Deutscher Preis für Onlinekommunikation für BVG-Kampagne #weilwirdichlieben

Social Media ist nicht leicht: Entweder man versucht es nach dem Motto „allen Menschen recht getan“ – und bleibt verschwommen und langweilig, oder man ist provokant, bleibt in Erinnerung – polarisiert damit aber auch zwangsläufig. Ein Beispiel dafür aus dem Jahr 2015 sind die Berliner Verkehrsvertriebe mit ihrer Social Media Aktion #weilwirdichlieben. Fahrgäste wurden aufgefordert, unter diesem Hashtag ihren Emotionen zur BVG freien Lauf zu lassen – und natürlich gab es auch viel Kritik und Wut. Wie schön, dass sie trotzdem (oder gerade deswegen) schon mehrere Preise bekommen haben – nun auch den Deutschen Preis für Onlinekommunikation im Bereich Großunternehmen. Herzlichen Glückwunsch!

Was macht die BVG-Kampagne so erfolgreich und herausragend?

Die berühmte „Berliner Schnauze“ passt natürlich gut zu einer Hashtag-Kampagne bei Twitter (aber auch bei Facebook und BVG-KampagneInstagram), die es mehr oder weniger auf Kritik, Geschimpfe und Beschwerden angelegt hat. Denn gerade öffentliche Verkehrsbetriebe stehen im Zentrum für Kritik: Verspätungen, überfüllte Bahnen, zu viel Körperkontakt, Lärm… und dann sind ja auch im öffentlichen Nahverkehr viele Menschen unterwegs, die sich nicht so verhalten, wie man es sich wünscht: Betrunkene, „Outlaws“, Jugendliche, spielende Kinder – kurz und gut, es war dem Social Media Team und der Agentur GUD sicher schon vor dem Start klar, dass der Hashtag #weilwirdichlieben viele spannende Reaktionen nach sich ziehen wird.

Lustige, freche Antworten auf Tweets wie von der AfD führten schnell dazu, dass sich auch Medien über Berlin heraus für die BVG interessierten. Die lustigsten Dialoge wurden in vielen Presse-Erzeugnissen wiedergegeben – das Einbetten von Tweets macht das den Journalisten leicht und lockert solche Artikel angenehm auf.

 

Das Team schafft es wunderbar, den richtigen Ton zu treffen und Respekt, Zugewandtheit und Selbstbewusstsein mit der „Berliner Schnauze“ zu verbinden. Höhepunkt der Social Media Kampagne wurde dann der Sing „Ist mir egal“, der diese ganzen Emotionen der Fahrgäste, der BVG-Abgestellten und der staunenden Leser zusammenfasst.

Es wäre schön, wenn sich noch mehr Großunternehmen dazu durchringen könnten, Social Media als das zu begreifen, was es ist: Eine neue Kommunikationskultur, die auf Augenhöhe basiert und nach ganz anderen Gesetzen funktioniert als Werbung: Dialogpartner sind gleichberechtigte Menschen, denen genau soviel Respekt und Kompetenz zugesprochen werden muss wie den Kampagnen-Veranstaltern. Verbraucher sind die altbekannten Werbebotschaften satt. Statt der oberflächlichen und oft kitschigen Emo-Kicks wollen sie hinter die Kulissen blicken und sich als aktive Teilnehmer des Unternehmens wahrnehmen und geschätzt wissen. In diesem Sinne hier noch mal zur Bekräftigung: „Ist mir egal“ mit 7,5 Mio. Aufrufen bei YouTube – danke BVG!

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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