehr gut bin in meinem Job – oder meine Mitbewerber die bessere Wahl für den Auftraggeber sind – muss ich mir neue Wege graben. Und zwar schnell 😉 Zum Anderen definiere ich Arbeit als das, was mir meine Lebendigkeit, meine Kraft und mein Lebensglück schenkt. Ich definiere mich über Arbeit. Meine Arbeit zeigt mir, dass ich wichtig bin und dass ich Vertrauen haben kann in dieses wunderschöne Leben.

Woraus speist sich mein persönlicher „Sinn“?

Es fing als Kind schon an. Ich suchte in Allem, was ich in meiner Freizeit tat, Sinn. Schule und auch Vereinsmitgliedschaften empfand ich als quälend, irgendetwas stimmte nicht, wenn ich „gehorchte“, ohne in meinem Inneren den Drang zu verspüren, zu tun, was ich tun sollte. Naja, Einzelkind eben…

In den letzten Wochen habe ich ein wenig meine kleine Nachbarin (8 Jahre alt) bei ihren Home-Schooling Wochenaufgaben begleiten dürfen, und sofort war die Erinnerung wieder da: Stumpfsinnige Aufgaben ohne jegliche innere Beteiligung – hat sich in den letzten fünfzig Jahren denn nichts verändert? Diese Art von Fragestellungen sind bestimmt unerlässlich, damit sich durch permanente Wiederholungen die Antworten im Langzeitgedächtnis einnisten – doch schön ist was Anderes. Es sei denn, man erfährt Sinn dadurch, dass man gelobt und belohnt wird für seine Leistungen und seine Schönschrift…

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Sinn als Teenager

Als Teenager war ich dann nachmittags in sozialpolitischen Gruppierungen tätig, die sich um die Menschen unserer Stadt kümmerten, die arm und benachteiligt waren. Die Wut über Ungerechtigkeiten, Ignoranz und Hochmut tat mir gut. Sie gab mir Kraft, meine Schüchternheit zu überwinden und in die Öffentlichkeit zu gehen. Viel später (eigentlich erst vor ein paar Wochen) sollte ich begreifen, dass mein „Arbeits-Sinn“ gerade als Jugendliche auf der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium beruht. (Hab ich mal unten angehängt im Text, wirklich wunderwunderschön).

Mein Arbeits-Sinn heute

Seit meiner Jugend also ziehe ich „Sinn“ aus Allem, was man wohl immer noch so allgemein als Helfersydrom verachtet. Kümmert mich wenig. Ich habe genügend Körpergefühl um spüren zu können, was mich stärkt und fröhlich macht. Ich habe genügend Lebenserfahrung, um darauf zu vertrauen, dass mein angebliches Helfersyndrom mich nicht in psychische Krankheiten führt. Und vor Allem verfüge ich seit vielen Jahren über genügend Egoismus und Ekpathie (Gegenspieler von Empathie – Abgrenzung von belastendem Mitgefühl) so dass ich auch gut „Nein“ sagen kann, wenn ich um Hilfe gebeten werde.

Es gibt ja so viele Sinn’s!

Ich weiß und achte, dass es viele Motive gibt, in Arbeit „Sinn“ zu finden. Für mich ist Ehrgeiz genau so anständig und ok wie mein „Zu Unabhängigkeit und Glück führen“ wollen. Ebenso der Antrieb, reich zu werden, mächtig, beliebt, gebraucht, siegreich in welcher Form auch immer. Ich persönlich liebe es, wenn Menschen sich vom „Käfighuhn“ zum freien fliegenden Vogel entwickeln – aber ich liebe auch Menschen, die von menschlichen Käfighühnern profitieren – ich stelle mich da nicht drüber. Sie werden schon ihre Gründe haben, so geworden zu sein.

Männer und Frauen

Als Coach hab ich sie alle, es ist wie ein Wunder. Bei den Frauen finde ich viele meiner „Sorte“ vor, aber in vielen Variationen. Da gibt es die Familienbehüterin, die Kümmerin, die Feministin, die Pflichtbewusste, die Poetin, die Rebellin… es ist so wunderschön, wenn ich dazu beitragen kann, dass sich die Flügel stärken und das Selbstvertrauen wächst. Bei meinen Männern sind die Richtungen tatsächlich etwas anders gelagert. Da finde ich die Sehnsuchtsvollen, die Wütenden, die Zweifler, die Malocher, Beschützer und die Verweigerer von Fremdbestimmung und Schufterei. Mag natürlich subjektiv sein, aber in meiner persönlichen Erfahrungswelt unterscheiden sich Männer und Frauen in ihren Sinn-Ausrichtungen schon ein bisschen. Und gerade das finde ich spannend.

Sinn finden in abhängiger Arbeit?

Lange Zeit haben die Menschen gesagt, dass es ihnen ausreicht, Geld zu verdienen mit ihrer Arbeit. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, und als Bergarbeiter oder am Fließband liegt der Sinn nicht in der Tätigkeit selbst, sondern im Drumherum. Die Kollegen, der Kampf um Arbeitsrechte, das Leben in der Nachbarschaft, politische Debatten, Feiern und der Fußball trugen dazu bei, dass die Arbeit mehr war als stumpfinnige Plackerei. Die Frauen zogen ihren Sinn aus der Familie, der Nachbarschaft, ihren unzähligen Fähigkeiten, ihrem Fleiß – und dem Einfallsreichtum, aus fast nichts doch noch etwas zu zaubern, wenn es eng wurde in der Kasse.

Diese Zeiten sind vorbei. Wir leben in einer Wohlstands- und Dienstleistungsgesellschaft, und ehrlich gesagt traue ich es nur Wenigen zu, so etwas wie die Not nach dem Zweiten Weltkrieg zu bewältigen. Ich selbst würde sicher nicht dazu gehören. Wahrscheinlich wäre ich nach kurzer Zeit verhungert, erfroren oder was auch immer. Ein unnützer Klotz am Bein der Geschichte… Wir müssen uns damit abfinden, dass wir keine schwer schuftenden Bergarbeiter mehr sind. Aber auch wir brauchen Sinn in unserer Arbeit! Wir brauchen es alle!!!

Ich selbst kann auch verkaufen, plakatieren, alte Menschen betreuen, Kinder anführen, Schmuck herstellen, (miserabel) putzen, bedienen und unterhalten in der Gastronomie… Alles schon erprobt, und das sind alles Bereiche, in denen ich Sinn und Glück finden konnte. Immer war wichtig, dass ich als freier Vogel arbeiten konnte. Sobald jemand mich zum „gehorchen“ abrichten wollte, war ich weg. Das ist drüber, dieses Opfer bin ich nicht bereit zu tragen, auch nicht für viel Geld.

Was ist Dein Sinn?

Was ist Dein Sinn? Was muss Arbeit haben, damit DU Dich stark und glücklich fühlst? Von meinem Sohn habe ich gelernt, dass es keine Menschen gibt, die „faul“ geboren werden. Ist jemand antriebsschwach und gelähmt, hat das immer Gründe. Und die liegen im fehlenden „Sinn“. Wir alle sind wichtig und richtig und werden gebraucht. Kraft, Dankbarkeit und Glück sind die Früchte unseres Lebens, wenn wir genügend Licht, Wasser und Nährstoffe erhalten. Es lohnt sich, diesem Sinn nachzuspüren und sich ihm anzuschließen. Gleichgesinnte finden, Träume haben, „Nein“ sagen können, forschen und lernen und immer besser werden. Wer seinen „Sinn“ gefunden hat, kann auch mit Scheitern klarkommen. Und mit den eigenen Fehlern leben. Sagte ich schon, wie egoistisch und rücksichtslos ich bin? Tja, Einzelkind eben – es tut mir leid, aber ich söhne mich immer wieder aus mit dem, dass ich so bin wie ich bin wie ich bin.
So, und nun wie versprochen die Bergpredigt. Mal ehrlich, ist sie nicht wunderwunderschön?

Bergpredigt

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Quelle: Matthäus Kapitel 5 – die Bergpredigt

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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