Detlef Schumann: 71 tote Flüchtlinge – ein völlig anderer Wien Besuch

Es ist drückend heiß in Wien. Das Thermometer zeigt 34 Grad, als der Flieger auf dem Boden des Wiener Flughafen Schwechat aufsetzt. Wir wollten unseren Hochzeitstag in Wien feiern und hatten schon früh eines der günstigen Sparpreistickets bei Germanwings gebucht. Auch freut der Tipp, das „3 für 2 Angebot“ des Hotels Beethoven, zwischen Naschmarkt und Karlsplatz zu wählen, unsere Geldbörse.

Bei der Buchung im Februar war nicht abzusehen dass Wien im August desselben Jahres Durchgangsstation für Wien_Fiaker_SchumannFlüchtlinge aus Kriegs- und Armutsländern sein wird.

Dass nur wenige Tage vor unserer Ankunft 71 Flüchtlinge von Schleppern in der prallen Hitze in einem Kleintransporter ihrem Schicksal überlassen wurden, ist an jedem Zeitungsständer nachzulesen. In diesen Tagen scheint das fröhliche Wien etwas inne zu halten.

Rundum Wien es geht auch Nackt

Wien_Schumann_1„Hallo Bonjour“, spricht mich eine Stimme an. Ich stehe am Flughafen, um mir eine 8 Tage Klimazonenkarte für den Aufenthalt in Wien zu ziehen. Für weniger als 40,– Euro ermöglicht mir dieses Ticket an acht frei wählbaren Tagen die öffentlichen Verkehrsmittel  in der Innenzone Wiens zu nutzen.

Erstaunt drehe ich mich um und schaue in die Gesichter eines französischen Ehepaares, welches wohl einige Tage in Wien verbracht hat und nun auf den Rückflug nach Paris wartete.

Mit einem Lächeln hielt mir Pascal Benoit, wie er sich vorstellte zwei Tickets hin und erklärte mir, dass ich die restlichen 6 Fahrten noch aufbrauchen könne, weil er keine Verwendung mehr dafür hat. Ehe ich mich noch richtig bedanken konnte, war er schon wieder verschwunden um seiner Frau nachzueilen.

Glücklich über diese unerwartete Ersparnis schaute ich nach Andrea, meiner Ehefrau. Wir wollen unseren Hochzeitstag in Wien feiern und ein solches Geschenk schont unsere Reisekasse. „Das gibt ein Sacher Törtchen extra“ verspreche ich meinem Schatz, als wir in die S-Bahn 7 steigen.

Vorbei geht es an Raffinerien und dem Wiener Zentralfriedhof mit den Gräbern von Beethoven, Brahms, Strauß und anderen begabten Musikern in Richtung Wiener Innenstadt.

Einem Tipp folgend haben wir das Hotel Beethoven zwischen Naschmarkt und Karlsplatz vis à vis dem Theater Hotel_Wien_Schumannan der Wien gewählt. Von hier lassen sich die meisten Sehenswürdigkeiten schnell zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Wiener Linien erreichen.

Ob Schloss Belvedere, das Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Uno City mit der modernen Architektur und dem beeindruckenden Donauturm. Wir wollen alles erkunden. Mit den zentralen Linien 1 oder 4, sowie den Straßenbahn und Buslinien sollte das vom Hotel Beethoven ohne unnötige Zeitverluste funktionieren.

Es ist früher Nachmittag und der Naschmarkt lockt mit seinen zahlreichen Holzbuden zum Stöbern, da wollen wir doch gleich loslegen. Zunächst aber ins Hotel Beethoven wo uns die Chefin persönlich begrüßt. Nachdem das Gepäck im Zimmerverstaut ist, kommen wir ins Foyer und erhalten von Barbara Ludwig erste wertvolle Tipps.

Wasser kostenlos

„Wenn ihr Essen geht, bestellt statt Mineralwasser Leitungswasser, dass kommt in Wien direkt aus den Alpen und wird meist nicht berechnet“.

Dieser Tipp war in den Tagen ebenso wertvoll wie die kleine Wasserflasche, welche sie uns mitgab. „In Wien gibt es überall Wasserstellen, hier könnt ihr die Flasche auffüllen und Euch erfrischen“.

Mit diesen Worten gab sie uns einen Stadtplan, auf dem neben U-Bahn, Straßenbahn und Buslinien sämtliche Wassertankstellen mit einem blauen Wassertropfen gekennzeichnet sind.

So perfekt ausgerüstet ging es die wenigen Meter zum Naschmarkt, der in langer Reihe aufgebaut an den Viktualienmarkt in München erinnert. Andrea mahnte zur Eile. „Lass uns noch Richtung Oper und die Einkaufsstraße zum Stephansdom gehen. Die Geschäfte sind noch geöffnet und bei anbrechender Dunkelheit ist ein Bummel vorbei an den glitzernden Auslagen besonders schön.“

Wien_Schumann_PraterSpäter ging es noch zum Wiener Prater, denn eine Fahrt mit dem Riesenrad ist bei Nacht besonders reizvoll. Der anschließende Bummel vorbei an blinkenden Fahrgeschäften und fröhlichen Menschen machte Freude auf die kommenden Tage. Erschöpft aber glücklich fielen wir ins Bett und die komfortable Liegestatt sorgte für einen erholten Schlaf.

„Uii, schon 7.00 Uhr“ rief Andrea aufgeregt, „schnell unter die Dusche und dann Frühstück, wir haben noch viel vor.“ Schloss Schönbrunn mit seinen Gartenanlagen, der Orangerie, dem Wüstenhaus und dem ältesten Zoo Europas warteten genauso wie die Gloriette und der Neptunbrunnen auf unseren Besuch.

Gerne hätten wir noch eine Abkühlung im Schönbrunner Freibad genommen. Hier hat schon Kaiser Franz Josef das Schwimmen gelernt. Doch wir hatten uns ein sehr straffes Besichtigungsprogramm vorgenommen. So warfen wir nur einen wehmütigen Blick auf die beneidenswerten Gäste, die bei 34 Grad und strahlendem Sonnenschein ihre Bahnen schwammen.

Uns zog es weiter zum Schloss Belvedere unweit des Wiener Hauptbahnhofes. Herrlich der Blick über die Wien_Schloss_BelvedereGartenanlage und dem unteren Wohnschloss, hinein in die Wiener Altstadt. Es bedarf nur wenig Phantasie, um sich das Leben des Prinz Eugen von Savoyen in diesem Prachtbau vorzustellen.

Wir entdecken den Stephansdom und wollen nun endlich die Gassen, die  Kunstwerke und zahlreichen Kirchen in der Wiener Altstadt entdecken. Zuvor zieht es uns aber vorbei an Parlament und Rathaus in die Wiener Hofburg. Ein Prachtbau reiht sich an den nächsten. Wahrscheinlich braucht man Monate, um alle intensiv zu genießen. Welche Kunstwerke mögen sich hinter den Mauern verstecken?

Hungrig von den vielen Eindrücken wollen wir nun einem Tipp von Hotelchefin Barbara Ludwig folgen und fahren mit der U Bahnlinie 1 bis zu Endhaltestelle Reumannplatz zum Eissalon Tichy. Nur hier gibt es Eismarillenknödel, eine Wiener Spezialität, für die einige Gäste sogar extra aus den USA anreisen.

Wir sind davon nicht so angetan. Besser gefällt uns das Wiener Schnitzel im Gasthaus Reinthaler, nur 3 Minuten vom Wiener Prater entfernt. Seit 12 Jahren ist Kerstin Reinthaler die Frau am Herd und wer bei ihr bestellt muss entweder einen riesigen Hunger und einen großen Magen oder eine Tupperdose mitbringen.

Um das Essen abzutrainieren, folgen wir dem Rat der Köchin und nehmen die Linie 2 zum Museumsviertel. Von hier geht es die Marie Hilf Straße hinauf vorbei an zahlreichen Geschäften und wir landen schließlich am Westbahnhof. Eigentlich sollte es von hier zurück zu unserem Hotel gehen, doch wir werden Zeugen einer großen Ankunftswelle mit Flüchtlingen, welche gerade aus Ungarn kamen.

Die Hilfsbereitschaft der Österreicher ist enorm obwohl sie wissen, dass die Flüchtlinge alle nach Deutschland Wien_Schumann_Wien_Fluechtlingewollen. Schon kommt ein Bahnbeamter und mahnt zur Eile, denn in 40 Minuten geht der Zug nach München. Keiner der Menschen wurde auf seine Herkunft überprüft. Auf unsere Nachfrage bei der Polizei erhielten wir die Antwort, „Die wollen doch alle nach Deutschland.“

Rasch werden noch einige Essenspakete gepackt und ab geht es zum Zug. Extrawaggons schaffen Platz für den großen Andrang. Als der Zug abfährt hört man die Jubelrufe „Germany, Germany“ oder „Merkel, Merkel.“

Zufällig erfuhren wir von einem Gedenkgottesdienst im Stephansdom, welcher für die 71 erstickten Flüchtlinge von dem Wiener Kardinal Schönborn gehalten würde. Ein voller Stephansdom, das wollten wir miterleben.

Wien_Schumann_Trauergottesdienst2Dass viele Regierungsvertreter wie Kanzler Werner Fayman oder Innenministerin Johanna Mickl-Leitner und Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz  dabei waren, zeugte eher für Unmut unter den Gläubigen. Oft hörte man sie tuscheln, statt in der Kirche sollten sie sich lieber im Parlament um das Flüchtlingsproblem kümmern. Auch uns ließ der Trauergottesdienst nicht unberührt.

Beim Verlassen des Stephansdom, kamen wir mit einer Wienerin ins Gespräch, welche uns den Tipp gab dem Trubel rund um den Stephansdom auszuweichen und in eines der Heurigenlokale Richtung Grinzig zu entfliehen. Außerdem sollten wir unbedingt die UNO-City und den Donauturm anschauen. „Bei der Gelegenheit könnt`s ihr noch die zahlreichen Strände auf der Donauinsel kennenlernen und eine Runde schwimmen.“

Wien_Schumann_Willkommen_Fluechtlinge

Im ältesten Freibad Europas

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Barbara Ludwig meinte noch „Wenn ihr Naturisten seid, müsst ihr unbedingt zum Gänsehäufel. Dort treffen sich im öffentlichen Strandbad an heißen Tagen bis zu 30.000 Wiener und der Süd- und Oststrand ist nur für FKK-Anhänger reserviert.“

Dieser Rat war bei Temperaturen um 34 Grad der wohl wertvollste den wir in diesen Tagen erhalten hatten, denn nach Donauinsel, UNO-City und Donauturm war die Abkühlung in der Donau genau das Richtige. So dachten neben uns auch rund  3.000 bis 4.000 Wienerinnen und Wiener, die ebenfalls hüllenlos auf dem großen Areal Abkühlung und Entspannung fanden.

Auch die schönsten Tage gehen einmal zu Ende. Kurz vor dem Rückflug ging es dann noch einmal zum Zentralfriedhof, um die Gräber berühmter Komponisten, Wiener und Österreichischer Staatmänner zu besuchen. Mit einer Vielzahl von Eindrücken bestiegen wir den Fliegerund versprachen uns und Wien – „Wir kommen zurück.“

Anreise mit Flugzeug Germanwings.com und Air Berlin.com , Bahn.de , Nachtzug oder mit dem Auto. Hotel z.B. Hotel-Beethoven.at, mehr unter  www.wien.info

Schumann-DetlefSchumedia
Detlef Schumann
Poststr. 195
44809 Bochum
Tel.: 02 34 / 524 90 00
Mobil: 01 63 / 35 99 60

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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