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Bloggingplattform Tumblr: Leben Totgesagte länger? 0

Tumblr wurde im Jahr 2019 an die WordPress-Mutter Automaticc verkauft. Nun gibt es bereits eine spannende Neuerung: Die Gruppenchat-Funktion. Die Bloggingplattform, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 13 Jahren weiterhin sehr verspielt, kreativ, nischig und jung wirkt, erlaubt es nun, dass die Nutzer sich besser untereinander vernetzen können. Die Gruppen-Chats sind in jedem Fall öffentlich einsehbar. Chatbeiträge zerstören sich innerhalb von 24 Stunden selbst.

Die Admins der Gruppenchats können spielend leicht Kommentare löschen oder auch Chat-Mitglieder entfernen. So kann Hass und Propaganda vermieden werden. Wer weiß…. Vielleicht erlebt Tumblr nun eine neue Blüte! Das wäre dem Urgestein der Web 2.0 Philosophie vom freien Netz doch sehr zu wünschen.

Nach harter Zeit nun eine neue Heimat

Die im Jahr 2007 gegründete Bloggingplattform Tumblr hat es nicht leicht gehabt, seit sie 2013 an Yahoo

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

verkauft wurde. Bis dahin war die Kommunikations-Kultur der Tumblr-Nutzer etwas Besonderes gewesen: Hier war mehr oder weniger alles erlaubt. Freiheit war die oberste Doktrin für die Tumblr-Community. Durch die spezielle Kommunikationsstruktur wurden Pöbeleien vermieden: Kommentare zu Blogposts gab es ganz einfach nicht. Man kann bis heute nur liken und teilen (reposten). Die Möglichkeit der anonymen Nutzung bietet Spielraum für viele Nischen und Eigenarten.

Kein Wunder, dass bei dieser Freiheit auch pornografische Blogs ihre Plattform gefunden hatten. Im Sommer 2018 warf Apple sogar die Tumblr-App aus dem iOS-Store, weil Kinderpornografie nicht früh genug entdeckt worden war. Das ging natürlich überhaupt nicht und war ein schlimmes Versagen. Daraufhin wurde bei Tumblr ein „Porno-Filter“ eingeführt.

Nun ist Tumblr für einen Bruchteil des damaligen Verkaufspreises an Yahoo (1,1 Mrd. Dollar im Jahr 2013) an die WordPress-Mutter Automaticc verkauft worden. Das Online-Magazin Axios schreibt, es wurden im Juni 2019 weniger als 20 Millionen Dollar dafür gezahlt. Ob das stimmt oder nicht, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Automaticc als Heimat der Bloggerszene hoffentlich in der Lage ist, die Seele der Bloggingplattform zu schützen. Denn sie vertritt wichtige Grundprinzipien der Web 2.0-Community:

Einfach mal ausprobieren?

Du darfst hier frei posten und Dich kreativ verwirklichen – und das unter einem von Dir gewählten Pseudonym. Du kannst Bilder, Videos, Texte, Links und GIF’s ganz nach Deinem Belieben einfügen – und Du kannst zwischen Deinen eigenen Blogposts andere Tumblr-Blogbeiträge reposten – also mit in Deinen Blog aufnehmen. Du brauchst keine Kenntnisse von Content-Management-Systemen: Der Einstieg in Tumblr ist auch für Laien kinderleicht.

Nun, da es auch noch den (öffentlich sichtbaren) Gruppenchat bei Tumblr gibt, bleibt zu hoffen, dass sich die Plattform wieder in alte Höhen erhebt – ja, auch mit „Not Safe For Work“ Inhalten. Also mit Inhalten, die man besser nicht am Arbeitsplatz aufruft. In Zeiten, in denen Kontrolle, Zensur und Überwachung immer selbstverständlicher akzeptiert werden, brauchen wir eine Insel der „Anders-Sein“ Vertreter.

Hauptsache, die Menschenrechte und Gesetze werden beschützt von den Administratoren und Plattformbetreibern. Doch innerhalb der allgemeinen Regeln sollte Tumblr die Bloggingplattform der Freien bleiben. Wer weiß, vielleicht können wir von Tumblr lernen, dass es auch mit Pseudonymen und Toleranz möglich ist, eine freundliche, respektvolle Welt zu erschaffen. Geben wir Tumblr eine Chance.

Quelle:
heise.de: Tumblr startet Gruppenchat

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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