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Facebook, die „Apothekenumschau“? Von wegen! 0

Vor wenigen Tagen postete ein lieber Facebook-Freund (und Hypnotiseur): „FACEBOOK ist die Apothekenumschau unter den „neuen“ Medien“. Doch ich sage: „Von wegen!“ Zunächst zeigen die weltweiten Nutzerzahlen von Facebook, dass die Mär, nur noch Menschen 50+ würden Facebook nutzen, wirklich nicht stimmt. Weltweit steigert sich Facebook weiter auf 2,6 Milliarden Mitglieder, und davon sind immerhin 1,73 Milliarden täglich aktiv. WhatsApp, Instagram und der Messenger kommen dann noch hinzu. So dass sich eine Gesamtzahl von 2,99 Milliarden Mitgliedern im Facebook-Universum ergibt. Quelle: allfacebook.de vom April 2020

Wohin wird sich Facebook weiterentwickeln?

Bild von mohamed Hassan auf Pixabay 

Um etwas über die Zukunft des digitalen Kommunikations-Giganten zu erahnen, muss man sich die Entwicklungen der letzten Monate anschauen. Da sieht man bei Instagram, dass sich die einstige Bilder-Community zunehmend Richtung Online-Shopping-Mall entwickelt. Und in dieser Online-Shopping-Mall gibt es viel Entertainment und viel Deko, das gefällt nicht nur jungen Leuten. Mit dem neuen Reel versucht Instagram, die Faszination des chinesischen TikTok zu kopieren – und bald gibt es auch den vollständig integrierten Instagram-Shop – auch für kleine und große Influencer!.

WhatsApp, das „Dark Social“ Universum

WhatsApp schielt ebenfalls in Richtung Commerce. Nachdem im November Unternehmen untersagt wurde, per WhatsApp Massenmails zu versenden, wird daran gearbeitet, attraktive Lösungen zu finden, um mit Marken und Anbietern intensiver zusammenzuarbeiten. Facebook muss allerdings Rücksicht darauf nehmen, dass Telegram, Signal und Co ernst zu nehmende Wettbewerber sind. Sollten sich die Nutzer von WhatsApp über Werbung ärgern, switchen sie womöglich um zu einem anderen Messengerdienst.

Immerhin gibt es hier auch eine kleine Innovation: Nutzer müssen nicht mehr händisch die Telefonnummer eines Unternehmens mit WhatsApp-Business Angebot eingeben – nun kann das auch über einen QR-Code erfolgen. Ansonsten gilt weiterhin: WhatsApp-Business ist für kleine Unternehmen gedacht, die Kundensupport anbieten wollen. Der Kunde agiert, das Unternehmen antwortet.

Die Vision vom weltweiten Bezahlsystem

Für große Unternehmen gibt es spezielle Lösungen bei WhatsApp – aber natürlich ist das eigentliche Ziel, Werbeeinnahmen zu generieren. Facebook braucht zunächst die Möglichkeit, direkte Zahlungen anzubieten – danach sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Vision von Facebook ist anscheinend, mit einem eigenen Bezahlsystem Paypal Konkurrenz zu machen und letztendlich so wichtig zu werden für Buchungen und Zahlungen wie WeChat in China… Und das mit WhatsApp und dem Messenger…

Und was ist mit der Mutter selbst? Was ist mit Facebook? In Zeiten, in denen die Menschen mit ihren privaten Erlebnissen ins „Dark Social“ zurückziehen und öffentlich sichtbare Netzwerke zunehmend passiv nutzen, könnte es ja wirklich sein, dass Facebook veraltet und für junge Menschen zur Peinlichkeit wird. Denn wer will schon mit Menschen über fünfzig zu tun haben 😉 !

Wird Facebook zur Tageszeitung?

Ich beobachte seit geraumer Zeit, dass Facebook sich mehr und mehr zur personalisierten „Volkszeitung“ entwickelt. Oder freundlicher ausgedrückt: Zur personalisierten „Harry Potter Zeitung“. Nachdem die Phase der Förderung von Facebook-Gruppen, dem Facebook Marketiplace, Facebook Datings und der Facebook-Live-Videos (da wollte uns Facebook wieder zurück in die private Nutzung locken – aber WhatsApp war eben besser und mächtiger) nicht so wirklich den gewünschten Erfolg zeigte, erweitert Facebook nun nach und nach sein Angebot, um uns zu Abonnenten unseres täglichen News- und Entertainments-Bedarfs zu erziehen.

Zunächst kam Facebook-Watch (vorwiegend in der Mobile-App) mit den vielen kurzen Videos – und nun kommt sogar noch Musikvideo-Streaming hinzu! Damit will Facebook (allerdings nicht zum ersten Mal – ich sage nur IGTV…) YouTube Konkurrenz machen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das gerade für junge Menschen eine spannende Alternative zu Instagram werden könnte.

Facebook-Musikstreaming

Bisher durften Musiker, die bei den großen US-Labeln unter Vertrag sind, ihre Musikvideos nicht vollständig bei Facebook posten. Nur Ausschnitte waren erlaubt, da es keine umfassende Lizenzvereinbarung gab. Doch nun hat Facebook Verträge ausgehandelt und wird sicher viel dafür tun, dass sich die Investition bezahlt macht.

Ab August können Musiker auf ihren Facebook-Seiten die kompletten Musikvideos streamen. Sie müssen nicht einmal die Videos selbst hochladen – sie müssen Facebook nur die Erlaubnis geben, neue Videos zu veröffentlichen. Der Rest passiert dann von allein. Zunächst ist der Service nur in den USA verfügbar – wir in Deutschland müssen noch warten.

Die Facebook-Illustrierte

Bei Facebook-Watch haben wir uns schon daran gewöhnt, dass Facebook uns einen bunten Mix aus abonnierten Videos und Empfehlungen serviert. Im Newsstream ist es sowieso Alltag, dass Freunde, abonnierte Seiten, Gruppen und Facebook-Werbung sich die Hand reichen. Nun fehlen nur noch die Presseverlage mit ihren täglichen News – und dann noch die Todesanzeigen (für die Fans der Apothekenumschau) – und die Facebook-Illustrierte ist fertig.

Ich bin gespannt, ob ich recht habe. Das ist ja das Schöne am Schreiben, dass ich in ein, zwei Jahren überprüfen kann, ob Facebook wirklich zur weltweiten, personalisierten Volkszeitung mutiert. Vielleicht wird der Gigant ja tatsächlich zum Altersheim – aber glauben tu ich das nicht. Und die Zahlen sprechen nun mal eine ganz andere Sprache…

Quelle: Mimikama am 15. Juli 2020

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “Facebook, die „Apothekenumschau“? Von wegen!

  1. Liebe Eva,

    das sind interessante Gedanken über Facebook, die ich zum großen Teil so teile. Wo ich ein wenig Bedenken habe – wenn Facebook zu meiner Nachrichtenquelle wird, dann wird es doch sehr sehr einseitig. Denn Facebook zeigt mir ja immer nur das, was Facebook für mich als relevant ansieht. Nicht mit dem Ziel, mich zu informieren sondern lediglich mich möglichst lange online zu halten, um mir möglichst viel Werbung zeigen zu können. Und so komme ich aus meiner eigenen Gedankenblase nicht mehr heraus.

    Was ich sehr gerne als Alternative empfehle ist eine Seite wie https://newstral.com/, dort bekomme ich einen wunderbaren Überblick über unzählige deutsche Zeitungen und Nachrichtenmagazine. Die Seite kann ich mir nach Geschmack einrichten und umgestalten, ich lese dort gerne seit vielen Jahren Tag für Tag.

    Das größte Plus bei Facebook ist für mich – man trifft Menschen, die man ansonsten definitiv nicht treffen würde. Und aus vielen virtuellen Kontakten sind für mich tatsächlich in der Zwischenzeit schöne Freundschaften entstanden.

    Sommerliche Grüße aus der schönen Schorfheide!

  2. Ja, diese Vorfilterung finde ich auch entwürdigend. Macht übrigens nicht nur Facebook, macht auch Google bei Google News und YouTube, und eigentlich ist man nur bei Twitter in der Lage, auf Chronologie zu bestehen. Dass das nicht nur gemacht wird, um uns eine komfortable Nutzung zu ermöglichen, ist wohl klar. Wir sind ja Versuchskaninchen in einem globalen Versuchslabor – und die Digitalgiganten experimentieren fleißig herum um zu erforschen, wie man bestmöglich unser Verhalten und unsere Wertesysteme beeinflussen kann. Und Facebook ist die „Mutter der digitalen Unterhaltung“ – sowohl zwischenmenschlich als auch als Entertainment-Kanal. Wie ich morgens meine News beim Frühstück lese? Ich nutze seit vielen Jahren den RSS-Reader feedly. https://steadynews.de/socialmedia/tools-fuer-social-media-manager-1-feedly-fuer-die-taegliche-news-recherche Habe an die 100 Quellen (kostenlos) abonniert und scrolle beim Frühstück durch, und was ich spannend finde, teile ich anschließend bei Twitter. Für mich perfekt. Andere nehmen Twitter zum „Zeitung lesen“… Danke dass Du Deine Methode zeigst hier!!! Aber probier auch mal feedly aus (mit App für Smartphone und Tablet) – es ist einfach genial. Und niemand filtert irgendwas vor. „You get what you orderd“ – das mögen wir nicht wahr lieber Uli? Und auch wenn wir Facebook, Google, Microsoft und Co ein bisschen durchschauen, nutzen wir das Mega-Versuchslabor um uns zu vernetzen. Es ist gut. Man sieht es an Hongkong, an #Blacklivesmatter – trotz alledem ist das Ganze eine Machtverschiebung hin zum „Volk“ 🙂

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